Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wildvogel-Auffangstation droht das Aus

Hungrige Spatzen: Die Päpplerinnen der Wildvogel-Auffangstation Nonnenhof kümmern sich um Vögel in Not.
Hungrige Spatzen: Die Päpplerinnen der Wildvogel-Auffangstation Nonnenhof kümmern sich um Vögel in Not.

Immer mehr Patienten, immer weniger Freiwillige: Die Wildvogel-Auffangstation Nonnenhof läuft schon seit Längerem am Limit. Der frisch gewählte Vorstand will die Weichen für die Zukunft stellen. Das könnte auch bedeuten, dass das Stationsgelände in Bobenheim-Roxheim geschlossen werden muss.

Auf dem rund 2500 Quadratmeter großen Areal im Nonnenhof, das der Verein gepachtet hat, befinden sich derzeit vier Volieren für Tauben und Raben sowie fünf kleinere Gehege für Singvögel und eine Voliere für Papageien. In der Auffangstation fallen jeden Tag mehrere Stunden Arbeit an: Neben der täglichen Reinigung der Volieren und der Versorgung der Tiere muss auch Zeit für die Annahme neuer Patienten, die Instandhaltung des Geländes, Telefondienste sowie für Arztbesuche aufgebracht werden.

1200 Vögel haben die zwölf aktiven Mitglieder nach Vereinsangaben in diesem Jahr betreut – und der Bedarf steige jährlich. „Wir merken, dass es immer mehr Vögel werden und dass der Umkreis, aus dem sie kommen, zunehmend größer wird, weil andere Stationen schließen“, sagt Vorsitzende Yvonne Bugert, die in einer Mitgliederversammlung am vergangenen Samstag als Nachfolgerin der bisherigen Stationsleiterin Sarah Tretter gewählt wurde. Ihre Stellvertretung übernimmt Sandra Manier aus Frankenthal. Schon jetzt sei absehbar, dass im kommenden Jahr zwei bis drei Aktive aus ihrem Team wegfallen. Versuche, neue Helfer für die Stationsarbeit anzuwerben, seien bisher erfolglos gewesen. „So, wie es momentan ist, können wir die Station in Zukunft nicht mehr tragen“, sagt Bugert. Alle Mitglieder seien überlastet.

Abläufe effizienter gestalten

Dennoch will die neue Spitze den Verein und die Versorgung der Vögel auch in Zukunft aufrechterhalten. Deshalb feilen die Mitglieder an einem neuen Konzept. Erste Neuerung: Die zentrale Notfallnummer der Station wurde eingestellt. Stattdessen gibt es im Netz eine Übersicht aller fünf Päpplerinnen – also derjenigen, die verletzte Vögel wieder fit pflegen – mit Telefonnummer, Wohnort und bevorzugter Vogelart, sodass Findlinge direkt an die passende und nächstgelegene Vogelexpertin abgegeben werden können. Um die Annahme der Tiere noch effizienter zu gestalten, soll die Internetseite der Auffangstation so überarbeitet werden, dass auch Laien verletzte Vögel anhand von Bildern leicht bestimmen können.

Langfristig gibt es aus Sicht der Mitglieder jedoch nur zwei Möglichkeiten: Entweder muss es gelingen, zwei Teil- oder Vollzeitstellen für die Stationsarbeit zu schaffen, die bisher ehrenamtlich gestemmt wurde, oder das Stationsgelände muss geschlossen werden. Da der Verein seine Kosten über Spenden deckt, ist es Bugert zufolge schwierig, Personal einzustellen. „Uns fehlt in der Hinsicht die finanzielle Sicherheit. Wenn überhaupt, könnten wir nur zeitlich befristet einstellen“, erklärt die Vorsitzende. Man habe in der Sache bereits Rat beim Deutschen Tierschutzbund gesucht, eine Antwort stehe noch aus.

Vögel zuhause aufpäppeln

Bugert hält die drohende Aufgabe des Stationsgeländes für verschmerzbar. Die Päpplerinnen kümmern sich laut der Vorsitzenden sowieso in der Regel in ihren Privatwohnungen um die Tiere, viele hätten dafür extra Räume eingerichtet. „Ich habe während der Saison selbst dauerhaft zehn bis 14 Tiere bei mir zu Hause“, sagt die Mannheimerin, die sich insbesondere mit Spatzen und Finken auskennt. Ausgewildert werde dann in Volieren im heimischen Garten, statt wie üblich auf dem Stationsgelände.

Auch wenn Bugert den Vorsitz der Wildvogel-Auffangstation in einer schwierigen Zeit übernimmt, zeigte sie sich im Gespräch mit der RHEINPFALZ optimistisch: „Die Arbeit mit den Tieren bleibt für mich eine Herzensangelegenheit“, betont sie. Die derzeitige Saisonpause will sie nutzen, um sich in die Verantwortlichkeiten des Vereins einzuarbeiten. Bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Januar soll das neue Konzept für die Auffangstation stehen. Bis dahin hofft Bugert auf Unterstützung von Sponsoren zur Finanzierung von festen Mitarbeitern oder einen deutlichen Zuwachs an freiwilligen Helfern.

Kontakt

Eine Übersicht aller Päpplerinnen unter www.wvas-nonnenhof.de. Interessierte können sich per E-Mail an info@wvas-nonnenhof.de melden. Spenden sind auf folgendes Konto möglich: Sparkasse Vorderpfalz, IBAN DE96 5455 0010 0030 0287 99, BIC: LUHSDE6AXXX.

Neue Erste Vorsitzende der Wildvogel-Auffangstation: Yvonne Bugert.
Neue Erste Vorsitzende der Wildvogel-Auffangstation: Yvonne Bugert.
Wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden der Wildvogel-Auffangstation gewählt: Sandra Manier.
Wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden der Wildvogel-Auffangstation gewählt: Sandra Manier.
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