Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Herr Pfarrer, was bedeutet das Ja zu Gott heute?

Will eine Beziehung zu den Jugendlichen aufbauen: Pfarrer Ralf Hettmannsperger.
Will eine Beziehung zu den Jugendlichen aufbauen: Pfarrer Ralf Hettmannsperger.

Herr Hettmannsperger, warum sollten sich junge Menschen der Kirche zuwenden?
Im günstigsten Fall wenden sie sich nicht der Kirche zu, sondern der Idee, dass es eine Botschaft gibt, die ihnen helfen könnte in der schwierigen Phase des Übergangs vom Kind zum Jugendlichen und später zum Erwachsenen. Begleitende Angebote können ihnen helfen, ein bisschen Struktur zu kriegen in einer Zeit, in der vieles an Struktur verliert. Gerade in diesen Phasen kann die Kirche Impulse geben, die Menschen stärken und ihnen mitgeben, das Leben als gut anzunehmen.

Kirche soll also Raum der Zuflucht in der Pubertät sein?
Es geht immer darum, Räume zu öffnen, um die Menschen beisammen zu halten. Wir bereiten keine Konfirmation vor, sondern bieten Begleitung in einer schwierigen Lebensphase mit den Angeboten, die die Bibel macht, für Menschen, die auf der Suche oder an Übergängen sind. Die Idee ist, durch Beziehungsarbeit ein Fundament dafür zu legen. Das geht nur personalisiert, nicht als auswendig gelernter Stoff. Die Botschaft lautet: Du bist wichtig, und Gott meint es gut mit dir. Die soll man in dieser Zeit leben und erfahren können. In der religiösen Begleitung können Jugendliche spüren, dass sie ernst und wahrgenommen und auch geliebt werden, so wie sie sind.

Die Konfirmation kann man als das Ja zu Gott beschreiben. Was bedeutet das heute?
Wir wollen helfen, einen Zugang zu Gott zu finden. Das Ja ist also kein pauschales „Ja, ich glaube“. Es geht eher darum, dass die Jugendlichen erkennen, dass die Beziehung zu Gott etwas für ihr Leben bedeutet und sie sich weiterhin daran orientieren wollen, so gut sie können. Aber nicht in vorgestanzten Formen, sondern in der Offenheit, wie sich Glaube entwickelt.

Wie viele der jungen Leute können Sie über die Konfirmation hinaus an die Kirche binden?
Das geht gegen Null. Aber wenn wir hier Gemeindefest haben, muss ich nur anrufen, dann sind die Leute da. Sie fühlen sich also zugehörig zur Gemeinschaft. Die persönliche Beziehung ist gut, aber die Jugendlichen kommen nicht zu Gottesdiensten. Was wir hier bräuchten, wäre ein Gemeindediakon, der die Arbeit unterstützt.

Woher kommt der Schwund an Gläubigen?
Ich glaube, das liegt an der Großwetterlage in der Kirche, daran, dass immer mehr Leute nicht mehr kirchlich sozialisiert sind, dass ihnen Kirche nichts bedeutet und der Glaube, wie wir ihn als Volkskirche leben, ihnen kaum noch etwas sagt. Ich habe mir lange Jahre eingebildet, man könnte das aufhalten. Wenn man gute Arbeit macht, müsste die Resonanz doch besser oder gleichbleibend sein. Von dieser Idee habe ich heute Abstand genommen, aber das hindert mich nicht daran, gute Arbeit zu leisten. Denn es liegt nicht an mir persönlich oder den Menschen, sondern am Bedeutungsverlust der Kirche, vielleicht sogar des Glaubens überhaupt.

Wie müssen sich Gottesdienste verändern, um Jüngere zu erreichen?
Das ist eine Frage, die ich mir jeden Samstag stelle, wenn ich meine Gottesdienste vorbereite. Klar ist, dass die Lebenswirklichkeit der Jüngeren angesprochen werden muss. Es ist jedoch ein ziemlicher Spagat zwischen den Konfirmanden und anderen Gottesdienstbesuchern, die vielleicht schon über 70 Jahre alt sind, andere Lebenserfahrungen und andere Sorgen haben. Es bleibt also wichtig zu schauen, wen man da im Gottesdienst hat. Gleichzeitig hat man wiederkehrende Formen, die man schlecht ändern kann und die die Menschen brauchen, um sich in so ein Ritual fallen lassen zu können.

Und was, wenn ich die christlichen Grundsätze gut finde, aber beim Thema Glaube einfach nichts spüre?
Das muss man auch gelten lassen. Glauben kann man nicht aufzwingen, und er ergibt sich auch nicht einfach logisch. Ich fühle mich letztlich im christlichen Glauben geborgen. Und das ist natürlich auch Ansporn meiner Arbeit, dass ich mich zur Disposition stelle und darüber Auskunft geben will bei den Jugendlichen, die auf der Suche sind und gegen Ende der Konfi-Zeit auch mal mit solchen Fragen auf mich zukommen.

Was nehmen Sie persönlich aus dem Kontakt mit den Jugendlichen mit?
Lust, Freude, Glück und die Erfahrung, dass man junge Menschen erreicht und sie positive Rückmeldung geben – was eine Bestärkung ist – oder manchmal auch kritische Anfragen, mit denen man sich beschäftigt. Ich fühle mich da sehr wohl und freue mich, wenn ich die Jugendlichen im Dorf wiedersehe. Interview: S. Brunner

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