Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Vor 130 Jahren: Wasserleitungen statt Brunnen

Am Mechtersheimer Lindenplatz: Nachbildung eines historischen Brunnens – allerdings ohne Pumphebel.
Am Mechtersheimer Lindenplatz: Nachbildung eines historischen Brunnens – allerdings ohne Pumphebel.

Zum wiederholten Mal ist vor einigen Wochen am Ortseingang von Berghausen eine Wasserleitung gebrochen. Angesichts deren Alters kein Wunder. Als die Rohre, die jetzt ausgetauscht wurden, Ende des 19. Jahrhunderts verlegt wurden, war dies ein Segen für die heutigen Römerberger Ortsteile. Ein jahrhundertelang bestehendes Problem war gelöst.

Zu den vielen Errungenschaften einer modernen zivilisierten Gesellschaft für ein normales menschliches Zusammenleben gehört, dass Wasser selbstverständlich aus dem Hahn läuft. Kaum jemand der heute Lebenden weiß aus eigener Erfahrung, dass das früher mitnichten so war.

Die Römerberger Ortsteile Berghausen und Heiligenstein liegen zwar nur wenige hundert Meter hinter dem Hochgestade des Rheinufers, verfügen aber von jeher über kein eigenes fließendes Gewässer im alten Siedlungsbereich. Die Menschen im Dorf mussten bis zum Bau und der Einweihung der Wasserleitung im Jahre 1892 (Heiligenstein) und 1897 (Berghausen) jahrhundertelang ihr Trinkwasser aus eigens dafür angelegten Brunnen schöpfen, in denen sich das aus unterirdischen Quellen kommende und zum Rhein strömende Wasser sammelte.

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Vertrag mit Wasserwerk

1891 traten Bürgermeister Philipp Heinrich Koch und der Gemeinderat von Heiligenstein mit dem Besitzer des Wasserwerks Speyer, Adolf Friedrich Lindemann, in Verhandlung zwecks Lieferung von Trinkwasser ins Dorf. Der Vertrag wurde ausgehandelt sowie schriftlich formuliert und am 4. August 1892 von beiden Seiten unterzeichnet. Darin verpflichtete sich Lindemann den gesamten Bedarf an Trink- und Nutzwasser in der Qualität wie für die Stadt Speyer zu liefern. Heiligenstein gewährleiste eine garantierte Abnahme von 30 Kubikmetern pro Tag zum Preis von 10 Pfennig pro Kubikmeter. Die Gemeinde Heiligenstein hatte 25.000 Mark bereitzustellen, hinzu kamen ein staatliches Darlehen in Höhe von 14.000 Mark. Unmittelbar danach wurden die Arbeiten in Angriff genommen, sodass bereits am 27. November 1892 die Einweihung der ersten Wasserleitung im heutigen Römerberg erfolgte. Übrigens befand sich im Jahre 1893 ein öffentlicher Brunnen am damaligen Lindenplatz, heute Rudolph-von-Habsburg-Platz, der an diese Wasserleitung angeschlossen war.

Für die Gemeinde Berghausen bedeutete der Bau der erwähnten Wasserleitung, die zunächst über die heutige Germersheimer Straße nach Heiligenstein verlief, einen sehr wesentlicher Fortschritt. Für den Anschluss an die Heiligensteiner Wasserleitung mussten 1899 5000 Mark Entschädigung gezahlt werden. Bürgermeister Friedrich Steinmetz ließ im Jahre 1900 die Wasserleitung in andere Straßenzüge weiterverlegen. 1909 wurde mit der Kanalisation begonnen und 1934 per Gemeinderatsbeschluss das übrige Gesamtprojekt mit Kläranlage umgesetzt.

Mechtersheim, das seit jeher niedriger gelegen ist und hinsichtlich seiner Infrastruktur gegenüber den beiden Nachbarorten zurückstand, wurde erst 1903 an die von Speyer und Heiligenstein kommende Wasserleitung angeschlossen. Bezüglich der Wasserversorgung war schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Einheit der heutigen drei Römerberger Ortsteile vollzogen.

