Hochdorf-Assenheim
Weg für Umgehungsstraße endlich frei
Die Umgehungsstraße befindet sich schon seit vielen Jahren in der Planung. Sie soll überörtlichen Verkehr, vor allem Lastwagen, vom Verkehrskreisel auf der L530 bei der A65-Brücke östlich und nördlich am Ortsteil Assenheim vorbei bis zur K19 nach Gronau leiten – und natürlich in umgekehrter Richtung. Für Lkw-Fahrer wäre diese Route ebenfalls deutlich angenehmer, da sie ihre tonnenschweren Gefährte nicht mehr durch die drei 90-Grad-Kurven zwischen Spät- und Westerstraße manövrieren müssten.
Ursprünglich hatten die Assenheimer gehofft, dass die Ost-Umgehung fertig wird, bevor ihre Nachbarn in Rödersheim-Gronau das dortige Gewerbegebiet erschließen. Doch daraus wurde nichts. Denn auf der Trasse für die Umgehungsstraße sichteten Experten 2017 Brutpaare der vom Aussterben bedrohten Haubenlerche und der ebenfalls geschützten Feldlerche. Fortan genoss der Vogelschutz Vorrang, mit Folgen für die Assenheimer: Als in Gronau 2020 die Arbeiten fürs Gewerbegebiet liefen, rollte der gesamte Baustellenverkehr durch die engen Straßen in Assenheim – mit bis zu 120 Lastwagen am Tag. „Das ist für die Anwohner brutal“, berichtete Ortsbürgermeister Walter Schmitt (FWG) damals.
Sichere Habitate schaffen
Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) versuchte derweil in Zusammenarbeit mit der Kommune, den bedrohten Feldvögeln ein alternatives Zuhause zu schaffen. Für diese Ersatzlebensräume stellte Schmitt im Herbst 2020 einen Ackerstreifen seines landwirtschaftlichen Betriebs zur Verfügung und packte auch beim Ausbringen des Saatguts mit an. Um diese Ausgleichsflächen für die Haubenlerche möglichst attraktiv zu gestalten, zog die Behörde den Biologen und Vogelexperten Erwin Rennwald hinzu. Denn die drei neuen Lebensräume – zwei sogenannte Feldlerchenstreifen mit zusammen 1800 Quadratmetern Umfang und eine 2500 Quadratmeter große Magerwiese – nutzen allerdings nur etwas, wenn die Haubenlerche sie auch annimmt. Oder wie es der LBM formuliert: „Die Ersatzhabitate sollen der betroffenen Art den Übergang in den neuen Lebensraum erleichtern und die Population in ihrem Bestand unterstützen.“ Idealerweise werde der Lebensraum dabei sogar verbessert und die Art nicht nur erhalten, sondern eine Vergrößerung des lokalen Vorkommens ermöglicht. Genau das sei nun in Assenheim zu beobachten.
Im vergangenen Jahr sei die Haubenlerchen-Population von einem auf mindestens drei Brutpaare gewachsen. Vor allem angesichts der bundesweit stark schrumpfenden Bestände seien das erfreuliche Nachrichten, erklärt der LBM. Zumal nicht nur die Haubenlerche von den Ausgleichsflächen profitiere: „Auch andere Vogelarten und Insekten freuen sich über das neu entstandene Angebot an Rückzugsmöglichkeiten und Futterquellen“, lässt die Behörde wissen. Die Feldlerche indes wurde bereits 2019 nur noch außerhalb der Untersuchungsfläche festgestellt. „In den Jahren 2020 und 2021 schien sie ganz aus dem Gebiet verschwunden zu sein“, berichtet der LBM. Sollte sie zurückkehren, könnten die drei Teilflächen aber auch ihr zugute kommen.
Diese bewirtschafte Schmitt unter Rennwalds Anleitung. Das Engagement der beiden habe sich ausgezahlt: In der aus landespflegerischer Sicht kargen Landschaft des intensiven Gemüseanbaus seien drei Inseln entstanden, die dem idealen Lebensraum der Haubenlerche entsprechen: „Intensiv genutzte Flächen werden in magere Extensivwiesen verwandelt und bilden mit entsprechenden Blühmischungen ergänzende Nahrungsquellen. Ackerstreifen mit nachgebildeten ,Kartoffeldämmen’ laden zum Brüten ein, drapierte Misthaufen sorgen für ein Nahrungsangebot an Insekten.“
Projekt im Zeitplan
Nachdem den Umweltschutzbelangen nachweislich effektiv Rechnung getragen worden ist, können sich die Verantwortlichen wieder dem technischen Teil widmen: dem Bau der Assenheimer Ost-Umgehung – und damit dem Schutz der Einwohner vor Verkehrslärm und Abgasen. Nach Angaben des Landesbetriebs Mobilität sollen die Bauarbeiten im zweiten Halbjahr 2023 beginnen und werden schätzungsweise zwei bis drei Jahre dauern. Für den Bau der Umgehungsstraße mit einer Länge von etwa 1,5 Kilometern rechnet der LBM mit Kosten von 4,1 Millionen Euro. Bezahlen müsse diese der Rhein-Pfalz-Kreis, in dessen Auftrag sich der Landesbetrieb um das Projekt kümmert. Aber: „Aufgrund der Landesbedeutung des Vorhabens kann eine Landesförderung von derzeit 60 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten in Aussicht gestellt werden“, informiert Martin Schafft, Leiter des LBM in Speyer.
Im Zuge der Bauarbeiten werde noch mehr für den Umwelt- und Naturschutz getan, ergänzt er. Demnach sollen eine Extensivwiese mit 5900 Quadratmetern und 4305 Quadratmeter umfassende Extensivstrukturen den Lebensraum der Haubenlerche weiter verbessern.