Neuhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Ungewisse Zukunft für Physio-Praxis

Etwa 1200 Patienten sind in der Praxis Lauer in den vergangenen zwölf Monaten behandelt worden.
Etwa 1200 Patienten sind in der Praxis Lauer in den vergangenen zwölf Monaten behandelt worden.

Was passiert mit der Neuhofener Physiopraxis Lauer? Das fragen sich derzeit viele Patienten. Die Gemeinde hat den Mietvertrag für die Praxisräume im Rathaus zum Ende dieses Jahres gekündigt. Da für den Inhaber Jens Lauer ein erneuter Umzug derzeit nicht in Frage kommt, wäre in knapp einem halben Jahr Schluss. Bürgermeister Ralf Marohn (FDP) möchte aber einen Kompromiss finden.

„Wir sind noch in der Schockstarre!“ Das ist Jens Lauers erste Reaktion, als man ihn auf die Kündigung des Mietvertrags zum 31. Dezember anspricht. Seine Zukunftspläne seien ungewiss und auch die seiner zehn Mitarbeiter. Jens Lauer ist „sehr enttäuscht“, dass die Gemeinde Anfang Juli tatsächlich das wahrgemacht hat, was Bürgermeister Ralf Marohn ihm im Januar per E-Mail angekündigt habe. „Etwa drei Wochen nach der Kommunalwahl habe ich die Kündigung zum 31. Dezember 2023 erhalten“, berichtet er. Der 56-Jährige hätte sich gewünscht, bis zum rentenfähigen Alter in den Räumen bleiben zu können. Er habe nach dem Einzug etwa 50.000 Euro investiert, um die einstigen Büroräume zu renovieren und in adäquate Praxisräume umzubauen. „Schon vor Unterzeichnung des Mietvertrags 2017 habe Bürgermeister Marohn mir deutlich gemacht, dass die Gemeinde ein langfristiges Mietverhältnis wünscht“, sagt er. Und das sei auch sein Wunsch gewesen. Seit fast 30 Jahren hat Jens Lauer seine Praxis in Neuhofen, zunächst an anderer Stelle. 2017 habe er sich nach neuen Räumen umgeschaut, es sollte sein letzter Umzug mit der Praxis sein. Das Angebot der Gemeinde sei perfekt gewesen.

Wie der Physiotherapeut weiter berichtet, sei im Mietvertrag eine Fünf-Jahres-Frist vereinbart worden. Nach Ablauf dieser soll sich „bei beiderseitigem Einvernehmen“ der Mietvertrag um weitere fünf Jahre verlängern. Laut Jens Lauer ist im Jahr 2022 nach Ablauf des ersten Fünf-Jahres-Turnus das beiderseitige Einvernehmen nicht ausgesprochen worden. Da das Mietverhältnis weitergelaufen sei, habe der Physiotherapeut das Stillschweigen als Zustimmung für die Vertragsverlängerung gedeutet. Und: Die Gemeinde habe ihm auch nicht signalisiert, dass sie den Vertrag nicht verlängern wolle. „Ich habe 2023 noch einmal etwa 10.000 Euro investiert, zum Beispiel in ein neues Abrechnungs- und ins IT-System“, berichtet er.

Die Gemeinde möchte sich zu den vertraglichen Einzelheiten nicht äußern. Doch mit der ausgesprochenen Kündigung ist ersichtlich, dass die Verwaltung sich hier im Recht sieht, zu kündigen. Dass die Gemeinde 2017 zu Vertragsbeginn unbedingt eine langfristige Vermietung wollte, das sieht der Ortsbürgermeister anders: Das sei wohl von Jens Lauer anders interpretiert worden, meinte Marohn auf Nachfrage. Fakt sei nun mal, dass eine Fünf-Jahres-Frist ausgemacht worden sei.

In der Tat ist „langfristig“ ein individuell auslegbarer Begriff. „Aber es ist doch klar, dass das für eine Physio-Praxis keine fünf oder sechs Jahre sind“, hält Lauer dagegen. Stellt sich die Frage, warum der Praxisinhaber nicht von Anfang an auf ein längeres Mietverhältnis gepocht hat. „Es waren die Unwägbarkeiten in meiner Branche, wir kämpfen bis heute mit dem Fachkräftemangel, die Entwicklung war damals sehr ungewiss. Ein Fünf-Jahres-Vertrag erschien mir zunächst sicherer“, sagt er.

Letztes Wort noch nicht gesprochen

Dass die Gemeinde die Möglichkeit der Kündigung nutzt, hat Gründe: Nach der Fusion von Altrip, Otterstadt, Waldsee und Neuhofen zur Verbandsgemeinde Rheinauen vor zehn Jahren sind Verwaltungsabteilungen nach Waldsee als Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung gezogen. Nun ziehen kurz- und mittelfristig Teile wieder nach und nach zurück in die Rathäuser der Ortsgemeinden, erläutert Verbandsbürgermeister Patrick Fassott (SPD). Fachbereiche sollen so an einen Ort gebracht und die Arbeit optimiert werden. Jüngst ist die Verbandsgemeindekasse und Teile der Kämmerei in die Räume über der Praxis Lauer im Neuhofener Rathaus eingezogen. Mit dem Auszug der Praxis würden weitere Räume frei werden, die die Verbandsgemeindeverwaltung Rheinauen nutzen könnte. Für was die Räume genutzt würden, das soll laut Fassott erst entschieden werden, wenn diese frei seien.

Die gute Nachricht: Auch wenn die Kündigung nun schwarz auf weiß vorliegt – so ganz scheint das letzte Wort in der Sache wohl noch nicht gesprochen zu sein. Beide Bürgermeister betonen, dass sie mit Jens Lauer eine einvernehmliche Lösung finden wollen. Wie diese aussehe, das sei noch offen und soll in einem gemeinsamen Gespräch gefunden werden. Dabei sollen nach Auskunft von Marohn mit allen Beteiligten alle Aspekte abgewogen werden. Auch die Auswirkung einer möglichen Schließung der Praxis.

Jens Lauer hat mit seinem Team nach eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Monaten etwa 1200 Patienten behandelt, die meisten aus Neuhofen und der näheren Umgebung. Das Gros komme zu ihm in die Praxis, viele Patienten leben im Altenheim Pro Seniore, aber er bietet auch Hausbesuche an. Ein erneuter Umzug in andere Räume, der mit weiteren Investitionen und Strapazen verbunden wäre, schließt der Physiotherapeut für sich aus heutiger Sicht aus. Das habe er der Gemeinde auch Anfang des Jahres per E-Mail mitgeteilt. Jens Lauer erhofft sich vom Gespräch eine echte Perspektive. Sonst müsste er schon bald die Kündigungen an seine Mitarbeiter schreiben.

Jens und Ebru Lauer wissen derzeit nicht, wie es im kommenden Jahr weitergeht mit ihrer Praxis.
Jens und Ebru Lauer wissen derzeit nicht, wie es im kommenden Jahr weitergeht mit ihrer Praxis.
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