VG Rheinauen
Vorsorge: Was tun, bevor Starkregen fällt und die Flut kommt?
Wie ist das Interesse für Hochwasser- und Starkregenschutz?
Vier Informationsveranstaltungen, insgesamt fast 300 Bürgerinnen und Bürger. Patrick Fassott (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen, zeigt sich grundsätzlich sehr zufrieden mit der Resonanz. Im Vergleich zu anderen Kommunen sei das Interesse in der Verbandsgemeinde für die Hochwasser- und Starkregenvorsorge sehr groß, sagt Fassott. Simon Schneider, stellvertretender Fachbereichsleiter in der Verbandsgemeindeverwaltung, berichtet zur besseren Einordnung, dass in Ludwigshafen bei einer solchen Infoveranstaltung niemand gewesen sei.
Wie ist die Situation in der Verbandsgemeinde Rheinauen?
Starkregen kann grundsätzlich jede Gemeinde treffen. Die Auswirkungen sind je nach Situation vor Ort unterschiedlich. Das Landesamt für Umwelt stellt im Internet Sturzflutgefahrenkarten zur Verfügung, aus denen ersichtlich ist, wie hoch die Gefahr für jeden Hauseigentümer bei Starkregen ist.
Auch Hochwasser hat in der VG Rheinauen unterschiedliche Auswirkungen. Waldsee ist weniger betroffen, weil die Gemeinde zum größten Teil auf dem Hochufer liegt und es keinen Bach gibt, der in der Nähe von Wohngebäuden fließt. In Neuhofen muss hauptsächlich der Rehbach im Auge behalten werden. Otterstadt und vor allem Altrip sind bei einem Rheinhochwasser gefährdet. „Die Situation in unserer Verbandsgemeinde ist nicht homogen. Ziel der Informationsveranstaltungen in den einzelnen Ortsgemeinden ist, die Bürgerinnen und Bürger auf einen gemeinsamen Wissensstand zu bringen, wie die Situation bei ihnen ist und wie sie ihr Haus schützen können“, sagt Fassott. Das Hochwasser- und Starkregenkonzept wird vom Büro Björnsen Beratende Ingenieure (Speyer) erstellt. Verwaltung, Werke und Freiwillige Feuerwehr werden einbezogen.
Was nehmen Bürger und Verwaltung aus den Infoveranstaltungen mit?
Als privater Vorsorge-Tipp wurde immer wieder genannt, dass Lichtschächte mit kleinen Mauern sowie Tiefgarageneinfahrten mit Dammbalken geschützt werden können. Die Verwaltung will sich vor allem in Waldsee um Neubaugebiete kümmern, damit dort die Entwässerung wieder sichergestellt ist, weil teilweise Abflussrinnen überbaut wurden.
Grundsätzlich gilt aber: 100-prozentiger Schutz ist nicht möglich. Die Verbandsgemeindewerke kümmerten sich laut Fassott regelmäßig um die Kanalunterhaltung, damit Starkregen abfließen kann. Die Forderung, die Kanalisation zu vergrößern, sei unrealistisch. Die Kanalisation sei in ihrer Dimension begrenzt. Das heißt, dass sie für ein drei- bis fünfjähriges Starkregen-Ereignis ausgelegt ist und es technisch, räumlich und finanziell nicht überall möglich sei, die Rohre zu vergrößern.
Was erhoffen sich die Ortsbürgermeister von dem Konzept?
Volker Mansky (parteilos), Ortschef von Altrip, freut sich über das vorhandene Interesse. In Altrip waren mehr als 100 Bürger bei der Informationsveranstaltung zum Hochwasser- und Starkregenschutz. Kein Wunder: Die Gemeinde ist aufgrund ihrer Nähe zum Rhein bei Hochwasser besonders gefährdet. Ein Starkregen-Ereignis richtete 1999 schwere Schäden an. Mansky erhofft sich daher von dem Konzept neue Erkenntnisse und Sichtweisen sowie, dass Probleme erkannt und behoben werden.
