Otterstadt / Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Was passiert zurzeit auf dem Erdöl-Grundstück und an der Sandgrube?

Auf dem für den Erdöl-Bohrplatz vorgesehenen Acker: die Grundwasser-Messstelle.
Auf dem für den Erdöl-Bohrplatz vorgesehenen Acker: die Grundwasser-Messstelle.

An der Landesstraße zwischen Otterstadt und Waldsee werfen Bauarbeiten am geplanten Erdöl-Bohrplatz-Standort sowie gegenüber an der Sandgrube Fragen auf. Was steckt dahinter?

Wer von Waldsee auf der Landesstraße 534 Richtung Speyer unterwegs ist, sieht an der Sandgrube Heberger einen großen Berg Erde. Diplom-Ingenieur Gerhard Becker, Beauftragter für Sonderprojekte beim Schifferstadter Bauunternehmen Heberger, erklärt auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass in diesem Bereich in den nächsten Monaten und Jahren Sand abgebaut werden soll. Für die Arbeiten sei zunächst der Oberboden abgetragen und seitlich gelagert worden. „Es handelt sich hierbei um einen normalen Vorgang innerhalb der derzeitigen Abbau-Genehmigung für unsere Sandgrube. Das Gelände gehört der Heberger Gruppe bis zur Grenze an die Landesstraße hin“, informiert Becker und fügt hinzu: „Mit unseren zukünftigen geplanten Tätigkeiten zur Errichtung eines Erneuerbaren-Energien-Parks hat das nichts zu tun.“

Der Erneuerbare-Energien-Park ist ein Projekt, das sich die Heberger GmbH auf dem Gelände ihrer Sandgrube zwischen Otterstadt und Waldsee vorstellen kann. Der Park mit erneuerbaren Energien soll der Strom- und Wärmegewinnung dienen. Im Raum stehen Windkraft, Photovoltaik und Geothermie, die den Bürgern in der Region zugute kommen sollen. Auch Wasserstoff und große Energiespeicher sind Stichworte, die Becker nennt. Noch gibt es jedoch nichts Konkretes, weil noch keine seismologischen Daten vorliegen, die zeigen, ob ein solches Projekt dort auch wirtschaftlich verwirklicht werden kann. Die Aufsuchungserlaubnis für das rund 150 Quadratkilometer große Gebiet „Rhein-Pfalz“, in dem die Sandgrube Heberger liegt, haben die Stadtwerke Speyer und die Stadtwerke Schifferstadt. Beide Energieversorger wollen ein Geothermie-Projekt in der Region vorantreiben. Sollte sich die Sandgrube als möglicher Standort herausstellen, könnte Heberger ein Partner der Stadtwerke für das dreistellige Millionen-Projekt sein.

Hier wird die Sandgrube Heberger zur Landesstraße hin erweitert.
Hier wird die Sandgrube Heberger zur Landesstraße hin erweitert.

Es tut sich was auf dem Erdöl-Acker

Der Berg an der Sandgrube Heberger ist jedoch nicht das Einzige, das zurzeit Aufmerksamkeit in diesem Gebiet erregt. Zuletzt fanden auch Arbeiten auf dem Acker schräg gegenüber statt, der für die Erdöl-Bohrung vorgesehen ist. Neptune-Sprecherin Silke Bender informiert auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass die Arbeiten auf dem Grundstück an der L534 auf Otterstadter Gemarkung nicht im Zusammenhang mit der Errichtung eines dort geplanten Bohrplatzes stünden. „Vielmehr erneuert das Konsortium aus Neptune Energy und Palatina Geocon zwei bestehende Grundwasser-Messstellen“, sagt Bender und fügt hinzu, dass die Messstellen durch die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche beschädigt worden seien.

Ihren Angaben zufolge wurden die Messstellen bereits im Jahr 2017 eingerichtet und dienen zur Beobachtung der Grundwasserbewegungen – also wie viel Grundwasser im Erdreich auf das Grundstück fließt und wie viel wegfließt. Die Beprobung stelle eine Form der Beweissicherung dar: „Die Proben belegen, dass durch die zukünftigen Aktivitäten des Konsortiums keine Beeinträchtigungen des Grundwassers entstehen“, sagt Bender. Laut der Neptune-Sprecherin sind beide Messstellen jeweils etwa 20 bis 30 Meter tief und haben einen Durchmesser von 12,5 Zentimeter.

Übrigens kann das Erdöl-Konsortium aus den Firmen Neptune Energy und Palatina Geocon nicht einfach mit dem Bau des versiegelten Bohrplatzes beginnen, der die Größe eines Fußballfelds haben soll. Dafür braucht es eine Erlaubnis vom Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz für den entsprechenden Sonderbetriebsplan. Einen solchen Plan muss das Konsortium auch für die eigentlichen Erkundungsbohrung in rund 2800 Meter Tiefe genehmigen lassen. Nach der Bohrphase würde sich eine Testförderung anschließen, bei der Erkenntnisse gewonnen werden, ob Erdöl von diesem Standort aus wirtschaftlich gefördert werden kann. Wann und ob es jedoch so weit kommt, ist offen: Denn sowohl die Gemeinde Otterstadt als auch der Bund für Umwelt und Naturschutz wollen – sobald die Sonderbetriebspläne vorliegen – prüfen, ob die Interessen der Otterstadter Bürgerinnen und Bürger sowie der Umwelt gewahrt sind und wenn nicht möglicherweise juristisch gegen die Pläne vorgehen.

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