Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kooperationsplattform „Check and Work“ nimmt kräftig Fahrt auf

Handwerker zur Zusammenarbeit zu bringen ist das Ziel einer Bobenheim-Roxheimer Initiative.
Handwerker zur Zusammenarbeit zu bringen ist das Ziel einer Bobenheim-Roxheimer Initiative.

Mit dem Internetportal „Check and Work“ können sich Handwerksbetriebe schnell und einfach gegenseitig unterstützen. Eineinhalb Jahre nach dem Start der Plattform sind die Initiatoren von der Firma Holl Elektro-Technik in Bobenheim-Roxheim überrascht über die große Nachfrage.

Als die RHEINPFALZ im vergangenen Jahr über das Projekt berichtete, waren rund 160 Firmen auf www.checkandwork.de registriert. Das war 25 Wochen, nachdem das Portal online gegangen war. Inzwischen sind dort knapp 1000 Handwerksbetriebe mit rund 10.000 Fachkräften angemeldet und der Devise „kooperieren statt konkurrieren“ gefolgt. Auf Instagram hat „Check and Work“ schon mehr als 3200 Follower.

Die Idee hinter der Plattform: Ein Unternehmen, bei dem es gerade so gut läuft, dass es die Aufträge nicht mehr mit den eigenen Mitarbeitern bewältigen kann, stellt auf der Internetseite eine Unterstützungsanfrage und findet so geeignete Kollegen. Alle Betriebe, die für die Arbeiten infrage kommen, werden per E-Mail informiert und können dann mit der anderen Firma einen Kooperationsvertrag schließen.

Aufträge sollen nicht mehr verschoben werden

„Auf diesem Weg wird auch Firmen geholfen, die gerade freie Kapazitäten haben. Die Plattform hilft den Betrieben dabei, unerwartete Terminprobleme durch Auftragsverschiebungen oder andere Verzögerungen effizient auszugleichen“, sagt Martin Holl, der nach einer Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik, einem Wirtschaftsingenieursstudium und zehnjähriger Tätigkeit beim Chemiekonzern BASF in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist und dann mit „Check and Work“ sein eigenes Start-up gegründet hat.

Ein weiterer Vorteil des Portals: Handwerker lernen sich kennen und vernetzen sich – und das in ganz Deutschland. Sogar Firmen aus Österreich und Südtirol hätten sich inzwischen auf dem Portal angemeldet, berichtet Holl. Die Nutzung ist kostenlos. Wer mitmachen will, muss sich registrieren und gewisse Anforderungen erfüllen. Überprüft werden der Gewerbeschein, Qualifikationsnachweise und die Eintragung in die Handwerksrollen. „Wir schauen uns auch die Webbewertungen an“, sagt Holl und betont: „Unser Netzwerk steht für Qualität im Handwerk.“

Den starken Zuwachs im zweiten Jahr erklärt er auch mit der Pandemie. „Solidarität ist in Corona-Zeiten besonders wichtig. Insofern kam unser Portal genau im richtigen Moment.“ Auch der elterliche Betrieb habe die Krise zu spüren bekommen. Für den habe man bis zum Frühjahr auf „Check and Work“ immer nach Verstärkungen gesucht.

„Dann hatten wir drei Wochen lang freie Kapazitäten und haben die Plattform zum ersten Mal selbst in umgekehrter Richtung genutzt und unsere eigenen Dienste angeboten“, berichtet Holl. Mit Erfolg: Der Betrieb konnte mit Projekten anderer Firmen Geld verdienen.

Mitte des vergangenen Jahres habe die Baubranche Fahrt aufgenommen. Insbesondere die vorübergehende Absenkung der Mehrwertsteuer bis zum 31. Dezember 2020 habe dafür gesorgt, dass sich die Auftragslage im Handwerk stabilisierte. Und so nutzt auch der eigene Elektrotechnikbetrieb die von den Holl-Brüdern und Marcel Jäger entwickelte Plattform wieder fleißig in anderer Richtung.

Auch Großkonzerne sind aufmerksam geworden

Dass sich das Konzept und die Qualität des Internetportals „Check and Work“ herumgesprochen haben, habe zur Weiterentwicklung des Portals geführt, berichtet Jäger. So habe „Check and Work“ 2020 federführend mit seinen Mitgliedsbetrieben deutschlandweit Elektro- und Netzwerktechnikprojekte für einen führenden IT-Konzern, Filialisten wie eine deutschlandweit bekannte Bio-Lebensmittelmarktkette und eine große Warenhauskette umgesetzt.

Dabei agiere „Check and Work“ als Ansprechpartner für die Großkonzerne, übernehme die Projektleitung und wähle aus seinem Netzwerk die passenden Betriebe vor Ort aus. „Infrage kommen die Firmen, die regelmäßig auf unserer Plattform zusammenarbeiten und durch die Bewertungen ihrer Kooperationspartner gute Rezensionen auf ihren Profilen erhalten“, erklärt Jäger. Ein Vorteil für die Auftraggeber: Sie sparten Geld, weil keine Kosten für weite Anfahrten oder Übernachtungen anfielen, und sie erhielten eine Projektausführung durch geprüfte Fachbetriebe.

„Check and Work“ ist zum Hauptjob geworden

Seit August wird das Internetportal als Kapitalgesellschaft geführt. Und weitere Veränderungen haben zum Jahreswechsel stattgefunden: Martin Holl, sein Bruder Markus und der gemeinsame Freund Marcel Jäger haben die Plattform neben ihren eigentlichen Jobs aufgebaut und bislang auch betreut. Seit Januar kümmern sich die beiden Wirtschaftsingenieure Martin Holl und Marcel Jäger in Vollzeit um „Check and Work“. „Mit dem Projektgeschäft sind wir an unser Limit gekommen. Das lässt sich nicht mehr nebenbei machen“, sagt Jäger.

 Die Brüder Markus (links) und Martin Holl (sitzend) haben das Internetportal zusammen mit ihrem Freund Marcel Jäger entwickelt.
Die Brüder Markus (links) und Martin Holl (sitzend) haben das Internetportal zusammen mit ihrem Freund Marcel Jäger entwickelt.
Das Motto der Plattform.
Das Motto der Plattform.
x