Neuhofen
Warum die katholische Kita St. Nikolaus geschlossen wird
Bereits seit mehreren Jahren steht die katholische Kirche als Kita-Träger vor einem großen Problem: Die Kirchensteuereinnahmen sinken, der Kostendruck steigt. Mit seinem Kita-Gesetz habe das Land im Jahr 2021 eine siebenstündige Betreuung inklusive Mittagessen zum Standard erklärt, aber es regele nicht die Finanzierung der dafür notwendigen Räume zum Schlafen und Essen, kritisiert Markus Sandmann. Er ist im Bistum Speyer als Kita-Referent bei der Regionalverwaltung Ludwigshafen für die Kindertagesstätten im Rhein-Pfalz-Kreis zuständig.
„Die Kita St. Nikolaus hätte definitiv saniert und erweitert müssen, um ihre Zukunft zu sichern und das neue Kita-Gesetz umsetzen zu können“, erläutert der 46-Jährige. Weil dafür jedoch das Geld fehle, habe die Kirchengemeinde Hl Christopherus Waldsee als Kita-Träger alle zur Verfügung stehenden Optionen geprüft. Man sei sogar bereit gewesen, das Neuhofener Gotteshaus, das Pfarrzentrum und das Pfarrhaus aufzugeben, um den Erhalt der Kita zu finanzieren. „Unabhängig davon, ob die Verwendung eines möglichen Verkaufserlöses für das geistliche Zentrum in Neuhofen durch das Bistum Speyer genehmigt worden wäre, hätten wir allerdings nicht annähernd das erwirtschaftet, was die Sanierung der Kita St. Nikolaus kosten würde“, berichtet Sandmann.
Eine andere Möglichkeit, die Kita St. Nikolaus an ihrem Standort zu erhalten, wäre eine deutlich höhere Kostenübernahme seitens der Ortsgemeinde Neuhofen gewesen – zumal die Bereitstellung von Kitaplätzen gemäß der gesetzlichen Vorgaben eine Pflichtaufgabe der Kommunen ist. Doch an dieser Stelle kamen die beiden Akteure nicht überein. „Die Ortsgemeinde Neuhofen hat zuletzt vorgeschlagen, dass die Kirchengemeinde sich mit 90 Prozent an den Kosten beteiligt“, erläutert Sandmann. Grundsätzlich sähen die Finanzierungsvorgaben für katholische Kitas im Bistum Speyer allerdings vor, dass keine Kirchensteuermittel für Instandsetzungen an Kita-Gebäuden verwendet werden dürfen. „Insofern ist eine Kostenbeteiligung in der vorgeschlagenen Form für die Kirchengemeinde Hl. Christophorus Waldsee nicht leistbar.“
Warum man seitens der Ortsgemeinde der katholischen Kirche bei der Kostenübernahme für die Instandsetzung der Kita St. Nikolaus nicht entgegenkam, erklärt auf Nachfrage der zweite Beigeordnete Neuhofens, André Schlosser: „Die Kosten teilen sich in Sanierungskosten und Anpassungen an das neue Kita-Gesetz. Beides zusammen ergibt nach unseren Schätzungen eine siebenstellige Summe, die als Investition in ein altes Gebäude, das Raum für nur zwei Kita-Gruppen bietet, für zu hoch und zu schwer finanzierbar bewertet wurde.“
„Wirbelwind“-Räume angeboten
In der Konsequenz hat es deshalb zuletzt Verhandlungen über neue Räume gegeben, in die die Kita St. Nikolaus hätte umziehen können. Konkret angeboten hat die Ortsgemeinde Neuhofen die Räume des ehemaligen „Wirbelwinds“, eine kommunale Kita, die inzwischen an anderer Stelle neu gebaut worden ist. „Wir haben uns diese Räume angeschaut, und die katholische Kirchengemeinde war auch bereit, die Einrichtung als Betriebsträger mit ihrem Personal zu betreiben – unter der Bedingung, dass die Ortsgemeinde die Kosten für das Gebäude übernimmt“, erläutert Markus Sandmann. Dies sei auch genau so angeboten worden, betont auf Nachfrage André Schlosser.
