Rhein-Pfalz Kreis
Wasser-Notstand im Pfarrhaus
Dass von Trinkwassermangel und schlechter Wasserqualität jeder – auch der Pfarrer – im Dorf betroffen sein kann, zeigen mehrere Briefwechsel zwischen dem Heiligensteiner Ortsgeistlichen, Pfarrer Nikolaus Hohmann (1854-1865), und den in dieser Angelegenheit zuständigen Behörden. Zunächst machte Pfarrer Hohmann am 16. Mai 1864 eine schriftliche Eingabe an das Bischöfliche Ordinariat in Speyer. In einem Brief legte er dar, „dass schon seit Jahren, besonders von 1857 an, der größte Wassermangel in Heiligenstein herrsche“. So müsse er sich das Wasser zum Wäschemachen herbeifahren lassen, weil es öfters an allen Brunnen – sowohl in der Gemeinde als auch bei den privaten – an Wasser mangele. Deswegen sehe er sich zum Handeln veranlasst.
Pfarrer Hohmann bat darum, das Ordinariat möge sich doch direkt an die königliche Regierung wenden und sich dafür einsetzen, dass von Seiten der Bürgermeisterei ein Brunnen im Pfarrhof gegraben werde, damit dieser Missstand beseitigt werde. Er als Pfarrer könne dies auch aus dem Grund verlangen, „da ja in allen Pfarrhöfen der vordern Pfalz, wo der Wassermangel nicht so groß wie hier ist, Brunnen sich vorfinden und hiesiger Ort weder von einem Graben mit fließendem Wasser noch von einem Bach bespült wird“.
Nur eine Woche später, am 6. Juni 1864, verfasste der Pfarrer eine weitere Eingabe, diesmal an das Königliche Bezirksamt in Speyer. Darin wiederholte er in etwa die obige Schilderung seines „Nothstandes“. Er könne das Anlegen eines Brunnens im Pfarrhof auch aus dem Grund mit Recht verlangen, da die Gemeindebrunnen oft „von den Kindern an den Röhren und durch Hofunrath der Hunde an den Pumpenstöcken, was so bis zum Wasser in die Tiefe dringt“, verunreinigt werden.
Auf die schriftliche Antwort des Königlich Bayerischen Bezirksamts Speyer musste Pfarrer Hohmann mehr als drei Monate lang warten. Der Ortsgeistliche hatte nun zur Kenntnis zu nehmen, dass nach einer durch das Bezirksamt durchgeführten Anhörung des Gemeinde- und Fabrikrats die Herstellung eines Brunnens im Hofe des Pfarrhauses zu Heiligenstein übereinstimmend abgelehnt wurde. Begründet wurde dies neben dem Mangel an Mitteln vor allem damit, dass der Wassermangel in Heiligenstein nur ein vorübergehender sei und durch anhaltende Trockenheit verursacht wurde. Durch die Herstellung „eines neuen, etwa 30 Schritte vom Pfarrhause entfernten Gemeindebrunnens“ sei auch den Bedürfnissen der Bewohner des Pfarrhauses „vollständig Rechnung getragen“.
Schlussendlich wandte sich Pfarrer Hohmann mit dem letzten Schreiben wieder an seinen Dienstherrn, das Bischöfliche Ordinariat in Speyer. In diesem Brief beklagte er sich darüber, dass die Heiligensteiner Gemeindeverwaltung beim Königlich Bayrischen Bezirksamt Speyer über den Wassermangel falsch berichtet habe. Als er sich aus dem jetzigen Brunnen, der im übrigen 62 statt 30 Schritte vom Pfarrhaus entfernt sei, ein Glas Wasser zum Trinken holen wollte, sei dies so trübe gewesen, dass er das Getränk nicht genießen konnte. Für Pfarrer Nikolaus Hohmann blieb der Wunsch nach einem eigenen Brunnen im Pfarrhof unerfüllt. Er musste weiterhin auf dem Trockenen sitzen bleiben – und verließ schon im Jahr darauf die Pfarrei St. Sigismund Heiligenstein.
