Bobenheim-Roxheim
Wildvogelhilfe: Neuer Name, schlankere Strukturen
Die Entscheidung, die Wildvogel-Auffangstation nicht weiterzubetreiben, sei an Weihnachten gefallen, resümierte Bugert bei der Mitgliederversammlung des Vereins am Samstag. Für die derzeit sieben Päppler bedeute dies eine Arbeitsentlastung, denn die tierischen Patienten seien nun bei ihnen untergebracht – im eigenen Vogelzimmer oder in einer Gartenvogelvoliere. Auch eine Kostenersparnis sei für den gemeinnützigen Verein damit verbunden.
„Es ist eine wunderbare Station, die aber mit sehr viel Arbeit und Aufwand verbunden ist“, sagte Bugert. Allein die Instandhaltung der Bauten und die Bewirtschaftung des Geländes habe viel Kraft gekostet. „Wir sind daran fast kaputtgegangen“, erklärte Bugert. Das Amt der Stationsleitung sei schon länger vakant.
Arbeitsaufwand zu hoch
Der Zeitaufwand für berufstätige Mitglieder sei zu hoch. „Es hätte eine Vollzeitkraft für sieben Tage gebraucht“, sagte Bugert. Zwar hätte der Tierschutzbund eine Spende in Höhe eines Jahresgehalts für einen Tierpfleger in Aussicht gestellt, sollte die Station länger betrieben werden. Doch die Suche in sozialen Netzwerken und über den Naturschutzbund (Nabu) habe keinen Erfolg gehabt. Den Grund sah die frühere Vereinsvorsitzende Sarah Tretter darin, dass „im Tierpflegebereich totaler Fachpflegemangel herrscht“.
Hofflohmarkt am 27. Februar
Auf Hilfe hofft der Verein bezüglich der Bauten auf dem Gelände des Landguts Nonnenhof in Bobenheim-Roxheim. Beim örtlichen Hofflohmarkt am 27. Februar soll das komplette Inventar verkauft werden – von der Haushaltseinrichtung und Geschirr über große Gastronomiekühltruhen bis zu Vogelbedarf wie Näpfe, Nistkästen, aber auch Werkzeug sowie fest Verbautes wie Trockenbauwände, Brunnenpumpe, Baumaterial. Zwar laufe der reguläre Pachtvertrag für das Gelände bis 2031, aber der Verpächter, Familie von Heyl, komme dem Verein entgegen, berichtet Vorsitzende Yvonne Bugert. „Wenn wir bis 30. Juni geräumt und alles zurückgebaut haben, winkt uns sogar noch eine Spende über 1000 Euro.“
980 Tiere aufgenommen
Vorsitzende Yvonne Bugert berichtete, dass die Anzahl der Mitglieder von 2015 bis heute von 44 auf 77 angestiegen sei. 2021 habe der Verein 980 Patienten betreut. 40 Prozent davon hätten nicht überlebt, 44 Prozent der Tiere seien bereits ausgewildert, 16 Prozent an Spezialisten weitergegeben worden. Im vergangenen Jahr habe der Verein bei Einnahmen von 47.245 und Ausgaben von 47.310 Euro ein Minus von rund 65 Euro erwirtschaftet. Nicht entlastet werden konnte der ehemalige stellvertretende Vorsitzende und Stationsleiter Jörn Weiß, der eine Handkasse führt. Das sei jedoch nur eine Formalie, betonte die Kassenwartin Kaja Sauer. Die Abrechnung sei einfach nicht rechtzeitig fertig geworden.
Neben dem Vereinsnamen soll während der nächsten zwei, drei Jahre auch das Logo angepasst werden, sagte Bungert. Im Logo sollten ihrer Meinung nach auch Greifvögel abgebildet werden, die aufgenommen und dann weitergeleitet würden. Künftiger Sitz des Vereins wäre – hier sei die Entscheidung des Vereinsregisters abzuwarten – möglicherweise am Wohnort der jeweiligen Vorsitzenden. Der neuen Struktur wurde auch der Vereinszweck angepasst, etwa dahingehend, dass künftig eine Beringung von Vögeln nicht mehr erfolgen müsse. Die Vorsitzende will sich künftig um den Webauftritt des Vereins kümmern und ihn aktuell halten. Für zwei Amtsjahre neu wählten die anwesenden zwölf Mitglieder Kassenwart, Beirat und Beisitzer.
20 Tauben sollen vermittelt werden
Aktuell versucht die Wildvogel-Auffangstation 20 Tauben zu vermitteln. Sie stammen aus einem Taubenschlag, der als Pilotprojekt bei einem Industrieunternehmen betrieben worden sei. „Erfolgreich“, so heißt es von den Helfern. Dennoch dürfe es vonseiten des Unternehmens nicht mehr betrieben werden. Die dort lebenden 70 Tiere hätten Helfer kurzfristig evakuieren und 50 von ihnen bereits unterbringen können. Nun werde noch eine Unterkunft für die restlichen 20 Tauben gesucht, um sie, so der Verein, „vor dem sicheren Tod zu schützen“. Hintergrund: Die Helfer bezweifeln, dass eine beabsichtigte Vergrämung erfolgreich sein wird und vermuten daher, dass die Tiere am Ende getötet werden.
Vorstand
Vorsitzende: Yvonne Bugert, Stellvertreterin Sandra Manier, Kassenwart Simone Steigerwald, Beirat: Ewald Marx, Kaja Sauer, Beisitzer: Sarah Tretter, Stefanie Ronacher