Dass es am Ende doch noch anders kam und das „Wirbelwind“-Angebot letztlich nicht weiter verfolgt wurde, lag Markus Sandmann zufolge am Nutzungsvertrag, den die Ortsgemeinde Neuhofen der katholischen Kirche vorgelegt hat. Darin sei festgehalten, dass die Gemeinde es sich vorbehält, der katholischen Kirche andere geeignete Räume zuzuweisen, sollten die ehemaligen „Wirbelwind“-Räume anderweitig für öffentliche Zwecke benötigt werden. „Bei der Festlegung eines neuen Standortes hätte die katholische Kirche laut Vertrag dann allerdings keinerlei Mitspracherecht mehr gehabt“, erklärt Sandmann.
Auf die Frage, warum man das so habe durchsetzen wollen, heißt es seitens der Verwaltung: „Hier handelt es sich um Vertragsdetails während der Verhandlungen, die wir nicht weiter kommentieren wollen.“ Grundsätzlich habe sich die Ortsgemeinde damals die Option offen halten wollen, die ehemaligen „Wirbelwind“-Räume gegebenenfalls wieder für die Grundschule zu nutzen, an der es Platzprobleme gebe.
Neue Bedarfsanalyse: Anzahl der Kinder sinkt
Einige Monate nachdem die Verhandlungen zwischen der katholischen Kirchengemeinde und der Gemeinde Neuhofen wegen der bestehenden Differenzen auf Eis gelegt wurden, flatterten dann die neuesten Zahlen der Kreisverwaltung zur Kita-Bedarfsplanung ins Haus, erzählt Markus Sandmann. Tenor: Die Anzahl der Kinder in Neuhofen wird künftig deutlich sinken. „Und zwar am Ende genau in der Größenordnung der Kita St. Nikolaus.“
Der Entschluss, die katholische Kita vor diesem Hintergrund ab Spätsommer 2026 ganz zu schließen, sei nicht leichtgefallen. „Fakt ist jedoch“, betont der 46-Jährige, „dass alle Kinder, die unsere zweigruppige Einrichtung zu diesem Zeitpunkt noch besuchen werden, in Neuhofen entweder einen Platz in der kommunalen oder der protestantischen Kita erhalten können!“ Die Eltern seien darüber bereits informiert worden. André Schlosser ist an dieser Stelle für die Ortsgemeinde wichtig zu betonen, dass der Wegfall der Plätze in St. Nikolaus zwar nach derzeitigen Prognosen kompensiert werden könne, dass dadurch allerdings die für die folgenden Kita-Jahre prognostizierte „Platz-Reserve“ in Neuhofen fast vollständig aufgebraucht sein wird. „Deswegen werden wir vor allem die Entwicklung des aktuellen Geburtenjahrgangs ganz genau im Blick behalten.“
Das Personal der Kita St. Nikolaus muss sich keine Sorgen machen: „Der Bedarf an Fachkräften macht es möglich, dass wir das Personal weiter in eigenen katholischen Kitas in Nachbargemeinden beschäftigen können“, sagt Sandmann. Wie es indes nach der Schließung der Neuhofener Kita St. Nikolaus mit dem Gelände weitergeht, das sich im Besitz der katholischen Kirche befindet, stehe aktuell noch nicht fest.
Gemeinde hoffte auf Lösung seitens der Kirche
Gefragt nach ihrer persönlichen Meinung zum Aus der traditionsreichen katholischen Kita St. Nikolaus mit ihrem großen und naturnahen Außengelände, sagen Bürgermeister Ralf Marohn (FDP) und der zweite Beigeordnete, André Schlosser: „Für uns ist der Erhalt der Vielfalt in der Trägerschaft der Kitas wünschenswert.“ Man habe sich gewünscht, dass die katholische Kirche eine Finanzierungsmöglichkeit für den Erhalt ihrer Kita findet. „Für die Zukunft können wir uns vorstellen, das verlorene naturnahe Konzept der Kita St. Nikolaus durch eine kommunale Wald-Kita oder durch die Erweiterung des Angebots von ,Waldwochen’ für Kita-Kinder aufzufangen.