Nach der Ortschronik begann der Bau der Ortskanalisation in Mechtersheim im Jahre 1926. In Heiligenstein war die Kanalisation des Dorfes 1934/35 abgeschlossen. Bis dahin waren die Abwässer größtenteils ins sogenannte „Wasserloch“, einer Senke hinter der Kirche, unweit des heutigen Bahnhofes, gelaufen. Bereits 1928/29 wurde eine Wasserleitung unter den Gleisen im Bahnhof Heiligenstein hindurch verlegt, was wohl der Wasserversorgung des Friedhofs diente.

Nach Beendigung des Krieges war es eine der vordringlichsten Maßnahmen, eine zweite Hauptwasserleitung zur Versorgung der Haushalte zu bauen. Dem unmöglichen Zustand in der Trockenzeit musste endlich abgeholfen werden. Bürgermeister Georg Sitzenstuhl konnte die Sache 1947/48 dank freiwillig helfender Bürger in Angriff nehmen. Die Frage nach der Finanzierung führte zu einer Bürgerversammlung im „Rebstöckel“. Die RHEINPFALZ titelte schließlich in ihrer Ausgabe Nr. 213 vom 13. September 1950 „Bürgerversammlung beendete den Heiligensteiner Wasserleitungsstreit“.

Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Aufgrund eines außerordentlich großen Wasser-Mehrverbrauch zu Lasten der Gemeinde wurden Kontrollen notwendig, denn einige „Wassersünder“ hatten ihren Hauptwasserbedarf aus Schwarzleitungen gedeckt, wodurch der Gemeinde seit Jahren ganz erhebliche Wassermengen verloren gingen.

Öffentliche Brunnen

Vor Einführung der Wasserversorgung mit einer Wasserleitung wurde die Versorgung schlicht durch Brunnen gewährleistet, die über die Dörfer verteilt waren. Wie viele öffentliche Brunnen es in Berghausen und Heiligenstein gerade im 18. und 19. Jahrhundert gab, ist im Einzelnen nicht bekannt. Entlang der Dorfstraßen, der heutigen Berghäuser und Heiligensteiner Straße, sowie den sich daran abzweigenden Gassen und Wegen, dürften es aber je Dorf nicht mehr als eine gute Handvoll gewesen sein. Bei einer Dorfvisitation am 2. November des Jahres 1868, die vom Königlichen Regierungsamtsrat Ludwig Römmich vorgenommen wurde, protokollierte dieser für Heiligenstein: Es sind fünf öffentliche Brunnen vorhanden. 1895 wurden drei baufällige Brunnen geschlossen. Die Anzahl der privaten Brunnen, die vor allem in Gärten und Hinterhöfen gebohrt oder gegraben worden waren, dürfte in den Orten zweifelsohne höher gewesen sein.

Die älteste Erwähnung eines Brunnens im Dorf Heiligenstein datiert aus der Gemeinderechnung von 1698/99. Es handelte sich dabei ganz offensichtlich um die Reparatur eines Ziehbrunnens. Gewöhnlich war am oberen Ende einer oft auch überdachten Konstruktion eine Rolle mit Kehlung angebracht, über die ein Seil in die Tiefe lief, an dem ein Holzeimer oder ein Bottich zum Wasserschöpfen hing.

Gab es im Dorf selbst nur wenige öffentliche Brunnen, die von Quellwasser gespeist wurden, so ließ die Wasserqualität oftmals auch noch zu wünschen übrig. Nicht selten übertrug durch verunreinigtes Wasser erkranktes Vieh denn auch lebensbedrohliche Krankheiten auf die Dorfbewohner. Die tägliche Trinkwasserversorgung stellte somit über unzählige Generationen hinweg ein großes Problem in den heutigen Römerberger Ortsteilen dar.

Wasserrohrbruch am Berghausener Ortseingang: Die Leitungen stammen aus dem 19. Jahrhundert und wurden ausgetauscht.
Wasserrohrbruch am Berghausener Ortseingang: Die Leitungen stammen aus dem 19. Jahrhundert und wurden ausgetauscht.
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