Rhein-Pfalz Kreis Und dann hat’s klick gemacht
«Rödersheim-Gronau.» Aufgrund der leeren Gemeindekasse fehlt schon lange das Geld, um die Spielplätze im Dorf instand zu halten. Einer ist deshalb bereits vor Jahren stillgelegt worden. Diesen Abwärtstrend hat nun einer mit einer cleveren Idee gestoppt: Der Erste Ortsbeigeordnete Mathias Burk (CDU) lässt klicken – im Internet zugunsten schönerer Plätze für Kinder.
Wer 28 ist, gehört zu der Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist und da schon mal beim Surfen durch das World Wide Web gute Ideen aufschnappt. Ideen etwa, wie man die Spielplätze im Dorf retten kann. Zunächst habe der CDU-Ortsverband auf eigene Kosten Spielgeräte für örtliche Kinderspielplätze angeschafft, erinnert sich Mathias Burk. Ein teures Unterfangen. „Also haben wir über andere Finanzierungsmöglichkeiten nachgedacht“, erzählt der Erste Beigeordnete, der 2009 in die Politik eingestiegen ist. Damals wurde er als jüngstes Mitglied in den Ortsgemeinderat gewählt. Bei der Online-Recherche spuckte Google den Sponsorenwettbewerb eines großen Limonadenherstellers aus. „Die Fanta-Spielplatzinitiative erschien gut geeignet. Also versuchten wir es einfach mal, und es hat auf Anhieb geklappt“, sagte er. Da die Organisatoren auf einem festen Ansprechpartner bestehen, können weder der CDU-Ortsverband noch die Ortsgemeinde an der Initiative teilnehmen. Deshalb kümmert sich Burk um die Bewerbungen. Jahr für Jahr, heuer bereits zum dritten Mal. „Wir sprechen uns aber ab und legen zusammen das Gelände fest, mit dem wir uns jeweils bewerben“, erläutert er. Dann stellt seine Fraktion im Gemeinderat den entsprechenden Teilnahme-Antrag. Sobald das Gremium grünes Licht gibt, füllt Burk die erforderlichen Formulare aus und reicht sie ein. „Das ist recht schnell erledigt“, sagt er. Werde eine Bewerbung von der Fanta-Initiative akzeptiert, gelte es, die Leute zu mobilisieren. „Die Unterstützung ist ausschlaggebend dafür, welche Projekte gefördert werden“, erklärt er. In der Abstimmungsphase könne jede Person einmal täglich für ein Vorhaben votieren. Je mehr Stimmen, desto besser die Platzierung und desto besser die Erfolgschancen. „Deswegen sagen wir unseren Freunden Bescheid, die es ihrerseits weitererzählen. Wir weisen auf unserer Facebook-Seite daraufhin, verteilen einen Flyer“, verdeutlicht er, worauf es ankommt. Was den jungen Ortsbeigeordneten freut: „Dabei ziehen alle an einem Strang, die Leute stehen parteiübergreifend dahinter.“ Das sei wichtig. Vergangenes Jahr sei Rödersheim-Gronau auf Platz 100 gelandet, dem letzten, für den es noch Geld gab. „Im Jahr davor waren wir auf Platz 99. Hätten wir damals fünf Stimmen weniger bekommen, wären wir leer ausgegangen.“ Stattdessen sind beide Male 1000 Euro herausgesprungen. Mit dem Geld haben Burk und seine Mitstreiter zunächst die Spielgeräte-Palette auf dem Spielplatz in der Straße Am Bingraben, hinter dem Netto-Markt in der Dorfmitte, erweitert. „Die Rutsche war noch in Ordnung. Dazu haben wir eine Doppelschaukel und drei Wipptiere besorgt“, berichtet er. Im vergangenen Jahr war der Spielplatz in der David-Möllinger-Straße an der Reihe. „Der war jahrelang nur noch eine schöne Wiese“, erzählt der 28-Jährige. Inzwischen stehen dort ein Dreier-Stufen-Reck, ein Wipptier und ein Spielturm. Dieser gehöre der Gemeinde und sei eigentlich für die evangelische Luise-Koch-Kita in Gronau gedacht gewesen. Die verfolge aber nun ein anderes Konzept, weshalb der Turm eingelagert wurde. Anderswo aufstellen durfte ihn die Kommune nicht wegen ihrer Finanzen. „Also haben wir das übernommen. Doch das war etwas ganz anderes in Sachen Statik“, denkt er an die Strapazen zurück. Das Fundament musste 60 bis 70 Zentimeter tief in den Boden und gegossen werden. „Da kommt man mit einem Spaten nicht weit.“ Deshalb habe eine ortsansässige Firma einen Bagger samt Fahrer zur Verfügung gestellt. Ohne solche Hilfe von Sponsoren hätten die Projekte nicht in diesem Umfang gestemmt werden können. „Die Firmen Globus und Zeller stellten uns zum Beispiel den Fallschutz bereit“, ergänzt Burk. Beim Spielturm seien das allein 25 Kubikmeter gewesen. „Da haben sieben, acht Leute fünf Stunden lang Schubkarren hin- und hergefahren. Da brauchen Sie anschließend kein Fitnessstudio mehr“, sagt er. Die meiste Arbeit sei aber in die Planung geflossen: Wo soll was hin? Technische Details ausarbeiten. Dem Baggerfahrer sagen, wo genau und wie tief er baggern soll. Doch die Mühe lohne sich. Schon beim Aufbau seien die ersten Kinder und Eltern vorbeigekommen und hätten sich voll Vorfreude erkundigt, wann alles fertig sein würde. Auch sonst habe er durchweg positive Rückmeldungen bekommen. „Es macht Spaß, wenn man etwas bewegen kann und direkt Resultate sieht“, sagt Burk, was erklärt, warum er sich neben seinem Controller-Job bei ABB in Mannheim ehrenamtlich engagiert. Der Rödersheim-Gronauer ist seit 2014 Erster Ortsbeigeordneter. In seiner Freizeit spielt er außerdem gern Akkordeonmusik im Verein. Seit elf Jahren musiziert er auch einmal im Monat ehrenamtlich beim Dämmerschoppen im Caritas-Altenzentrum St. Josefspflege im Ludwigshafener Stadtteil Mundenheim. „Ich spiele und die Leute singen“, erzählt er. Noch Fragen? Von der Spielplatzinitiative soll diesmal der Spielplatz Am Hag in Gronau profitieren. Die Abstimmung läuft noch bis Donnerstag, 10. August. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann das unter www.fsi.fanta.de/voting oder www.facebook.com/fantaspielspass.