Zur Sache RHEINPFALZ Plus Artikel Wie viele Ukrainer da sind und was sie brauchen

Dieser Junge ist mit einem Transport der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim im März in die Pfalz gekommen.
Dieser Junge ist mit einem Transport der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim im März in die Pfalz gekommen.

Die Situation in Zahlen: Aktuell sind 117 Menschen aus der Ukraine in der Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim erfasst: 18 Männer, 56 Frauen und 43 Kinder. 25 Menschen hat die VG in eigens organisierten Transporten an der ukrainisch-polnischen Grenze abgeholt. Die anderen haben das Land selbst verlassen oder wurden von Privatleuten abgeholt. Einige haben Verwandte und Bekannte in der Region. Andere haben über die sozialen Medien oder die Mennonitengemeinde Hilfe gefunden. Zeitweise waren es bis zu 164 Ukrainer, die in der VG lebten. Ein Teil ist in andere Orte und Länder weitergereist, 36 sind in ihre Heimat zurückgekehrt.

Die Befürchtung, dass noch viel mehr Menschen aus der Ukraine nach Deutschland flüchten, hat sich nach einigen Wochen Krieg bisher nicht bewahrheitet. Deshalb ist das Aufstellen von Wohnraumcontainern erst einmal vom Tisch. „Wir hoffen weiter, dass wir das nicht brauchen“, sagt Thomas Bauer, Fachbereichsleiter in der Verwaltung. Standorte dafür zu finden, sei nicht einfach. „Wir sind baurechtlich durchaus an Grenzen gestoßen.“ Außerdem sei die Anschaffung kostspielig, und die mobilen Wohnräume könnten maximal für vier Jahre genehmigt werden. Wenn es nach den Sommerferien doch nötig werden sollte, liege der Plan aber in der Schublade bereit. Als akute Notlösung wären in der Verbandsgemeinde Turnhallen verfügbar.

Dem Beigeordneten Ewald Merkel (FWG) zufolge haben einige Ukrainer, die noch nicht im Rentenalter sind oder online weiter studieren, eine Arbeitsstelle gefunden. Müttern mit kleinen Kindern fehlt es an Betreuungsmöglichkeiten. „Kita-Kinder bekommen wir nicht alle unter, weil die Kitas voll sind“, erklärt Merkel. Schulkinder nehmen demnach alle am regulären Unterricht teil. Einige könnten Englisch, manchmal helfen russischsprachige Kinder weiter. Das funktioniere ganz gut.

Die Möglichkeiten einer Verwaltung sind begrenzt, deshalb sind ehrenamtliche Helfer unverzichtbar. Der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes Lambsheim und der Verein Freunde für Freunde organisieren zum Beispiel Aktionen und Ausflüge. Jeden zweiten Samstag treffen sich Ukrainer und Helfer zum Austausch in der Karl-Wendel-Schule. Dort sind auch Übersetzerinnen anwesend, um Fragen zu klären. Am Anfang sei die Stimmung noch etwas steif und die Ukrainer zurückhaltend gewesen, heißt es von Beobachtern. So langsam kehrt aber auch bei ihnen eine Art Alltag ein.

Wie sich die Situation in Zukunft entwickeln wird, ist kaum vorauszusagen. „Auf alles kann man eigentlich nicht vorbereitet sein. Man wächst in so eine Krise rein“, sagt Fachbereichsleiter Bauer. Man habe aus der Flüchtlingskrise um 2015 gelernt – vor allem, was grundsätzliche Organisation und Bürokratie angehe. Damals sei es aufwendig gewesen, neben den Hilfesuchenden auch die Ehrenamtlichen, die helfen wollten, zu koordinieren. Dass nun die Fäden bei Krisenmanager Serge Endrizzi zusammenlaufen, bedeute eine große Zeitersparnis für die Verwaltung.

Für die Unterbringung der Geflüchteten werden akut vier Wohnungen gebraucht. In zehn Fällen gibt es noch keine langfristige Bleibe. Vermieter, die eine abgeschlossene Wohneinheit mit Küche und Bad anbieten, können sich per E-Mail an s.endrizzi@lambsheim-hessheim.de melden. Das Jobcenter zahlt eine Bruttokaltmiete bis 409 Euro (Einpersonenhaushalt) und 780,15 Euro (fünf Personen).

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