Bobenheim-Roxheim
Warum Check and Work jetzt Fotovoltaik anbietet
Eine unscheinbare Tür neben dem Eingang zum Globus-Getränkemarkt Bobenheim-Roxheim führt in die Büroräume von Martin Holl. Der Geschäftsführer des 2019 gestarteten Internetportals Check and Work hat seinen alten Job gekündigt und widmet sich dem Handwerkerprojekt seit drei Jahren hauptberuflich. Seit August 2022 sitzen er und seine inzwischen sieben Mitarbeiter in den Räumen über dem Supermarkt.
Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, dass sich bundesweit Handwerker über seine Plattform miteinander vernetzen können. Denn die Seite ist für die Betriebe kostenlos, Holl verdient daran nicht, wie er sagt. Mittlerweile ist aus Check and Work aber eine GmbH geworden, die selbst Projektdienstleister ist. Für Aufträge greift Holl einfach auf das von ihm mitgeschaffene Netzwerk zurück und er will auf die Art nun im Bereich Fotovoltaik durchstarten.
Großprojekte im Einzelhandel
Rückblick ins Jahr 2020: Holl stellt seine kostenfreie Plattform während einer Konferenz als Idee vor, dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen. Kleine Betriebe können darüber Aufträge beziehen, wenn sie gerade anderswo aufgrund von Verzögerungen Leerlauf haben. „Der Key Account Manager eines großen IT-Unternehmens hat mich danach angesprochen und gefragt, ob ich auch Aufträge annehme“, erinnert sich Holl im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Für sein Projekt ist es die Initialzündung, um selbst wirtschaftlich zu arbeiten. Denn aus den anfänglich 100 bis 200 Handwerksbetrieben, die sich auf seiner Plattform tummelten, sind mittlerweile bundesweit 1350 Mitglieder geworden – ein Netzwerk, dass er seitdem selbst für Aufträge nutzt.
In den Jahren nach dem Treffen mit dem Key Account Manager nimmt Holl verschiedene Großaufträge an und vermittelt für die Auftraggeber Projekte an kleine Handwerksbetriebe, die auf die Art an Jobs kommen, die sie als einzelner Betrieb nie erlangt hätten – so Holls Darstellung. Bis 2022 arbeitet er an mindestens zwölf Großprojekten, bei denen es darum geht, bundesweit technische Aspekte im Einzelhandel zu modernisieren – etwa Kassensysteme, Bildschirme oder Parkleitsysteme.
Umsatz im siebenstelligen Bereich
Ab September 2022 verlegt die Firma den Schwerpunkt allerdings auf Fotovoltaikanlagen im Privatkundengeschäft und will damit zunächst in der näheren Region Aufträge an Land ziehen. Holl betont, dass seine Firma, anders als gängige Start-ups, ohne Gelder von Investoren auskomme. Zu den Gründen für diesen Wechsel gehöre, dass vorherige Insolvenzen im Einzelhandel zu Unsicherheiten bei den Einnahmen geführt hätten.
Die neue Ausrichtung scheint zu funktionieren: „Seit 2022 haben wir in der Region in einem Umkreis von rund 50 Kilometern etwa 200 PV-Anlagen installiert“, weiß Projektleiterin Stefanie Koch, die seit etwa zwei Jahren Teil des Teams ist. Allein rund 50 davon seien es in Bobenheim-Roxheim gewesen. Auch in Nordrhein-Westfalen und im süddeutschen Raum habe man bereits mithilfe des Handwerkernetzwerks Fotovoltaikanlagen auf Dächer gebracht. Einen Umsatz im siebenstelligen Bereich hat Holls Firma mit der Fotovoltaik allein im Jahr 2023 erwirtschaftet. Eine genaue Zahl möchte er nicht nennen.
Ausweitung der Geschäftsidee
Im Büro konzentrieren sich Koch und Holl vor allem auf die Projektplanung. Die beauftragten Betriebe erledigen demnach die Arbeit vor Ort. Nach der Installation werde die Überwachung der Anlagen dann vom Büro aus geleistet. Bislang handele es sich größtenteils um Aufträge für Privatkunden. Die Zielgruppe: Vor allem Eigenheim- oder Doppelhaushälftenbesitzer, meist zwischen 40 und 70 Jahren. Oft seien es Familien.
„Wir wollen nicht mit Unwahrheiten Anlagen verkaufen,“ meint Holl im Hinblick auf Erstberatungen. Er sage es dem Interessenten, wenn sich eine Anlage nicht lohne. Generell empfiehlt er deren Anschaffung nur Haushalten, die einen jährlichen Stromverbrauch von mehr als 2500 Kilowattstunden haben. „Wer eine Wärmepumpe installiert hat, sein E-Auto anschließen will und im Haus Klimaanlagen betreibt, für den lohnt sich das wirtschaftlich“, nennt Holl ein Beispiel. Wer den Geschäftsführer reden hört, merkt, dass er noch einiges vorhat mit seiner Firma. Künftig wolle er auch beim Aufbau von Fotovoltaikanlagen Geschäftskunden ins Visier nehmen, so wie er es im Elektrotechnikbereich in den Vorjahren schon einmal gemacht habe.