Mutterstadt
Wohnraum für Flüchtlinge wird knapp
Rüdiger Geib, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, ist in der Sitzung des Sozialausschusses, in der der Jahresbericht 2022 vorgestellt wurde, deutlich geworden: „Für 2024 sehe ich schwarz, der Gemeinderat wird sich Gedanken machen müssen, welche öffentlichen Gebäude sie für die Unterbringung der Flüchtlinge und Asylsuchenden bereitstellen muss.“ Derzeit leben 160 Asylsuchende, davon 44 Männer, in den sogenannten Low-Cost-Häusern in der Waldstraße, und 93 ukrainische Flüchtlinge im Ortsgebiet. Für 2023 seien der Kommune seitens der Kreisverwaltung 70 bis 80 Personen zur Unterbringung angekündigt worden. „In diesem Jahr werden wird das mehr schlecht als recht leisten können, aber dann …“, sagte Geib und verweist auf den Wohnungsmarkt in Mutterstadt, „der praktisch kaum noch was hergebe“.
Schon 2022 sei die Unterbringung, aber auch die Betreuung der Flüchtlinge eine große Herausforderung für die Sozialverwaltung gewesen, berichtete Mutterstadts Sozialarbeiterin Christine Franz dem Ausschuss. „Es war zum Teil auch überfordernd“, sagte sie ganz offen, denn man musste ab März ohne Vorlaufzeit viele Ad-hoc-Entscheidungen treffen. All dem gegenüber stand eine sehr große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und der hiesigen Kirchen und Vereine. So konnten viele Hilfen unbürokratisch umgesetzt werden. Sehr schnell seien Sprachkurse angeboten oder das Café „Solidarität“ wieder ins Leben gerufen worden. „Diese Zeit hat gezeigt, wie wichtig die Vernetzung innerhalb der Gemeinde ist, die in der Coronazeit etwas zurückgegangen ist“, sagte die Sozialarbeiterin.
Manchmal sei aber die Hilfsbereitschaft in allzu gut gemeinten Aktionismus umgeschlagen, etwa wenn Leute privat an die ukrainische Grenze gefahren seien, Flüchtlinge abholten und ohne Vorwarnung der Gemeinde „übergaben“. „Auch haben wir es, so gut es möglich war, vermieden, Flüchtlinge bei Einzelpersonen in ihren eigenen Wohnungen unterzubringen. Denn auf Dauer kommt es wegen der unterschiedlichen Lebensgewohnheiten zwangsläufig zu Konflikten, was sich auch in einem Fall bewahrheitet hat“, berichtet Christine Franz. Problematisch sei auch gewesen, dass die ukrainischen Flüchtlinge häufig sehr rasch den Wohnort wechselten, die weiterlaufenden Mietkosten mussten laut Christine Franz von der Kommune ausgeglichen werden.
Neben dem Flüchtlingsstrom aus der Ukraine mussten auch die Asylsuchenden betreut werden. Die Unterkünfte in der Waldstraße seien endlich saniert und instandgesetzt worden. Für Frust unter den Bewohnern sorgte auch die Tatsache, dass die ukrainischen Flüchtlinge zum Teil weitergehende Rechte und Möglichkeiten hatten: „Sie durften sich in Deutschland frei bewegen und waren zum Teil sehr schnell ans Jobcenter angebunden.“ Hier musste die Sozialarbeiterin schlichten. Auch darum sei sie dankbar, dass die Gemeinde ihr eine Weiterbildung zur zertifizierten Mediatorin ermöglichte.