Neuhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Katholische Kirche: Verkauf kaum zu vermeiden

Soll verkauft werden: die Kirche und links daran angebaut Gemeindezentrum und Pfarrhaus.
Soll verkauft werden: die Kirche und links daran angebaut Gemeindezentrum und Pfarrhaus.

Kann sich die katholische Gemeinde in Neuhofen ihre Kirche noch leisten? Wahrscheinlich nicht. Die Zukunft der katholischen Kita St. Nikolaus sieht auch nicht rosig aus.

Es stehen schwere Entscheidungen für die Katholiken in Neuhofen an. Die haben einen Traum, doch ob der erfüllt werden kann, ist fraglich. Pfarrer Ralf Feix, Johanna Engl, Vorsitzende des Gemeindeausschusses, und ihre Stellvertreterin Gaby Meier machen den Ernst der Lage deutlich. Der Kirchenkomplex in Neuhofen besteht aus der 60 Jahre alten Kirche selbst, dem daran angebauten Gemeindezentrum und dem Pfarrhaus. Eigentlich beste Voraussetzungen für ein florierendes Gemeindeleben. Doch die Realität sieht anders aus: Die Gemeinde ist stark geschrumpft. Zu Sonntagsgottesdiensten kommen rund 30 Gläubige. Im Pfarrhaus wohnt seit mehr als zehn Jahren kein Pfarrer mehr. Das Gemeindezentrum darf aus Brandschutzgründen von Gruppen nicht mehr genutzt werden. Gleiches gilt für die Empore der Kirche, da fehlt der zweite Fluchtweg. Die Heizung in der Kirche hat kürzlich außerdem angefangen zu mucken.

Rücklagen reichen nicht einmal für das Nötigste

Der Renovierungsbedarf steigt von Jahr zu Jahr. Das Geld, das man dafür bräuchte, wird gleichzeitig jedes Jahr weniger. Die Rücklagen für die Gebäude reichen nicht einmal für das Nötigste aus. Neue können nicht gebildet werden, dafür ist kein Geld da. Zuschüsse vom Bistum für Reparaturen gibt es nur noch in sehr eng begrenzten Ausnahmefällen. Die Schlüsselzuweisungen, die die Pfarreien vom Bistum bekommen, werden in nur fünf Jahren nicht einmal halb so viel betragen wie aktuell. „Das Geld, das wir bekommen, reicht gerade mal um den Betrieb am Laufen zu halten“, sagt Pfarrer Feix.

Längst kein Geheimnis mehr ist, dass auch das Gebäude der katholischen Kindertagesstätte umfangreich saniert werden muss. Am liebsten hätte die Kirchengemeinde die Bauträgerschaft für die Kita an die Ortsgemeinde abgegeben, so wie das zum Beispiel in Altrip der Fall ist. Doch die hat abgelehnt.

„Die Kirchengemeinde Neuhofen wird sich also von Gebäuden trennen müssen“, erklärt Pfarrer Ralf Feix. Das sei auch in den anderen Gemeinden der Pfarrei schon geschehen. In Altrip seien Gemeindezentrum und Pfarrhaus, in Otterstadt das Pfarrhaus verkauft worden. Im dortigen Pfarrsaal dürften sich aus Brandschutzgründen nur kleine Gruppen treffen. In Waldsee sei die stark sanierungsbedürftige katholische Kita komplett von der Ortsgemeinde übernommen worden. Da sei es nur schlüssig, dass sich auch die katholische Kirchengemeinde Neuhofen von Gebäuden trenne.

„Der Verkauf des Grundstücks der Kita reicht nicht, um den Kirchenkomplex zu sanieren“, sagt Johanna Engl. „Andersrum wird eher ein Schuh daraus.“ Ursprünglich hatte die Kirchengemeinde noch gedacht, durch den Verkauf des Kirchenkomplexes könne so viel Geld erzielt werden, dass die Kita saniert und ihr Fortbestand gesichert werden kann. Wenn noch Geld übrig wäre, dann wäre es ein großer Wunsch der Katholiken, an der Kita einen Gebetsraum zu bauen, den die Gläubigen nutzen können. Doch dieser Traum könnte platzen, denn nach Gutachterschätzung reicht auch der Verkauf des Kirchengeländes nicht für die Sanierung der Kita.

Traurig ist Feix, dass es von der Ortsgemeinde gar keine Unterstützung zu geben scheint. „Die würden den Kirchenkomplex für einen Euro übernehmen, wir müssten die Kita sanieren und das finanzieren und würden am Ende zehn Prozent Zuschuss, gegebenenfalls auch einen anderen Betrag, bekommen“, erklärt der Pfarrer. Das sei nicht machbar.

Die Lage ist also verzwickt, und daher hatte die Kirchengemeinde am vergangenen Sonntag zu einer Gemeindeversammlung eingeladen, zu der rund 30 Mitglieder kamen. Diese seien durchaus realistisch gewesen, erklärte Feix. Allerdings auch enttäuscht, dass selbst der Verkauf der Kita den Erhalt ihrer Kirche nicht sichern könnte. Die Trennung von der Kindertagesstätte würde den Versammlungsteilnehmern offenbar leichter fallen. Eine Frau, deren Kinder die katholische Kita besucht haben, wunderte sich demnach, dass keine Eltern der Kita-Kinder bei der Gemeindeversammlung waren. Die müsste die Zukunft der Kita doch interessieren. Für die meisten Eltern spiele es wohl keine Rolle, ob die Kita katholisch oder kommunal sei, ihnen gehe es nur darum, einen Platz für ihre Kinder zu bekommen, fand die Besucherin als Erklärung.

Hoffnung auf Investor oder Glaubensgemeinschaft

Wie es nun konkret weitergehen soll, steht noch nicht fest. Auch der zeitliche Horizont ist noch offen. „Ich sehe nur Hoffnung, wenn wir es aktiv in der Hand halten. Wenn wir alles laufen lassen, werden wir Kita und Kirche verlieren“, sagt Johanna Engl. Die Kirchengemeinde hofft, dass sich ein Investor oder eventuell auch eine andere Glaubensgemeinschaft findet, die am Kirchengelände interessiert ist.

„Der Verkauf der Kirche ist ein Stich mitten ins Herz einer Kirchengemeinde. Aber wir wollen keinen Ausverkauf, sondern Möglichkeiten, wie eine Gemeinde möglicherweise auch ohne einen festen Ort weiterleben kann“, sagte der Pfarreiratsvorsitzende David Kraus bei der Gemeindeversammlung. Die Gemeinde werde als Personengemeinde weiterbestehen. So sei eine Kooperation mit der protestantischen Kirchengemeinde eine Option. Zudem wollten die benachbarten Gemeinden die Gläubigen bei sich mit einbinden und ihnen ein bisschen Heimat geben.

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