VG Lambsheim-Hessheim
Interview: Was der neue Krisenmanager vorhat
Herr Endrizzi, wie kam es dazu, dass es in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim nun offiziell einen Krisenmanager gibt?
Ich habe vorher schon als stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Lambsheim viel für die Verbandsgemeinde (VG) gemacht und war zum Beispiel am Aufbau der Corona-Testzentren und seit Kriegsbeginn an der Betreuung der Ukrainer in der VG beteiligt. Die ehrenamtliche Arbeit für das DRK mache ich in meiner Freizeit – und irgendwann war diese Freizeit auch komplett ausgefüllt. So ging es nicht mehr weiter. Die Verbandsgemeinde hat sich dann dafür entschieden, eine Stelle zu schaffen, die sich hauptamtlich darum kümmert.
Was bringen Sie für den Job mit?
Ich bin gut vernetzt. Ich habe durch meine Arbeit beim DRK Kontakte zu den ehrenamtlichen Helfern in der VG, egal ob Kleiderkammer, Fahrradwerkstatt, Netzwerk Hilfe oder Evangelische Kirche, um nur mal einige zu nennen. Und ich kenne die ukrainischen Geflüchteten seit dem Tag, an dem sie hier angekommen sind, weil wir sie über das DRK betreut haben. Auch die Wohnungsgeber kannte ich zumeist vorher schon.
Welche Aufgaben fallen für Sie als Krisenmanager in der Verbandsgemeinde an?
Aktuell geht es hauptsächlich um die Ukrainer. Zu Beginn stand im Vordergrund, wo die Menschen untergebracht werden können oder auch Einkäufe zu organisieren, bis die Leute selbst Geld ausgezahlt bekommen. Momentan sind wir dabei, die sogenannten Wohnungsgeberbestätigungen und Überlassungsvereinbarungen einzuholen. Dabei geht es um offizielle Regelungen, über die dann Miete und Nebenkosten laufen können. Trotzdem suchen wir auch jetzt noch Wohnungen. Durch einen Rechtskreiswechsel kommt nun das Jobcenter für die Sozialleistungen der Ukrainer auf, nicht mehr Gemeinden und Kreisverwaltung. In der Richtung ist also weniger zu tun. An Corona und und dem Krieg in der Ukraine hängt aber ein riesiger Rattenschwanz. Was werden die weiteren Folgen für die VG sein? Und wie wollen wir uns darauf vorbereiten?
Was wäre denn so ein Folgethema?
Nächste Woche sprechen wir über den kommenden Winter, falls wirklich die Gasversorgung eingeschränkt sein wird. Wir denken zum Beispiel daran, warme Teeküchen einzurichten und Ähnliches.
Kritische Stimmen befürchten, Sie könnten Ihr Engagement im DRK-Ortsverein und die Arbeit in der Verwaltung nicht trennen. Wie sehen Sie das?
Ich bin – wie auch Bürgermeister Michael Reith (SPD) – davon überzeugt, dass die Vorzüge überwiegen, weil ich die Strukturen und Ehrenamtlichen schon kenne, mit denen man hier arbeitet. Die Verwaltung ganz alleine, ohne Ehrenamtler, wäre mit den Aufgaben überfordert. Jetzt läuft die Hilfe Hand in Hand, weil ich die Ehrenamtlichen koordinieren kann, aber gleichzeitig Einsicht in die Verwaltung habe und Vorhaben verwaltungstechnisch vorbereiten kann. Ich will aber betonen: Die Arbeit in der Verwaltung und die beim DRK werden klar getrennt, das heißt, ums Thema Corona-Schnelltests kümmere ich mich immer noch erst nach Feierabend.
Sie kommen ursprünglich aus der Privatwirtschaft. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit im Verwaltungsapparat davon?
Es ist natürlich etwas völlig anderes in der Verwaltung. Zuvor war ich im Außendienst unterwegs als Key Account Manager, das heißt, ich habe mich um Großkunden gekümmert und war im Verkauf tätig. An die feste Struktur, die man in der Verwaltung zwingend einhalten muss, muss ich mich noch gewöhnen. Ich finde es aber auch wichtig, als Bindeglied diese Abläufe den Ehrenamtlichen zu erklären, damit deren Hilfe auch für die Verwaltung sinnvoll ist.
Wie stellen Sie sich das Krisenmanagement in Zukunft vor?
Die Stelle ist bis Ende des Jahres befristet. Momentan werde ich hier Vollzeit gebraucht. Wie es danach weitergeht, hängt davon ab, wie hoch der Arbeitsaufwand dann noch sein wird. Wir hatten geplant, Container für die Geflüchteten aufzustellen. Das ist zwar immer noch in der Schublade, wird aber derzeit nicht mehr benötigt, da weniger Ukrainer kamen als zu Anfang gedacht, beziehungsweise weil einige in ihr Heimatland zurückgekehrt sind. Wie sich die Lage in der Ukraine weiterentwickelt, kann man jetzt nicht sagen. Das macht es schwieriger, in die Zukunft zu planen. Langfristig gesehen will ich in meinen eigentlichen Beruf zurückzugehen und mich wieder rein ehrenamtlich engagieren.
Sie waren beruflich bisher viel im In- und Ausland unterwegs. Wie ist es für Sie, nun jeden Tag ins Büro in der Verwaltungsstelle Heßheim zu fahren?
Es ist eine komplette Veränderung, aber auch schön, mehr in der Heimat zu sein. Ich fahre in letzter Zeit öfter mit meinem E-Scooter durch die Verbandsgemeinde und lerne dabei immer wieder neue, schöne Ecken kennen.
Interview: Stefanie Brunner
Zur Person
Serge Endrizzi ist 36 Jahre alt und wohnt mit Frau und Kind in Lambsheim, wo er auch aufgewachsen ist. Er ist gelernter Automobilkaufmann und war danach eine Zeit lang bei der Marine. Danach arbeitete er als Verkaufsleiter in der Autobranche und als Kundenmanager bei Metro, bis er schließlich als Key Account Manager in die Textilbranche wechselte. Ins Deutsche Rote Kreuz wurde er nach eigener Aussage „hineingeboren“, da seine Familie dort stark eingebunden ist. Im Vorstand des DRK-Ortsvereins Lambsheim ist er nun seit 18 Jahren.
