Römerberg
Werner Huber: Abschied als Wehrführer, ein Leben für die Feuerwehr
Werner Huber ohne Feuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr Römerberg ohne Werner Huber ist nicht vorstellbar. Der 61 Jahre alte Mechtersheimer trat mit 13 Jahren in die Jugendwehr ein. Danach folgte eine Feuerwehr-Bilderbuch-Karriere: Er ist unter anderem ausgebildeter Maschinist, Truppführer, Jugendwart, Atemschutzgeräteträger, Gruppenführer, Zugführer und Führer von Verbänden und absolvierte schließlich im Oktober 1988 den Lehrgang für Wehrleiter – das höchste Amt in einer Freiwilligen Feuerwehr. Damals war er schon mehr als zwei Jahre stellvertretender Wehrleiter der da noch eigenständigen Gemeinde Römerberg. 1991 wurde er dann an die Spitze der Römerberger Feuerwehr gewählt.
Huber wird in der Mannschaft für seine ruhige und strukturierte Art geschätzt. Er hat das klassische Helfersyndrom, das es für die Feuerwehr braucht, und mag die Kameradschaft. „Ich kann anderen helfen. Das ist mein Ding. Wir sind eine tolle Familie“, sagt Huber. Seine eigene Familie unterstützte ihn und teilte seine Leidenschaft. Seine bereits verstorbene Frau und seine Tochter engagierten sich ebenfalls bei der Feuerwehr, sein Sohn ist noch immer Teil der Truppe.
Auf allen Ebenen aktiv
48 Jahre bei der Feuerwehr, 38 Jahre in Führungsverantwortung – nicht nur zuletzt als Wehrführer auf Gemeinde-Ebene, sondern zwischenzeitlich 30 Jahre lang auch auf Kreis-Ebene in der Technischen Einsatzleitung und seit der Fusion zur Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen ab 2014 als stellvertretender Wehrleiter: Werner Huber hat alles erlebt. Unter seiner Führung wurde der gesamte Römerberger Feuerwehr-Fuhrpark erneuert und erweitert, an die heutigen Anforderungen angepasst.
Als Huber begann, standen im Gerätehaus in Mechtersheim drei Fahrzeuge, heute verfügen die Kameraden über acht Fahrzeuge und zwei Boote sowie zahlreiches Material. Das Gerätehaus reicht schon lange nicht mehr aus und entspricht auch nicht den gesetzlichen Vorgaben, sodass ein Neubau am Ortseingang neben dem Autohaus bereits angedacht ist.
Mit den neuen Fahrzeugen und dem zusätzlichen Material zog auch immer mehr Technik ein. Huber kommt zugute, dass ihn Technik immer interessiert hat, er es abwechslungsreich und spannend findet, neue Dinge zu lernen, und er großen Wert auf Weiterbildung legt. „Die beste Ausrüstung funktioniert nicht, wenn man sie nicht bedienen kann“, sagt Werner Huber.
Das Wissen eignen sich die Wehrleute in ihrer Freizeit an, denn sie sind ehrenamtlich aktiv. Ihr Geld verdienen sie in ihrem Hauptberuf. Huber arbeitet bei der BASF. Dass es in Römerberg eine eigene Feuerwehr gibt und diese aus Freiwilligen besteht, sei vielen Bürgern nicht bewusst. Ebenso bemerkt der scheidende Wehrführer, dass sich immer mehr Menschen nicht selbst helfen könnten und die Anforderungen an die Wehr daher gestiegen sind. „Es sind bedeutend mehr Einsätze geworden“, sagt Huber. Früher waren es durchschnittlich 50 pro Jahr, in diesem Jahr rückte die Feuerwehr bereits 131 Mal aus.
Ein Tag, den er nie vergisst
Hubers Puls steigt immer dann, wenn Menschen in Gefahr sind. Die Gasexplosion in Harthausen im September 2013 ist so ein Einsatz, den der erfahrene Feuerwehrmann nicht vergessen wird. Er saß schon als Gruppenführer im Löschfahrzeug, als über Funk die Information kam, dass es sich um „etwas Größeres“ handelt. Huber stieg ins Führungsfahrzeug um. Seinen Platz im Löschfahrzeug nahm ein anderer Kamerad ein, der früher an der Unglücksstelle war und deswegen bei der Explosion verletzt wurde. „Darüber habe ich extrem nachgedacht“, sagt Huber. Seinem Kamerad geht es heute wieder gut. „Solche Einsätze vergisst man nicht“, sagt Huber und meint damit auch schwere Verkehrsunfälle mit Kindern.
Mit der B9, der Bahnstrecke und dem Rhein ist das Gefahrenpotenzial in der rund 10.000 Einwohner großen Gemeinde Römerberg hoch. Huber kann auf zahlreiche Einsätze zurückblicken: Brände – wie den Vollbrand des Pfälzer Hofs 1977 und des Tennisclubheims in Heiligenstein 1983, die in Flammen stehende Diesellok 1997 oder der brennende Lkw auf der B9 im vergangenen Jahr. Oder Hilfeleistungen, Gefahrstoffeinsätze und Alarmierungen auf den Rhein – etwa nach dem Frontalzusammenstoß eines Kiesfrachters und eines Containerschiffs im Jahr 2002. Huber und seine Kameraden wussten sich immer zu helfen. „Man muss durchatmen. Man darf nicht in Hektik verfallen, sondern muss sich auf das Wesentliche konzentrieren“, sagt der 61-Jährige und beschreibt damit sein Einsatzkonzept für die Chaosphase, wenn noch alles unklar ist.
Feuer mit Kaffeetasse gelöscht
Manches lässt sich aber auch ganz schnell und einfach lösen und eignet sich heute als Anekdote zum Schmunzeln. Etwa als Huber einen brennenden Mülleimer mit einer Kaffeetasse voller Wasser löschte oder er und seine Kameraden verkleidet unterwegs zu einer Faschingsparty waren und dann zu einem Verkehrsunfall gerufen wurden. Die Kostüme schauten teilweise unter der Einsatzkleidung hervor und sorgten für Lacher. Ebenso erinnert er sich gerne an die zahlreichen Feste und Aktionstage. „Es war immer ein tolles Gefühl, die Bevölkerung mit der Feuerwehr vertraut zu machen“, sagt Huber.
Er hinterlässt eine gute aufgestellte Wehr: 55 Aktive und eine Jugendfeuerwehr mit rund 20 Mitgliedern. Seine Nachfolge tritt Andreas Leibig an. Martin Strehl und Sabrina Beitler sind zu stellvertretenden Wehrführern gewählt worden. Werner Huber hat viel Vertrauen in das Dreiergespann. Er gibt seiner Wehr mit, „zusammenzuhalten, keine Grabenkämpfe auszufechten“ und hofft für alle Kameraden, dass sie immer gesund von den Einsätzen zurückkommen.
Und was macht Werner Huber jetzt mit seiner neu gewonnen Freizeit ohne Führungsverantwortung? Er will sie seinen vier Enkeln widmen. Gleichzeitig möchte er, wenn es seine Gesundheit zulässt, bis 67 Jahre weiter bei den Aktiven mitwirken und in Einsätze fahren. Denn die Römerberger Wehr ohne Werner Huber und Werner Huber ohne Feuerwehr ist nicht vorstellbar.