Zweibrücken Zweibrücker Komponist Heinrich Lützel vor 200 Jahren geboren
Jakob Heinrich Lützel stammte vom Rande des Speyerer Waldes, war als Volksschullehrer, Organist sowie Chorleiter tätig und erlangte vor allem als Kirchen-und Volksliederkomponist und als Vater des Pfälzischen Sängerbundes deutsche Bekanntheit. Er dirigierte als Hauptvereinsmusikdirektor 87 Vereine mit etwa 4000 Sängern, sorgte für viele Kompositionen und die Herausgabe zahlreicher Gesangsbücher. Er wurde im Alter in Würdigung seiner Verdienste zum Professor erhoben. Die Stadt Zweibrücken verlieh ihm zudem die Ehrenbürgerschaft.
Lützel war es auch, der für den Einbau einer Riesenorgel in die Gedächtniskirche von Speyer sorgte. Damit erreichte der Jubilar über Rheinland-Pfalz hinaus eine beträchtliche Nachwirkung. Heute tragen Schulen und Straßen seinen Namen. Sein erhaltenes Geburtshaus ziert eine Gedenktafel.
Musikalische Begabung
Jakob Heinrich Lützel wurde am 30. August 1823 in Iggelheim geboren. Der Junge hatte einfache Eltern, verlor schon mit zwei Jahren den Vater und wurde angesichts guter schulischer Leistungen und musikalischer Begabung von seiner verwitweten Mutter mit Unterstützung einiger Förderer auf das Lehrerseminar in Kaiserslautern geschickt. Er erwarb zusätzliche musikalische Kenntnisse, erlernte das Orgelspiel und schloss die Seminarausbildung mit der Abschlussnote „Sehr gut“ ab. Anschließend wurde Lützel als Zwanzigjähriger zunächst als Schulgehilfe sowie zweiter Lehrer in den Schuldienst von Edigheim bei Ludwigshafen übernommen. Parallel zu Fortschritten in der pädagogischen Alltagspraxis vervollständigte er seine Musikkenntnisse beim Organisten Jakob Vierling in Frankenthal. 1845 kam der berufliche Wechsel nach Zweibrücken.
Lützel erhielt eine Anstellung als Lehrer an der Mädchen-Vorbereitungsschule, leitete in der Folge zwölf Jahre den städtischen Männerchor Liedertafel, mehrere Jahre den Cäcilienverein und gründete 1854 den ersten evangelischen Kirchenchor der Pfalz. Daraus gedieh nach weiteren Chorgründungen der Evangelische Kirchengesangverein für die Pfalz. Zwischendurch hatte er 1860 zusätzlich den Pfälzischen Sängerbund auf den Weg gebracht.
Organist der Alexanderkirche
Seit 1850 war er mit der Bäckerstochter Friederica Catherina Schwörer verheiratet. Doch Zeit für die Familie hatte er kaum. Die Mehrfachbeanspruchung zwischen Schulpflichten, Chorengagement, zusätzlichem Privatunterricht, eigenen fortdauernden Musikstudien und wachsender Kompositionsarbeit untergruben zudem seine Gesundheit. Deshalb verzichtete Lützel schon 1854 auf das eigentliche Lehramt an der Schule, um sich gänzlich der Tonkunst zu widmen.
Sein Einkommen bestritt der Vater der Pfälzer Chorlandschaft als Organist der Zweibrücker Alexanderkirche, dann als Organist aller Zweibrücker Kirchen der Evangelischen Kirche und schließlich als Orgelrevisor für die gesamte Pfalz. Doch sein Hauptaugenmerk galt der Weiterentwicklung der Chorlandschaft. Nach Gründung des Dachverbandes für die Pfalz wurde er zum Hauptvereinsdirektor berufen. Er initiierte bei der evangelischen Generalsynode eine Neuordnung des Gottesdienstes unter Berücksichtigung des Kirchengesangs und plante und leitete die vier ersten Kirchengesangfeste der Pfalz. Dabei hatte er das Dirigat über 4000 Sänger.
Denkmal am Grab
Das fünfte und sechste Fest konnte er nur noch planen. Parallel investierte er viel Kraft in den Einbau einer Riesenorgel in die damals neue evangelische Gedächtniskirche in Speyer. Das lag ihm am Herzen. Diese Protestationskirche war eine Reaktion auf den Ausbau des Doms. Ihr Neubau sollte nicht hinter dem Dom zurückstehen und wurde bestens ausgestattet – auch mit einer Riesenorgel. Schon bei dieser Aktivität lähmten ausufernde Krankheiten Lützels Tatendrang.
Lützel starb „nach langen bangen Qualen und vieler Erdenpein“ am 9. März 1899 in Zweibrücken. Der Pfälzer Sängerbund ließ danach auf Lützels Grab in Zweibrücken ein Denkmal errichten, das erhalten blieb. Er hinterließ außer einer blühenden Chorlandschaft in der Pfalz, vielen kompositorischen Chorwerken aus seiner Feder auch zahlreiche Gesangsbücher und Schulliederbücher, die eine weite und anhaltende Verbreitung fanden.