Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Von der Glücksfee ins Amt befördert

Trio vor dem Rathaus: (von links) Erster Beigeordneter Reinhard Burck, Ortsbürgermeister Jürgen Hook und zweiter Beigeordneter F
Trio vor dem Rathaus: (von links) Erster Beigeordneter Reinhard Burck, Ortsbürgermeister Jürgen Hook und zweiter Beigeordneter Frank Heider.

Das Team an der Spitze der Ortsgemeinde Dudenhofen hätte auch ganz anders aussehen können: Dass sich neben SPD-Bürgermeister Jürgen Hook mit Reinhard Burck ein bereits mit dem Beigeordnetenamt vertrauter Grüner und mit Neuling Frank Heider ein weiterer Sozialdemokrat um das Dorf kümmern, hat viel mit dem Faktor Zufall zu tun.

Das hatte es im Speyerer Umland so auch noch nicht gegeben: Als vor wenigen Wochen der Dudenhofener Gemeinderat die Beigeordneten wählen sollte, endeten alle Abstimmungen mit einem Patt zwischen je zwei Kandidaten. Am Ende musste das Los entscheiden, und so darf Reinhard Burck (Grüne) weiterhin das Amt des Ersten Beigeordneten ausfüllen. Auch beim zweiten Losentscheid hatte der von CDU und FWG unterstützte Kandidat das Nachsehen und musste SPD-Kandidat Frank Heider den Vortritt lassen. Die Gemeindespitze setzt sich also nur aus Vertretern der ehemaligen Ampel-Koalition zusammen, obwohl diese im Rat keine Mehrheit mehr hat, sondern mit CDU und FWG gleichauf liegt.

Nach den Kommunalwahlen hatten eigentlich alle im Dudenhofener Gemeinderat vertretenen Parteien betont, dass man künftig die Probleme gemeinsam und frei von festen Koalitionen angehen wolle. Was also war passiert? Es habe fünf Gespräche mit allen Fraktionen gegeben, blickt Ortsbürgermeister Jürgen Hook (SPD) zurück. Es seien „gute, positive“ Gespräche gewesen. „Wir waren uns mit der CDU einig, dass sie den Posten des Ersten Beigeordneten bekommt“, sagt der 64-Jährige. Dafür sei Marcus Mönig vorgesehen gewesen.

Keine Einigung mit CDU

Der bisherige Erste Beigeordnete Reinhard Burck wäre zweiter Beigeordneter geworden. Allerdings wollte Hook nach eigener Aussage den Geschäftsbereich Werke bei Burck belassen, der diesen in den vergangenen fünf Jahren betreut hatte. „Er hat sehr gute Arbeit gemacht. Ich habe daher keinen Anlass gesehen, irgendetwas zu verändern“, begründet Hook seinen Standpunkt. Nachdem die CDU und ihr designierter Beigeordneter Marcus Mönig dem Vorschlag in den Gesprächen noch zugestimmt habe, sei anschließend eine Absage per E-Mail gekommen, schildert der Bürgermeister den Ablauf.

Durch den Losentscheid stehen CDU und FWG nun ganz mit leeren Händen da. Die Zusammenarbeit im Rat wünscht sich das Team aus Bürgermeister und Beigeordneten aber trotzdem harmonisch. „Wir sind bereit, mit allen zusammenzuarbeiten“, sagt Burck. Laut Hook gibt es auch keine „klassische Ampel-Vereinbarung“ zwischen SPD, Grünen und FDP. Dass das Los über die Besetzung der Beigeordnetenposten bestimmte, ist für den Bürgermeister nicht ideal: „Für die Politik ist es nicht förderlich, wenn man sich vorher nicht einig wird“, findet er. Allerdings sagt er auch: „Wir haben alle Hände ausgestreckt.“

Burck hadert nicht damit, dass er „nur“ per Los an sein Amt gekommen ist: „Ich hätte umgekehrt auch damit leben müssen, wenn das Los nicht auf mich gefallen wäre“, sagt der 72-Jährige. Bürgermeister Hook als „Glücksfee“, habe eben ein glückliches Händchen gehabt. Frank Heider, der neue im Team, will auch nicht von einem „Scheitern“ der Gespräche mit den anderen Ratsfraktionen sprechen. „Vielleicht war es ein Rückschritt. Der bietet aber auch Möglichkeiten, wieder Schritte nach vorne zu machen“, findet der 43-Jährige. Dass die Fraktionen zusammenarbeiten sei schließlich auch der klare Wählerwille, wenn man sich die Pattsituation bei der Sitzverteilung anschaue.

Über die Verteilung der Geschäftsbereiche muss noch der Ortsgemeinderat entscheiden. Wenn dieser dem Vorschlag des Bürgermeisters zustimmt, würden also Werke und Friedhof von Burck betreut, Heider würde sich um die Themen Kindergärten, Grundschule und Vereine kümmern und der Ortschef selbst würde alle übrigen Themen – unter anderem Bauangelegenheiten, Personalsachen und die Gemeindepartnerschaften – beackern.

Noch einen dritten Beigeordnetenposten zu schaffen, wie es ihn in manchen anderen Gemeinden gibt, um die anfallende Arbeit auf noch mehr Schulter zu verteilen, ist laut Hook übrigens zwar in Dudenhofen andiskutiert, aber nicht weiterverfolgt worden. Dabei sieht er durchaus eine große Arbeitsbelastung für Bürgermeister und Beigeordnete. Alleine sechs oder sieben Sitzungen seien wegen der vielen Vorschriften für die Vorbereitung des Weihnachtswaldbasars nötig, nennt er ein Beispiel.

Bauarbeiten stehen an

Thematisch wird den Bürgermeister und seine Beigeordneten in den kommenden Jahren unter anderem der Neubau des Horts beschäftigen. Auch die Hoffnung, einen Investor für ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt im Baugebiet In den dreißig Morgen zu finden, hat die Gemeindespitze noch nicht aufgegeben. Nachdem es in den vergangenen Jahren immer wieder Wasserrohrbrüche in der Gemeinde gegeben hat, sollen die Leitungen nach und nach ausgetauscht werden. Aktuell laufen Arbeiten in der Landauer Straße und der Hermann-Löns-Straße, wo auch Gas- und Stromleitungen erneuert werden. Folgen soll die Rottstraße. Ein weiteres Projekt: „Wir wollen prüfen, ob eine Freiflächen-Photovoltaikanlage auf Gemeindegebiet möglich ist“, sagt Burck. Auf dem Friedhof will er die Möglichkeit von Baumbestattungen schaffen. Seine Schatten voraus wirft das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft mit Martell in Südtirol. Das soll im kommenden Jahr groß gefeiert werden.

Frank Heider, der neue im Team, ist noch dabei, sich einen Überblick über seinen voraussichtlichen Geschäftsbereich zu verschaffen. Bürgermeister Hook will ihm dabei insbesondere in der Anfangszeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. Besonders am Herzen liegen Heider die Vereine: „Vereine sind die Basis der Demokratie“, findet er. Er will diese in Dudenhofen nach Kräften unterstützen und für eine noch bessere Vernetzung sorgen.

Die Serie

In manchen Orten im Speyerer Umland gibt es neue Bürgermeister, anderswo neue Beigeordnete. Manchmal ist auch personell alles beim Alten geblieben. Wir stellen die Teams an der Gemeindespitze in der Serie „Die Dorfgestalter“ vor.

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