Bobenheim-Roxheim
Wirt für Gondelfest springt ab
Das große Traditionsfest am Roxheimer Altrhein steckt seit Jahren in der Krise, besser gesagt in der Kostenfalle. Nach Angaben der Verwaltung hat das Gondelfest im vergangenen Jahr 50.000 Euro aus dem Gemeindesäckel verschlungen, ohne dass mehr als zuvor geboten wurde. Im Gegenteil: Es fahren keine venezianischen Gondeln mehr, weil sowohl deren Reparatur als auch ein Gondoliere zu teuer sind. Auch der Tretbootbetrieb wurde aufgegeben. Und einen italienischen Markt, dessen Stände früher einmal den Festplatz flankierten, gibt es schon lange nicht mehr.
Zuletzt sorgten hauptsächlich ortsansässige Vereine für die Bewirtung, an der Kommune blieben Organisation, Infrastruktur, Bühnenprogramm und Feuerwerk hängen, das heißt Geld und Personalkosten. Deshalb wurde Anfang März beschlossen, nicht nur wie schon üblich den Schaustellerbereich, sondern auch den eigentlichen Festbetrieb an einen Generalunternehmer abzugeben. Um das zweite Maiwochenende herum traf im Rathaus die Hiobsbotschaft ein: Der Generalpächter verkündete seinen Rückzug von dem Projekt. In den sozialen Netzwerken wurde die Sache heiß diskutiert, und im Raum stand die Frage, ob das Gondelfest nun überhaupt stattfinden könne.
Erleichterung im Kulturausschuss
Der Erste Beigeordnete Georg Zwilling (CDU) gab vergangene Woche im Jugend-, Sozial- und Kulturausschuss Entwarnung: „Das Gondelfest findet trotz allem statt.“ Damit löste er in dem Gremium große Erleichterung aus. Bei der Frage, warum die Zusammenarbeit mit dem neuen Festwirt gescheitert ist, gehen die Meinungen auseinander. „Wir sind sehr enttäuscht“, sagte im Ausschuss Mike Lemke, der bei der Gemeindeverwaltung für die Bobenheim-Roxheimer Volksfeste zuständig ist. Man habe erfolglos versucht, den Pächter zu erreichen, inzwischen sei das Thema für die Gemeinde abgeschlossen. „Selbst wenn er es sich noch einmal anders überlegen sollte, ist die Zusammenarbeit beendet. Wir brauchen zuverlässige Leute“, so Lemke. Wie Georg Zwilling auf Anfrage erläutert, hätte die Firma mit der Gemeinde und den Vereinen zusammengearbeitet und einen Zuschuss von 25.000 Euro bekommen, und dafür alles andere in eigener Regie und finanzieller Verantwortung übernehmen müssen.
Seinen Rückzug habe der Pächter nur oberflächlich per E-Mail begründet und darin bezweifelt, dass sich das Fest für ihn noch finanziell lohne, weil die zu erwartenden Einnahmen zu gering seien. Mike Lemke dagegen glaubt, dass es noch einen anderen Grund für die Absage gibt: „Zuvor hat er mir noch Beweisfotos von Chat-Verläufen geschickt, in denen das Gondelfest von Personen aus Bobenheim-Roxheim, die aktiv in die Vorbereitungen involviert sind, schlechtgeredet wurde.“ Eine Person sei daher von den Festvorbereitungen ausgeschlossen worden, bei weiteren sei dies noch nicht ganz geklärt. „Ich bin mir sicher, dass das dazu beigetragen hat, dass der Pächter die Reißleine gezogen hat“, so Lemke.
Generalpächter nennt andere Gründe
Auf Anfrage der RHEINPFALZ verteidigt Toni Ahlendorf von der Firma Zelt- und Bewirtungsbetrieb Ahlendorf in Marburg seine Entscheidung damit, dass die Kosten in Relation zu den erwartenden Einnahmen zu hoch seien. Dass Lemke von der Entscheidung überrascht sei, kann Ahlendorf nicht nachvollziehen. „Wir haben zwar über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen, aber es wurde noch kein Vertrag unterzeichnet“, sagt er. „Erst wenn ich alle Zahlen kenne, kann ich entscheiden, ob es sich für mein Unternehmen lohnt.“ Für zu kurzfristig hält er seine Entscheidung nicht: „Die ersten Gespräche sind erst im März geführt worden.“ Tatsächlich habe er eine Nachricht von einer Person bekommen, die das Gondelfest schlechtgeredet habe. Das habe er mit Gemeindemitarbeiter Lemke besprochen. „Ich habe die Nachricht aber nicht ernst genommen, und sie hat nichts mit meiner Entscheidung zu tun“, sagt der Marburger. Beigeordneter Zwilling bestätigt auf Anfrage, dass noch kein Vertrag unterschrieben wurde. „Wir hatten allerdings schon am Preis nachverhandelt und die einzelnen Punkte des Vertrags besprochen.“ Daher sei für die Gemeinde der Eindruck einer gesicherten Zusammenarbeit entstanden.
Gondelfest findet trotzdem statt
Die Frage, wie das Fest nun ohne diesen Gastwirt stattfinden kann, ist mittlerweile geklärt. „Wir hatten noch einen Alternativplan und haben ohnehin zweigleisig organisiert“, sagte Lemke im Ausschuss. Plan B sei, dass die Gemeinde der Ausrichter des Fests bleibt und die gesamten Kosten trägt. „Es ist nicht ideal und für die Gemeinde mit hohen Ausgaben verbunden, aber es ist machbar“, sagt Zwilling gegenüber der RHEINPFALZ. Man versuche, Sparpotenzial zu nutzen, im Blick habe man dafür die Technik für Musik und Beleuchtung. „Die Gäste sollen aber auf nichts verzichten müssen. Der Standplan muss überarbeitet werden, die Bands und auch das Feuerwerk bleiben“, versichert Zwilling und zeigt sich zuversichtlich, dass das Problem auch unter Zeitdruck gelöst wird.
In Bezug auf die im September stattfindende Kerwe berichtete der Beigeordnete bereits im Ausschuss, dass sich genügend Personen gefunden hätten, die die Organisation des Kerweumzugs übernehmen wollten. „Momentan sieht es so aus, als ob wir 20 Zugnummern zusammenbekommen“, sagte Zwilling.