Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wilderei: Wenn Schüsse durch den Wald hallen

Auf der Jagd: In der dicht besiedelten Vorderpfalz haben es Wilderer schwer.
Auf der Jagd: In der dicht besiedelten Vorderpfalz haben es Wilderer schwer.

Der kaltblütige Mord an zwei Polizisten in der Nähe von Kusel hat die Menschen erschüttert. Besonders unbegreiflich erscheint vielen, dass der Täter damit offenbar Wilderei vertuschen wollte. Kreisjagdmeister Bernhard Sona aus Harthausen berichtet, welche Rolle das Thema im Rhein-Pfalz-Kreis spielt.

„Ab und zu fallen mal Schüsse, die man nicht zuordnen kann“, berichtet Bernhard Sona. Sind also auch im Speyerer Umland Wilderer zugange? Dafür gibt es zumindest keine Belege. Es gebe keine Anzeigen bei der Polizei. „Wenn wir hier Wilderei hätten, dann müsste man auch mal Spuren finden, Blut zum Beispiel“, sagt er. Die Schüsse könnten auch von Jugendlichen kommen, die „rumballern“, glaubt Sona. „Das schließt aber nicht aus, dass trotzdem gewildert wird“, schränkt er ein.

Der Kreisjagdmeister kann sich nur an einen Fall von Wilderei erinnern, der bekannt geworden sei. Der liege aber schon rund 20 Jahre zurück. Damals sei ein Wilderer nachts mit dem Auto unterwegs gewesen und habe Hasen geschossen. Auch habe es einmal eine Anzeige gegeben, dass in einem abgelegenen Teil eines Reviers gewildert wird. „Da hat sich aber herausgestellt, dass sich ein Jäger nur in der Reviergrenze geirrt hatte“, erinnert sich Sona. Vor Kurzem habe ihn ein Jäger angerufen, der ebenfalls berichtete, dass in einer bestimmten Ecke seines Reviers immer wieder Schüsse zu hören seien. Anzeichen für Wilderei seien aber auch dort nicht gefunden worden. Nichtsdestotrotz soll demnächst ein Termin mit der Polizei vor Ort stattfinden.

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Hunde sind ein Problem

Dass jemand regelmäßig große Mengen an Tieren schießt, ohne dass es jemand bemerkt, wie es der mutmaßliche Mörder im Grenzgebiet von Pfalz und Saarland tat, ist für den Kreisjagdmeister in der dicht besiedelten Vorderpfalz kaum denkbar. „Das käme bei uns nicht in Betracht“, glaubt Sona. Damwild, dass dann auch noch in größere Zahl auf Wiesen stehe, gebe es hier nicht. Auch sei bei Dunkelheit zu viel los, zum Beispiel durch Radfahrer oder Hundebesitzer. „Wenn es zum Beispiel in Berghausen knallen würde, dann würde man es mitkriegen“, glaubt der Kreisjagdmeister. Was allerdings tatsächlich ein großes Problem auch in seinem Beritt ist: Hunde, die von ihren Besitzern frei laufen gelassen werden, reißen immer wieder Tiere – für Sona auch eine Form der Wilderei.

Der Harthausener kann sich durchaus vorstellen, dass das Thema Wilderei mit Schusswaffen durch den Einsatz von Schalldämpfern und Nachtsichtgeräten künftig an Bedeutung gewinnt. Wenn er Kenntnis davon bekäme, dass Wilderer in der Gegend unterwegs seien, würde er Anzeige erstatten, sagt Sona. Er empfiehlt Bürgern in jedem Fall, die Polizei zu informieren, wenn sie Schussgeräusche hören, die nicht zuzuordnen seien.

„Sehr, sehr erschrocken“ sei er gewesen, als er von der Tat im Kreis Kusel erfahren habe. Er habe selbst eine Tochter bei der Polizei, die ungefähr so alt wie die erschossene Polizeibeamtin sei. Das Tatmotiv verleiht dem Verbrechen für Sona noch eine besonders bittere Note: „Diese Brutalität, nur um Wilderei zu vertuschen ...“, zeigt er sich fassungslos. Mit seinem Kuseler Kreisjagdmeister-Kollegen habe er telefoniert, auch der sei erschüttert. Dass das Ansehen der Jäger durch die Tat leidet, glaubt Sona nicht. Was ihn allerdings ärgere sei, dass es Leute gab, die offenbar wussten oder ahnten, welche Gefahr von dem späteren Täter ausging, aber nicht „aus der Deckung“ gekommen seien.

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