Speyer Viele Stunden zum Wohle der Natur
«Dudenhofen.»Christiane Brell, Diplom-Biologin mit eigenem Umweltplanungsbüro, kam vor zwölf Jahren zum Natur- und Vogelschutzverein (NVV) und wurde gleich zur Vorsitzenden gewählt. Das habe sie ihrem Mann zu verdanken, erzählt die 54-Jährige. Dieser habe sie damals dem stellvertretenden Vorsitzenden des NVV, Willi Aures, vorgeschlagen, als dieser auf der Suche nach einem Vorsitzenden gewesen sei. Obwohl die Vorstandsarbeit nicht eine Stunde pro Woche umfasse, wie ihr von Aures versprochen worden sei, mache sie ihr Ehrenamt gerne, sagt Brell. Ihre Mitstreiter, Jürgen Traxel, Schriftführer des Vereins, und Stephan Hanisch, Beisitzer und Vorsitzender der dem NVV nahestehenden Ella-Knöll-Stiftung, kamen über Erich Bettag zum NVV. Bettag, Gründungsmitglied des Vereins, habe damals einen Vortrag gehalten, von dem er sehr beeindruckt gewesen sei, erzählt Traxel, der als Augenoptikermeister gearbeitet hat und jetzt im Ruhestand ist. Der 70-Jährige gehört dem Verein seit fast 30 Jahren an. Hanisch stieß Anfang der 1990er-Jahre hinzu. Seine Diplom-Arbeit über die Biotopverbundplanung in der Verbandsgemeinde Dudenhofen sei von Erich Bettag mitbetreut worden, sagt der 55-Jährige, der als Abfallbeauftragter für die Firma Thor in Speyer arbeitet. Die Ella-Knöll-Stiftung wurde aus dem Vermögen der Frau gegründet, die sich für den Naturschutz einsetzte und dem NVV später als Mitglied verbunden war. Knöll starb im Juni 1998. Die Stiftung gibt dem Verein eine finanzielle Unabhängigkeit. Damit kann er Flächen kaufen oder pachten und Projekte anstoßen. „Man hat das Gefühl, dass man etwas machen kann und nicht an Geld denken muss“, sagt Brell. Der 61 Jahre alte Verein besitzt 17 Hektar Flächen rund um Dudenhofen, die naturnah und mit Obstbäumen bepflanzt sind. Um die Pflege kümmern sich Willi Aures und seine Helfer. Ein großes Projekt, das im nächsten Jahr angegangen werden soll, ist die Umgestaltung des ehemaligen Geländes der Gärtnerei Horländer am Ortsausgang Richtung Harthausen. Der Verein hat die ein Hektar große Fläche vor rund zehn Jahren gekauft. Brell schwebt eine naturnahe Begrünung für Bienen und andere Insekten sowie ein Tümpel für kleine Wasserlebewesen vor. Das Insektensterben zu stoppen und Tieren Rückzugsmöglichkeiten zu bieten, darin sieht der NVV seine größte Aufgabe. Dafür wurde die Aktion „Dudenhofen blüht“ ins Leben gerufen, bei der Grünflächen im Dorf naturnah bepflanzt werden (wir berichteten). Als größte Herausforderung sehen die Mitglieder des NVV die Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und Landwirten an. Die intensiv betriebene Landwirtschaft mit einheitlich bewirtschafteten Flächen, die durch die EU-Vorgaben am lukrativsten seien, sorgt für den Artenschwund, sagt Brell. Dass Gehölz und naturnahe Flächen sowie Unebenheiten auf den Äckern fehlen und Feldwege gepflastert werden, sieht sie als Ursache dafür an, dass es immer weniger Arten gibt. Auch den Düngemittel- und Pestizideinsatz sieht Brell kritisch. Auf lokaler Ebene versuche der Verein mit den Landwirten zusammenzuarbeiten, was mal mehr, mal weniger gut klappe. Als positives Beispiel nennt Hanisch, dass Landwirt Thomas Beck dem Verein eine Fläche am Atzelhof zum Aussäen einer bienenfreundlichen Wiese überlassen hat. Einig sind sich die drei NVV-Mitglieder, dass Landwirte für den Naturschutz entschädigt werden sollten. Hanisch fordert auch mehr Personal bei den Naturschutzbehörden, um Missstände aufzudecken und Sanktionen durchzusetzen. Den mit 1500 Euro dotierten Umweltschutzpreis, den der Rhein-Pfalz-Kreis alle drei Jahre für besondere Umwelt- und Naturschutzprojekte verleiht, sehen die drei Mitglieder als Anerkennung für die Arbeit an. Jürgen Traxel sieht dadurch auch die Stellung des mehr als 250 Mitglieder starken Vereins in der örtlichen Politik gestärkt. Außerdem erhofft sich der Verein durch den Preis noch mehr Mitglieder, die sich engagieren möchten. Der harte Kern, der bei jeder Aktion dabei sei, bestehe nur aus 15 Mitgliedern, sagt Traxel. Brell hat die Erfahrung gemacht, dass es viele Mitglieder gebe, die sich projektbezogen und nicht über einen langen Zeitraum engagieren wollen und dann auch mit Freude dabei seien. „Wir sind um jede Stunde froh, die jemand für die Natur einbringt“, sagt die NVV-Vorsitzende.