Böhl-Iggelheim
Zum 200. Geburtstag: Erinnern an Kirchenmusiker Jakob Heinrich Lützel
Jakob Heinrich Lützel war als Volksschullehrer, Organist und Chorleiter tätig. Vor allem als Kirchen- und Volksliederkomponist sowie als Vater des Pfälzischen Sängerbundes wurde er weithin bekannt. Er dirigierte als Hauptvereinsmusikdirektor 87 Vereine mit etwa 4000 Sängern, sorgte für viele Kompositionen und die Herausgabe zahlreicher Gesangbücher. Außerdem war er maßgeblich für die Gründung des „Evangelischen Kirchengesangsvereins der Pfalz“ im Jahr 1880 verantwortlich. Dadurch erhielten die 62 damals bestehenden Kirchenchöre laut dem Iggelheimer Heimatforscher Theo Brendel einen Dachverband. Lützel wurde im Alter in Würdigung seiner Verdienste zum Professor erhoben. Die Stadt Zweibrücken verlieh ihm zudem die Ehrenbürgerschaft. Und in Iggelheim bemüht sich unter anderem der Heimatpflege- und Museumsverein Böhl-Iggelheim um das Andenken des „großen Sohnes“ Iggelheims.
Einbau der Riesenorgel
Lützel war es auch, der für den Einbau einer Riesenorgel in die Gedächtniskirche von Speyer sorgte. Damit erreichte der Jubilar über seine Heimat hinaus eine große Nachwirkung. Heute tragen Schulen und Straßen – auch in seinem Geburtsort – seinen Namen. Sein erhaltenes Geburtshaus in Böhl-Iggelheim ziert eine Gedenktafel.
Jakob Heinrich Lützel wurde am 30. August 1823 in Iggelheim geboren. Der Junge verlor schon mit zwei Jahren den Vater und wurde angesichts guter schulischer Leistungen und musikalischer Begabung von seiner verwitweten Mutter mit Unterstützung einiger Förderer auf das Lehrerseminar in Kaiserslautern geschickt. Er erwarb musikalische Kenntnisse, erlernte das Orgelspiel und schloss die Seminarausbildung mit der Abschlussnote „sehr gut“ ab. Anschließend wurde Lützel als Zwanzigjähriger zunächst als Schulgehilfe sowie zweiter Lehrer in den Schuldienst von Edigheim, heute ein Stadtteil von Ludwigshafen, übernommen. Parallel zu Fortschritten in der pädagogischen Alltagspraxis vervollständigte er seine Musikkenntnisse beim Organisten Jakob Vierling in Frankenthal. 1845 kam der berufliche Wechsel nach Zweibrücken.
Lützel erhielt eine Anstellung als Lehrer an der Mädchen-Vorbereitungsschule, leitete in der Folge zwölf Jahre lang den städtischen Männerchor Liedertafel, mehrere Jahre lang den Cäcilienverein und gründete 1854 den ersten evangelischen Kirchenchor der Pfalz. Daraus erwuchs nach weiteren Chorgründungen eben jener Evangelische Kirchengesangverein für die Pfalz. Zwischendurch hatte er 1860 zusätzlich den Pfälzischen Sängerbund auf den Weg gebracht.
Seit 1850 war er mit der Bäckerstochter Friederica Catherina Schwörer verheiratet. Doch Zeit für die Familie hatte er kaum. Die Mehrfachbeanspruchung zwischen Schulpflichten, Chorengagement, Privatunterricht, eigenen Musikstudien und wachsender Kompositionsarbeit untergruben zudem seine Gesundheit. Deshalb verzichtete Lützel schon 1854 auf das Lehramt an der Schule, um sich gänzlich der Tonkunst zu widmen.
Organist in Zweibrücken
Sein Einkommen bestritt der Vater der Pfälzer Chorlandschaft danach als Organist der evangelischen Zweibrücker Kirchen und schließlich als Orgelrevisor für die gesamte Pfalz. Doch sein Hauptaugenmerk galt der Weiterentwicklung der Chorlandschaft. Nach Gründung des Dachverbands für die Pfalz wurde er zum Hauptvereinsdirektor berufen. Er initiierte bei der evangelischen Generalsynode eine Neuordnung des Gottesdienstes unter Berücksichtigung des Kirchengesangs und plante und leitete die vier ersten Kirchengesangfeste der Pfalz. Dabei hatte er das Dirigat über 4000 Sänger.
Lützels überregionales Wirken in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt in eine Zeit, in der viele Kirchen neu erbaut wurden. Seine Aufgabe begriff er in der Förderung der kirchenmusikalischen Ausstattung der pfälzischen und saarpfälzischen Kirchen, durch Kirchenchor-Neugründungen und Orgelneubauten.
Fokus auf Chormusik
Sein Hauptaugenmerk als Herausgeber wie als Komponist galt aber der Chormusik: Etwa 200 weltliche und geistliche Chorsätze hat er geschrieben und viele Chorsammlungen über Jahrzehnte hinweg herausgegeben. 1883 wurde ihm aufgrund seiner Verdienste der Titel „Königlicher Professor der Musik“ verliehen. Lützel starb „nach langen bangen Qualen und vieler Erdenpein“ am 9. März 1899 in Zweibrücken. Der Pfälzer Sängerbund ließ auf Lützels Grab in Zweibrücken ein Denkmal errichten, das erhalten blieb.
Musik zu Ehren Lützels
Der Evangelische Singkreis Iggelheim wird unter dem Motto „200Lützel2023“ mehrere Gottesdienste in der protestantischen Kirche mit chormusikalischen Kompositionen Jakob Heinrich Lützels gestalten:
Samstag, 7. Oktober, 18 Uhr, zur Eröffnung der Hungermarsch-Aktion;
Sonntag, 26. November, 10 Uhr, Ewigkeitssonntag,
Sonntag, 10. Dezember, Gottesdienst zum zweiten Advent,
Sonntag, 24. Dezember, 16 Uhr, Gottesdienst zu Heiligabend.