In Otterstadt ist Hochwasserschutz ebenfalls ein großes Thema. Weil durch den Klimawandel potenziell mehr Hauseigentümer gefährdet sind, regt Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann (CDU) eine obligatorische Elementarschadenversicherung für alle Gebäudeeigentümer in Deutschland an. Zimmermann lässt auch prüfen, ob die Ortsgemeinde ihre Bürger bei der Vorsorge für den Hochwasserschutz finanziell unterstützen kann. Das will er abklären, weil Katastrophenschutz eigentlich Sache der Verbandsgemeinde ist.
Welche Aspekte beim Hochwasser- und Starkregenschutz sollten außerdem beachtet werden?
Die Ortsgemeinde Neuhofen hat laut Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) in den vergangenen zehn bis 15 Jahren stark in die Starkregenvorsorge investiert. Nach einem Starkregen-Ereignis vor rund 20 Jahren wurde ein Generalentwässerungsplan schneller umgesetzt: Es wurden unterirdische Rückhaltebecken gebaut, Abwasserkanäle erneuert beziehungsweise größer dimensioniert, und Engpässe wurden beseitigt.
Mit dem Rhein und dem Rehbach hat Neuhofen zwei Wasserläufe, auf die bei Hochwasser geachtet werden muss. „Das Schöpfwerk ist dabei eine wichtige Einrichtung, die Neuhofen vor einer Überflutung schützt“, sagt Marohn. Das Vorsorgekonzept soll der Gemeinde künftig bei der Planung von neuen Wohn- und Gewerbegebieten sowie bei weiteren Überlegungen zum Hochwasserschutz helfen.
Welche Forderungen gibt es des Weiteren von der Politik?
Neuhofens Ortsbürgermeister Ralf Marohn verdeutlicht, dass Katastrophenschutz nicht an der Gemarkungsgrenze endet und daher nur gemeinsam organisiert und umgesetzt werden kann. Er plädiert für gute bauliche Anlagen, gute Ausrüstung der Feuerwehr, gute Ausbildung der Wehreinheiten und gute Kommunikation aller im Katastrophenfall relevanten Verwaltungseinheiten. „Bei der letzten Hochwasser-Katastrophenschutzübung wurde festgestellt, welches Verbesserungspotenzial wir in der Kommunikation im Katastrophenfall haben. Alle diese Übungen und Informationen sind notwendig, um für den hoffentlich nicht eintretenden Extremhochwasserfall gerüstet und vorbereitet zu sein“, sagt Marohn.
Waldsees Ortschefin Claudia Klein (CDU) verdeutlicht, dass Hochwasser- und Starkregenvorsorge ein hochbrisantes Thema sei, „das uns alle angeht und nicht nur alleine auf kommunaler Ebene umgesetzt werden kann“. Auch die Bürgerinnen und Bürger müssen aktiv im Sinne der Eigenvorsorge mit einbezogen werden, sagt Klein. Sie erhofft sich daher von dem Konzept, möglichst konkrete Vorschläge und Handlungsoptionen für Eigentümer. Die Kommune selbst werde auch sehr genau prüfen, welche Vorkehrungen im öffentlichen Raum noch umsetzbar sind.
Wie geht es jetzt weiter?
Nach den Sommerferien sind weitere Informationsveranstaltungen geplant, bei denen die Bürger konkret erfahren, wie sie ihr Eigentum schützen können. Was vor allem in Altrip beim Thema Hochwasserschutz immer wieder mitschwingt, ist die Diskussion um den umstrittenen Polder. „Diese Debatte können wir mit dem Hochwasservorsorgekonzept nicht auflösen“, sagt Bürgermeister Fassott. Zum immer wieder geforderten Evakuierungskonzept für Altrip im Katastrophenfall – ein Überfluten oder Brechen des Rheinhauptdeichs – berichtet Fassott: „Wir sind dran, aber wir können nicht ohne übergeordnete Behörden agieren.“ Jüngst gab es im Altriper Ortsgemeinderat einen gemeinsamen Beschluss, ein Gutachten zur Simulation einer Evakuierung der 8000-Einwohner-Gemeinde erstellen zu lassen.