Fragen und Antworten
Windkraft: Unternehmen wollen Flächen
Wie sehen die Überlegungen für den Windpark Otterstadt/Waldsee aus?
Die Stadtwerke Speyer (SWS) und ihr langjähriger Partner Weag aus dem rheinland-pfälzischen Neumagen-Dhron planen östlich der B9 drei Windräder. Das ausgewiesene Gebiet liegt zum größten Teil auf Otterstadter, ein kleiner Zipfel auf Waldseer Gemarkung. Aktuell sind drei Anlagen mit einem Rotordurchmesser von 160 Meter und einer Nabenhöhe von 166 Meter angedacht. Die Windräder würden somit 246 Meter hoch sein. Weil die Anlagen eine hohe Leistung erzielen, wird laut SWS-Geschäftsführer Wolfgang Bühring auch ein Transformator notwendig sein.
Bei drei Windrädern wird mit einer Jahresstromproduktion von 37,5 Millionen Kilowattstunden gerechnet, was 37.500 Megawattstunden entspricht. Zur Einordnung: Haushalte, Gewerbe und Industrie in der Verbandsgemeinde Rheinauen haben laut Energieatlas Rheinland-Pfalz einen jährlichen Stromverbrauch von 78.417 Megawattstunden. Das bedeutet, dass der Windpark fast die Hälfte des Strombedarfs decken könnte. Vorbild ist der Windpark Hatzenbühl, den SWS und Weag gemeinsam realisiert haben.
Wie werden die Pläne in der Bevölkerung aufgenommen?
Die politischen Vertreter an der Spitze von Waldsee, Otterstadt und der Verbandsgemeinde Rheinauen – Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU), Ortschef Bernd Zimmermann (CDU) und Bürgermeister Patrick Fassott (SPD) – sprachen sich am Donnerstagabend bei einer Infoveranstaltung der SWS und Weag für den Windpark aus.
„Wir wollen ein Energiedorf und unabhängig von fossilen Energieträgern werden“, sagte Zimmermann. Klein bekräftigte, dass ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl des Gebiets für den Windpark die ausreichende Entfernung zur Wohnbebauung gewesen sei. Fassott sagte, dass Sonne und Wind in der Region mittlerweile ausreichten, um klimaschonend Energie zu erzeugen.
Das Interesse an dem Projekt in der Bevölkerung und vor allem bei den Eigentümern der Flächen ist groß. Zum Infoabend kamen rund 150 Menschen aus beiden Gemeinden ins Remigiushaus und stellten den Verantwortlichen Fragen.
Welche Fragen beschäftigen Bürger?
Ein Besucher der Informationsveranstaltung zweifelte an dem Nutzen der Windräder und verwies auf Anlagen bei Dannstadt-Schauernheim, die sich häufig nicht drehen würden. Außerdem wurde infrage gestellt, dass an dem geplanten Standort überhaupt genug Wind weht.
Weag-Geschäftsführer Lutz Gubernator sagte, dass die genannten Windräder nicht in seiner Verantwortung lägen. Er machte grundsätzlich deutlich, dass der Zeitpunkt, wann sich ein Windrad dreht und Leistung bringt, nicht entscheidend sei, sondern es darauf ankomme, dass die Summe an gewonnenem Strom am Ende stimme. „Ich würde nicht hier stehen, wenn ich nicht überzeugt davon wäre, dass ein Windpark hier wirtschaftlich betrieben werden kann“, sagte Gubernator. Sein Unternehmen und die SWS rechnen mit einer Investition von zirka 30 Millionen Euro für den Windpark. Der Jahreserlös wird auf 3,3 Millionen Euro kalkuliert.
Wie können die Gemeinden, Flächeneigentümer und Bürger profitieren?
SWS-Teamleiter Mathias Reinhart erklärte, dass alle Eigentümer, deren Flächen für die Windräder gebraucht werden, eine Pacht erhalten. Die Höhe ist abhängig von der Verwendung des Grundstücks. Wer einen Acker besitzt, auf dem das Fundament für das Windrad entsteht, bekommt mehr Geld als jemand mit einem Acker, über dem sich nur das Rotorblatt dreht. Bürger, die keine Flächen in dem Gebiet haben, können dennoch vom Windpark finanziell profitieren. Die Bürgerenergiegenossenschaft Bine stellt eine Beteiligung in Aussicht. Das bedeutet, dass nicht jede Person einzeln ins Gespräch mit den SWS und Weag gehen muss, sondern die Bine die Wünsche bündelt und als Genossenschaft in Kontakt mit den beiden Unternehmen tritt, erklärte Harald Endres von der bürgerINenergie eG.
Den Gemeinden wird ein jährliches Wegenutzungsentgelt pro Anlage in Aussicht gestellt. Außerdem werden 0,2 Cent pro Kilowattstunde an die Gemeinden gezahlt. Bei diesem Projekt wird mit zirka 75.000 Euro pro Jahr gerechnet, die unter den Gemeinden aufgeteilt werden. In die Gemeindekasse von Otterstadt würde mehr Geld fließen, weil mehr Flächen auf Otterstadter Gemarkung liegen.
Wie geht es jetzt weiter?
SWS und Weag befinden sich derzeit noch in der Flächensicherung. Das bedeutet, dass die Eigentümer in dem vorgesehen Gebiet angeschrieben werden und ihnen Verträge für den Windpark angeboten werden. Weag-Chef Gubernator verdeutlichte, dass es nicht reiche, wenn einzelne Eigentümer zustimmten. „Es geht um die ganze Fläche, die von den Rotoren überstrichen wird.“ Das heißt: Im Durchmesser von 160 Metern muss die Einwilligung der Eigentümerinnen und Eigentümer eingeholt werden. Laut SWS-Geschäftsführer Bühring haben einige Eigentümer schon unterschrieben. Er dankte ihnen für das Vertrauen.
Der Wettbewerbsdruck ist hoch: Auch andere Unternehmen sind in dem Gebiet bei der Flächenakquise. Die SWS und Weag können erst konkreter planen, wenn sie sich ausreichend Flächen sichern konnten. Ihre Projektentwicklungsphase ist für 2025/26 angedacht. 2027 soll Baubeginn sein. Ab 2028 ist die Betriebsphase terminiert, die auf 25 Jahre angelegt ist.
Was passiert nach den 25 Jahren?
Generell können Windräder zurückgebaut werden. Der Rückbau sieht vor, dass die Fläche wieder so hergestellt wird, wie sie vor dem Bau war. Damit dies gesichert ist, müssen die Windparkbetreiber eine Bürgschaft bei der Genehmigungsbehörde hinterlegen. Im Fall des Windparks Otterstadt/Waldsee sagte SWS-Geschäftsführer Bühring aber: „Wir möchten die Anlagen darüber hinaus betreiben.“ Das bedeutet, dass sie eines Tages durch neuere Modelle ersetzt werden könnten.
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