Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn Naturlehrpfad, dann analog statt digital

Idyllisch und artenreich: Die Altrheinlandschaft in Bobenheim-Roxheim soll touristisch genutzt werden.
Idyllisch und artenreich: Die Altrheinlandschaft in Bobenheim-Roxheim soll touristisch genutzt werden.

Ein Naturlehrpfad am Altrhein wäre eine schöne Sache, doch ob, wann und wie er geschaffen wird, bleibt vorerst offen. Eine kommunalpolitische Entscheidung ist allerdings gefallen: Eine Smartphone-Anwendung, wie sie eine Neustadter Firma angeboten hat, soll es nicht geben.

Eine entsprechende Beschlussvorlage für den Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss hatte die Gemeindeverwaltung eingebracht. Die nämlich sieht in Sachen Finanzierung langsam die Felle davonschwimmen, wie Heike Thudium in der Ausschusssitzung erklärte. Im Haushaltsplan für das laufende Jahr stehen 30.000 Euro für das Vorhaben bereit. Es wäre eine sogenannte freiwillige Leistung der Gemeinde und keine Pflichtaufgabe.

Verwaltungsmitarbeiterin Thudium machte klar, dass eine Übertragung des Haushaltspostens in das Jahr 2023 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum möglich sei. Denn der finanzielle Spielraum schwindet, und das Gemeindeprüfungsamt hat signalisiert, dass Bobenheim-Roxheim sparen muss. Es müsse sich beim Thema Naturlehrpfad also in diesem Jahr und möglichst bald etwas tun.

Angebot mit App und QR-Code

Vor knapp einem Jahr hatte das Neustadter Unternehmen Udata Umwelt & Bildung seine Dienstleistung im Ausschuss vorgestellt, ohne dass eine Entscheidung oder eine weitere Beratung erfolgt ist. Udata entwickelt Smartphone-Anwendungen für Wald-, Natur- und Erlebnispfade und hatte vorgeschlagen, am Altrhein einen Weg mit etwa sechs App-Stationen auszustatten. Spaziergänger könnten sich dann zu Beginn des Ausflugs einen QR-Code auf ihr Handy laden und an den Stationen Informationen zur Flora und Fauna der Altrheinlandschaft bekommen, beispielsweise über den dort heimisch gewordenen Biber.

Einen Beschluss fasste der Umweltausschuss damals nicht, aber es sollte eine Art Arbeitskreis gebildet werden, der über Umfang und Inhalte einer solchen App nachdenkt, um eine Grundlage für die Kostenberechnung zu haben. Denn die Apps von Udata haben je nach Entwicklungsaufwand unterschiedliche Preise.

Rege Diskussion im Ausschuss

Jetzt gab es im Ausschuss zahlreiche Wortmeldungen. Klaus Graber (CDU) zeigte sich kritisch: „Wir wollten eigentlich einen herkömmlichen Pfad mit Hinweisschildern“, sagte er. Gerade Jugendliche seien mit Apps schon hinlänglich überfrachtet, die Technik lenke doch eher vom Naturerlebnis ab. Ähnlich sah es Manfred Schärf (FWG) der sich ebenfalls ablehnend äußerte. Nicole Born (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte an eine gemeinsame Begehung des Altrheinpfads und die dabei gesammelten Ideen. „Man kann nicht sagen, dass hier keine Vorschläge unterbreitet wurden“, sagte sie. Bernd Vettermann von den Grünen verwies auf alternative Möglichkeiten und erklärte: „Wir sollten uns in der nächsten Umweltausschusssitzung auch mit Schildern beschäftigen.“

Der Erste Beigeordnete Frank Peter (CDU) sieht den Ausschuss weiterhin in der Pflicht. Ein Arbeitskreis Umwelt und Tourismus, der jetzt neu beziehungsweise wieder installiert werden soll, könne beratend und vorbereitend agieren, dabei auch gute Ideen einbringen. Doch entschieden werde schließlich im Ausschuss und im Gemeinderat.

Rolle des Arbeitskreises für Umwelt und Tourismus

Den Auftakt für die Arbeitsgruppe mit unter anderem Vertretern der Verwaltung, Parteien und Naturschutzverbände gestaltet die Verwaltung, danach soll die Gruppe eigenständig tagen und agieren. Ergebnisse ihrer Arbeit können über Anträge der Fraktionen in die kommunalpolitische Gremienarbeit münden. Beigeordneter Peter mahnte, die Beratungen über ein Konzept für den Naturlehrpfad nicht gar zu sehr in die Länge zu ziehen, sondern im Arbeitskreis zielstrebig voranzugehen und am Ball zu bleiben.

Die Koalition aus CDU, Grünen und FWG zog ihren Antrag auf Bildung einer Arbeitsgemeinschaft zum Thema Biodiversität zurück. Georg Zwilling (CDU) sagte: „Wir sehen hier intern und interfraktionell noch Beratungsbedarf.“ Der Antrag war 2020 eingereicht worden, nachdem im Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss heftig über den Glyphosat-Antrag der SPD gestritten worden war. Die Sozialdemokraten wollten damals, dass Pächter von gemeindeeigenen Äckern auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten müssen.

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