Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wer wird der neue Pächter am Silbersee?

Der Gastronomiebereich am Silberseestrand bietet im Winter einen traurigen Anblick.
Der Gastronomiebereich am Silberseestrand bietet im Winter einen traurigen Anblick.

Der Gemeinderat soll entscheiden, wer ab Mai probehalber für ein Jahr den Badestrand am Silbersee bewirtschaftet. Dabei geht es nicht nur ums Eisverkaufen und Pommesmachen. Was die Fraktionen dazu am Donnerstag sagen werden, darf mit Spannung erwartet werden. Denn die Präsentation der fünf Favoriten eine Woche zuvor im Hauptausschuss hat für Irritationen gesorgt.

Warum wird ein neuer Kioskpächter gesucht?
Der seit 2008 am Silbersee aktiven Pächterfamilie hat die Gemeinde im August gekündigt – offiziell vor dem Hintergrund, dass das Ordnungsamt im Corona-Sommer 2020 wegen des großen Gästeandrangs an seine Grenzen kam. Es müsse ein pandemietaugliches Konzept gefunden werden, hieß es. Man darf aber auch vermuten, dass die Gemeinde mit der Art und Weise, wie der Kiosk betrieben wurde, nicht mehr einverstanden war.

Warum wird der Pachtvertrag mit einem anderen Gastronom auf ein Jahr befristet?
Die Verwaltung begründet das mit der „unsicheren Ausgangslage“: Keiner weiß, welche Beschränkungen es wegen des Coronavirus in diesem Jahr noch geben wird. Außerdem ist unklar, ob das dem Naturschutz entgegenkommende Gerichtsurteil zum Silbersee-Bebauungsplan zur Revision zugelassen wird. Wenn nicht, darf am Südufer des Sees kein neues Gebäude errichtet werden, um die Gastronomie dort zu verbessern.

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Wie viele Personen oder Firmen sind trotzdem an einem Pachtvertrag interessiert?
Es gingen 19 Bewerbungen ein, die bisherigen Pächter sind nicht dabei. Nach den Kriterien Konzeptqualität, Gastronomie- und Dienstleistungserfahrung sowie Sicherheitskonzept hat die Gemeinde fünf Interessenten in die engere Wahl genommen. Die Auswahl des Pächters dürfte die Verwaltung laut Bürgermeister Michael Müller (SPD) eigentlich selbst treffen, aber „in diesem Fall in diesem sensiblen Gebiet“ sollte der Gemeinderat entscheiden, so Müller.

Wie lief die Vorstellung der fünf Bewerber im Hauptausschuss ab?
Die Firmen präsentierten sich in der Jahnhalle, mussten aber bis zu ihrem jeweiligen Auftritt im Nebenraum warten, um nicht hören zu können, welche Konzepte die anderen Bewerber vorlegten. Bürgermeister Müller achtete darauf, dass die Zeitvorgabe eingehalten wurde. Nach zehn Minuten Präsentation mittels Beamer und Leinwand beantworteten die Bewerber Fragen, unter anderem zu Öffnungszeiten, Sanitäranlagen, Schließfächern und Reinigung sowie zum Themenkomplex Naturschutz.

Gibt es Aspekte, die bei allen fünf Konzepten ähnlich sind?
Ja. Alle zielen auf ein möglichst breites Publikum ab und betonen ihren familienfreundlichen Ansatz. Es soll ein abwechslungsreiches Speisenangebot aus regionalen und saisonalen Produkten geben, mittels Pfandsystem oder kompostierbarem Geschirr soll Müll vermieden werden. Alle sind an einer Modernisierung der Toiletten interessiert, würden sich um die Sauberkeit auf dem Gelände und dem vorgelagerten Parkplatz kümmern und mit Blick auf Corona die jeweils geltenden Hygieneregeln einhalten.

Was lässt sich über die einzelnen Bewerber sagen?
Das Ehepaar Katarina und Sebastian Szymczak aus Leimen betreibt bereits Kioske in einer Schule, einem Schwimmbad und am Bensheimer Badesee. Die beiden betonen den kompetenten, freundlichen Service ihrer „gut strukturierten, freundlichen und verlässlichen Mitarbeiter“ und haben einen auf die Badesaison beschränkten Betrieb im Sinn.

Der Partyservice von Selim Khorshed (Ludwigshafen) und Christian Hennerbichler (Frankenthal) würde ganzjährig öffnen, das vorhandene Mobiliar übernehmen und auffrischen und mit beispielsweise Liegestühlen und Sonnensegel für „ein Urlaubsgefühl in der Heimat“ sorgen.

Der Schaustellerbetrieb von Daniel Beisel (Bad Dürkheim), bekannt als Beschicker beim Bobenheim-Roxheimer Gondelfest, stellt sich einen ganzjährigen Betrieb in hawaiianischem Ambiente mit Cocktailbar und Verkaufsstand für Süßes vor sowie mit Trampolin oder Hüpfburg und eventuell einer Kulturbühne.

Das Team „Ocean Breeze“ von Ralph Meister aus Beindersheim, ebenfalls bekannt vom Gondelfest, setzt auf karibisches Flair mit Liegen und Lounge-Möbel. Im ganzjährigen Betrieb sollen After-Work-Partys und eine „magische Weihnachtswelt“ stattfinden. In Sachen Eventtechnik wäre Andy Reeg, Inhaber der örtlichen Firma Blue Case, mit im Boot. Beisel verspricht außerdem eine 24-Stunden-Videoüberwachung und einen nächtlichen Wachdienst.

Das Konzept des Unternehmens Bauer Reisegastronomie (Strandbar 443 in Worms) sieht ebenfalls karibisches Flair und einen Nachtwächter, aber kein Weihnachtsgeschäft vor, denn „das Gebiet soll sich außerhalb der Badesaison erholen können“. Es soll eine zweite Getränkestation und einen Kinderspielplatz geben, und der Sand soll regelmäßig gesiebt werden.

Wie wollen die Bewerber vor dem Hintergrund der Pandemie dafür sorgen, dass der Badestrand nicht überfüllt ist und Abstandsregeln eingehalten werden können?
Nicht alle scheinen sich darüber Gedanken gemacht zu haben. Selim Khorshed und Christian Hennerbichler sprechen sich für die Ticketvergabe und die räumliche und zeitliche Abgrenzung des reinen Badebetriebs (mit Kiosk) von der Gastrozone für Spaziergänger aus. Online soll es Informationen zur aktuellen Auslastung geben. Ralph Meister schlägt ein Einbahnstraßensystem und Zugangskontrollen auf dem Gelände sowie die Entzerrung der Gastroangebote vor. Die Firma Bauer will potenzielle Gäste über soziale Medien darüber informieren, wenn es zu voll zu werden droht.

Warum haben die Mitglieder des Hauptausschusses keine Empfehlung für den Gemeinderat abgegeben? Vorgesehen war doch, dass in der Sitzung die Favoritenplätze eins und zwei vergeben werden.
Dazu sahen sich nach den Präsentationen viele Mitglieder ohne Abstimmung in ihrer Fraktion nicht in der Lage. Deshalb wurde der Vorschlag von Sylvia Lobocki (CDU) angenommen, mit einem Votum bis zur Ratssitzung zu warten.

Termin

Für den Betrieb dieses Kiosks ab Mai hat es 19 Bewerbungen gegeben.
Für den Betrieb dieses Kiosks ab Mai hat es 19 Bewerbungen gegeben.
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