Bobenheim-Roxheim
Wie ein Pfarrer junge Menschen ins Gemeindeleben holen will
Das Konfi-Treffen beginnt mit der Geste „High five“: Jedem der 19 Zwölf- und 13-Jährigen, die ins Martin-Luther-Gemeindehaus kommen, klatscht der protestantische Pfarrer Ralf Hettmansperger auf die erhobene Hand. Anderthalb Jahre lang werden sich die Kinder alle zwei Wochen treffen, bis sie 2024 konfirmiert werden. Ihre Konfi-Zeit beginnt draußen im Kreis mit Koordinationsspielen, bei denen nebenbei Namen gelernt und Schüchternheiten überwunden werden.
Gemeinsam lachen und eine Grundoffenheit für das biblische Wort schaffen, das sind für die erste Stunde die Ziele von Ralf Hettmannsperger. Jährlich begleitet er 22 bis 25 junge Menschen zur Konfirmation. „Es ist längst nicht mehr so, dass wir mehr Konfis haben, als wir zwölf Jahre zuvor getauft haben“, sagt Hettmannsperger, der seit 27 Jahren in Bobenheim-Roxheim wirkt. Seit der Pandemie finden die Konfirmationen nicht mehr acht bis 14 Tage vor Ostern, sondern an einem Samstag im Mai statt, weil das bei vielen Familien gut ankam.
Thema auf dem Schulhof
Mayas Eltern haben ihr die freie Wahl gelassen, sie will sich nun taufen lassen und evangelisch sein. Ihre Freunde hätten ihr erzählt, dass die Konfi-Zeit cool sei. Auch andere berichten davon, dass das ein Gesprächsthema unter Gleichaltrigen ist. „Man will mitreden“, erklärt Isabelle. Andere waren bei der Konfirmation älterer Geschwister dabei und wollen es ihnen gleichtun. „Ich will Patentante für die Kinder meines Bruder sein können“, erklärt Jana ihre Motivation.
Drinnen im Gemeindehaus geht die Stunde mit Zungenbrechern weiter – für die Jugendlichen im Rückblick ein Erlebnis, bei dem jeder mit jedem lacht. Und spätestens als die Konfirmanden sich schnellstmöglich danach befragen müssen, wer durch die Zähne pfeifen kann oder noch ein Kuscheltier im Bett hat, ist die Gruppe ein bisschen zusammengewachsen. Und sie hören dem Pfarrer, der ein Händchen für die verschiedenen Charaktere hat, aufmerksam zu und machen bei rhythmischer Körpermusik und einem gemeinsamen Kanon engagiert mit.
Hettmannsperger ist es wichtig, dass die Konfirmanden eine gute Beziehung zueinander und zu Vertretern der Kirche aufbauen. Den Begriff Konfirmationsunterricht vermeidet er. „Das klingt zu sehr nach kognitiver Arbeit, als ob man in einem vorgegeben Rahmen etwas lernen müsste, das einem fremd ist.“ Er nennt es Konfi-Arbeit und nutzt dabei Elemente aus der Jugendarbeit. „Es geht um subjektorientierte Ansätze“, sagt Hettmannsperger. „Wir müssen uns die Frage stellen, welche Aussagen der Bibel für die Kinder wichtig sind, und dann schauen, wie wir damit umgehen.“
Das sieht in der Praxis dann zum Beispiel so aus: Zum Begriff „Freundschaft“ sammeln die Jugendlichen positive und negative Empfindungen auf einem Plakat. Danach spricht der Pfarrer mit ihnen über die Freundschaft von Jesus und Petrus in der Bibel und was man daraus etwa über Vergebung oder Verrat ableiten kann. Beim Gebot „Du sollst nicht stehlen“ könne man die Verantwortung für Umweltressourcen thematisieren, erklärt Hettmannsperger. Mit der Modeindustrie als Beispiel könne dann der Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen hergestellt werden. Zum Ende der Konfi-Zeit geht es zudem um Themen wie Tod und Sterben sowie den Glauben an die Auferstehung.
Worte, die man versteht
Erwartet wird von den Konfirmanden, dass sie alle 14 Tage im Sonntagsgottesdienst erscheinen. Wer kommt, darf ein Los mit seinem Namen in eine Box werfen, um am Ende der Konfi-Zeit zum Beispiel Karten für den Holiday Park in Haßloch gewinnen zu können. Wie würden sich die Konfirmanden den Gottesdienst wünschen, damit es solche Anreize nicht braucht? Mehr aktive Teilnahme, hört man als Antwort auf diese Frage. Chiara will „nicht nur alte Geschichten hören, in denen Worte vorkommen, die man als junger Mensch nicht versteht“. Katelyn schlägt vor, getrennte Gottesdienste für Kinder und Erwachsene anzubieten. „Dann wäre es auch für uns verständlich.“ Paula wünscht sich mehr Lieder, weil sie gerne singt. Gebete findet sie auch gut, Hauptsache Abwechslung. Jana würde sich freuen, wenn die Jungen mehr Mitsprache bei der Gestaltung der Feiern hätten.
