Rhein-Pfalz-Kreis
Wer wirklich Duschen abstellt – und wer zurückrudert
„Ich habe die Umsetzung der Maßnahme gestoppt“, teilt Bobenheim-Roxheims Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf Anfrage mit. Er war vergangene Woche mit den anderen hauptamtlichen Bürgermeistern im Rhein-Pfalz-Kreis dem Vorschlag des Landrats zum Stopp des Duschbetriebs in kommunalen Sportanlagen gefolgt. Weil einige ehrenamtliche Ortsbürgermeister das missbilligten, gab Kreischef Clemens Körner (CDU) die Entscheidung zurück in die Hände der Kommunen und hob sie einen Tag später für den Kreis ganz auf (wir berichteten).
Sportler, die in den Grundschulturnhallen und der Sporthalle in der Realschule plus trainieren, müssen also erst einmal nicht verschwitzt zum Duschen nach Hause fahren. Der Bürgermeister berichtet von anderen Überlegungen, die im nicht öffentlichen Teil der jüngsten Gemeinderatssitzung besprochen wurden. Demnach wurde beschlossen, die Rheinschulturnhalle, die Jahnhalle und den Betriebshof im Winter trotz möglicher Gasknappheit nicht außer Betrieb zu nehmen, denn die beiden Hallen sollen im Notfall Wärmeinseln für die Einwohner sein, und der Betriebshof gehöre zur sogenannten kritischen Infrastruktur.
Man wolle sich auf einen „Fuel Switch“ vorbereiten, so Müller: Die drei mit Erdgas betriebenen Liegenschaften könnten dann nach entsprechenden Anschaffungen im Notfall auf Flüssiggas umgestellt werden. „Die Investitionen werden sich auf einen mittleren fünfstelligen Betrag belaufen“, meint der Bürgermeister. Je nach den geo- und energiepolitischen Entwicklungen im Land schließt er Sondersitzungen des Rats in der Sommerpause nicht aus.
Reith: „Mit gutem Beispiel vorangehen“
Verbandsbürgermeister Michael Reith (SPD) teilt auf Anfrage mit, dass die ursprünglich mit dem Rhein-Pfalz-Kreis vereinbarte Einstellung der Duschmöglichkeit in den kommunalen Sporthallen in der VG Lambsheim-Heßheim umgesetzt werde, denn: „Ich vertrete die Auffassung, dass man nicht nur von Einsparungen reden, sondern diese auch selbst umsetzen und somit mit gutem Beispiel vorangehen soll.“ Der Duschstopp betreffe die vier Schulsporthallen und die Großsporthalle in Großniedesheim. In Abstimmung mit den Ortsbürgermeistern werde außerdem die Außenbeleuchtung der Rathäuser und anderer kommunaler Einrichtungen abgeschaltet. Die Straßen würden weiter die ganze Nacht hindurch beleuchtet, um der Verkehrssicherungspflicht genüge zu tun.
Neben der weiteren Umstellung auf LED-Beleuchtung in allen kommunalen Liegenschaften ist in Großniedesheim laut Reith zudem eine Umstellung auf „Smart Home“ angedacht, sodass gezielt Verbrauchsstellen angesteuert und abgestellt werden könnten. Wie bei der Grundschule Beindersheim, wo eine Wärmepumpe und eine Holzpelletheizung im Einsatz sind, sollen beim künftigen Austausch von Heizungsanlagen ebenfalls diese Energieträger genutzt werden.
Auf dem Dach des Heßheimer VG-Rathauses soll in diesem Jahr eine Fotovoltaikanlage für den Eigenverbrauch installiert werden. Zudem werde die Möglichkeit des Stromeigenverbrauchs auch für bestehende Anlagen von VG und Ortsgemeinden geprüft. „Jedoch sind nicht nur investive Maßnahmen vorgesehen“, informiert Reith. In Seminaren und durch die Ausbildung von Energiescouts in den Verwaltungsstellen, Schulen und Kindertagesstätten solle das Bewusstsein fürs Energieeinsparen gestärkt werden. Innerhalb der Verwaltungsstellen werde der Wettbewerb „Klimacoach“ wiederholt. Ideen der Bürger nimmt die VG per E-Mail an die Adresse energiesparen@lambsheim-hessheim.de entgegen.