Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Wachstum gewünscht. Aber auch erlaubt?

Hier würde sich die Ortsgemeinde Römerberg gerne ausdehnen: So könnte das Berghausener Gewerbegebiet an der B9 (links) noch in ö
Hier würde sich die Ortsgemeinde Römerberg gerne ausdehnen: So könnte das Berghausener Gewerbegebiet an der B9 (links) noch in östlicher Richtung wachsen. Westlich der Bahnlinie wäre Platz für ein rund sieben Hektar großes Wohngebiet.

Ideen für neue Wohnbau- und Gewerbegebiete gibt es im Speyerer Umland einige. Römerberg würde gerne im Ortsteil Berghausenweitere Gebiete erschließen. Allerdings werden die Vorhaben wohl nicht mit dem geänderten Regionalplan Rhein-Neckar, der nächstes Jahr in Kraft treten soll, kompatibel sein. Der Bürgermeister ist dennoch optimistisch, dass die Pläne Wirklichkeit werden können.

2330 Seiten stark ist das Werk, das den sperrigen Titel „1. Änderung des Einheitlichen Regionalplans Rhein-Neckar – Äußerungen und Behandlungsvorschläge im Rahmen des Offenlage- und Anhörungsverfahrens“ trägt. Es ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur endgültigen Fassung des Regionalplans. Für die Gemeinden in der Metropolregion Rhein-Neckar ist es ein wichtiger Fingerzeig, welche Entwicklungsmöglichkeiten ihnen in den kommenden 15 Jahren offenstehen und welche nicht. Denn darin enthalten sind Wünsche und Anmerkungen der Gemeinden zu den vorliegenden Planunterlagen – und Kommentare, was die Regionalplanung davon hält.

Römerberg hätte, wie Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) erläutert, gerne einige Änderungen im neuen Regionalplan gesehen. Denn die Gemeinde hat Pläne, die nicht mit dem Entwurf kompatibel sind, was künftige Wohn- und Gewerbegebiete betrifft: Laut Plan könnte zum Beispiel das Gebiet zwischen Baugebiet W3 und Netto-Markt in Zukunft noch bebaut werden. „Das würde aber so viel zusätzlichen Verkehr mit sich bringen, dass unsere Hauptverkehrsachsen kollabieren würden“, glaubt Hoffmann.

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Die Gemeinde würde sich viel lieber nördlich des Bahnhaltepunkts Berghausen und westlich der Bahnlinie ausdehnen, wo derzeit landwirtschaftliche Flächen und Schrebergärten sind. „Das Gebiet liegt verkehrstechnisch sehr günstig“, beschreibt Hoffmann, was für den Standort spricht. Nicht nur der Bahnhof, auch die Auffahrt zur Bundesstraße befände sich in unmittelbarer Nähe. Außerdem wäre eine Siedlung dort prädestiniert, sie ans Speyerer Fernwärmenetz anzubinden. Komplizierter wäre wohl die Entwässerung. Damit die Erschließung bezahlbar bleibt, soll ein Neubaugebiet dort deshalb nicht zu klein werden: 7,2 Hektar sind angedacht.

Doch die Stellungnahme der Regionalplanung ist eine Ernüchterung für die Römerberger. Denn demnach könnte die Gemeinde zwar grundsätzlich ein Wohngebiet dort erschließen, aber nur in einer Größe von 3 Hektar. Denn jeder Gemeinde wird nur eine gewisse Fläche für neue Wohnbauflächen zugestanden.

Noch ungünstiger aus Gemeindesicht fällt die Anmerkung der Regionalplanung hinsichtlich der von Römerberg gewünschten neuen Gewerbegebiete aus. Nicht nur wird das angedachte interkommunale Gewerbegebiet mit Dudenhofen abgelehnt. Auch dem Wunsch, das bestehende Gewerbegebiet an der B9 in Richtung Osten zu erweitern, wird nicht gefolgt. Die Gemeinde solle sich „vorrangig auf die Sicherung und Weiterentwicklung ortsansässiger Betriebe konzentrieren“. Der Verband Region Rhein-Neckar kommt zum Schluss, dass „aus regionalplanerischer Sicht derzeit keine Erfordernis besteht, zusätzliche Entwicklungsspielräume zu schaffen“.

Trotz dieser schlechten Nachrichten, die die Ortsgemeinde vor ein paar Wochen ereilten, ist der Bürgermeister optimistisch, dass die Pläne für Wohnbaugebiet und Gewerbegebiet-Erweiterung doch noch umgesetzt werden können. Die Regionalplanung habe bei ihrer Bewertung einige Aspekte unberücksichtigt gelassen. So würde die Gemeinde im Gegenzug für ein 7,2 Hektar großes Wohnbaugebiet am Berghausener Bahnhaltepunkt praktisch alle anderen Neubauflächen, die ihr im Regionalplan zugebilligt werden, aufgeben. Abzüglich der rund vier Hektar Fläche im Altbestand würde somit laut Hoffmann der Römerberg zugestandene Flächenbedarf von 10,8 Hektar nicht überschritten.

Bedarf von Firmen ist da

Und auch was die Erweiterung des Berghausener Gewerbegebiets Richtung Osten betrifft, geht die Regionalplanung laut Bürgermeister von falschen Voraussetzungen aus. So gebe es für das bereits beschlossene Gewerbegebiet „Obere Mühlweggewanne“ südlich der K27 – gegenüber des bestehenden Gewerbegebiets – rund 40 Bewerber. Zirka die Hälfte davon sei aus Römerberg selbst. Dabei gibt es dort voraussichtlich weniger als zehn Grundstücke zu verteilen. Einige interessierte Römerberger Unternehmen werden also nicht zum Zuge kommen. Für Hoffmann ist daher klar: „Die Regionalplanung geht irrigerweise davon aus, dass wir fremde Unternehmen anlocken wollen.“

Trotz dieser Argumente wird sich voraussichtlich am Inhalt des Regionalplans für Römerberg nichts mehr ändern. Und das obwohl noch eine zweite Offenlage des Entwurfs aussteht, in der die Gemeinde noch einmal Stellung nehmen könnte. Doch die Ortsgemeinde hat vorgefühlt: „Die Regionalplanung will nicht mehr auf jede Stellungnahme eingehen“, sagt Hoffmann. Denn der Verband hänge zeitlich ohnehin schon hinterher und wolle, dass der Plan auf jeden Fall nächstes Jahr in Kraft treten kann.

Für die Baugebietspläne der Ortsgemeinde sieht der Bürgermeister trotzdem nicht schwarz, nachdem er sich mit dem Planer in Diensten der Ortsgemeinde besprochen hat. „Es gibt einen zweiten Weg“, sagt er. Hoffmann denkt dabei an ein Zielabweichungsverfahren. Es würde der Gemeinde ermöglichen, von dem, was im Regionalplan festgeschrieben ist, abzuweichen – wenn es denn gut begründet ist.

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