Römerberg
Ukraine-Helfer rücken zusammen
Am letzten Dienstag im Januar sitzen Steffi Ackermann, Joanna Mrozik und Dawid Dymek am großen Tisch im Aufenthaltsraum des ehemaligen katholischen Gemeindezentrums in Heiligenstein. „Seit Kurzem arbeiten wir mit Dawid Dymek zusammen“, erklärt Ackermann. Bisher haben sich die Frauen auf die Betreuung von aus der Ukraine geflüchteten Frauen und Kindern in Römerberg konzentriert, während Dymek vor allem Transporte mit Hilfsgütern an die ukrainische Grenze organisiert hat. Weil die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung nachgelassen habe, wollen sie ihre Kräfte fortan bündeln.
Die erste große gemeinsame Aktion ist ein für Mitte Februar geplanter Transport von Hilfsgütern in die polnische Stadt Lancut (deutsch: Landshut). „Das Ziel unseres 40-Tonners ist das Lager einer dortigen Firma. Dort werden die Hilfsgüter abgeladen und auf andere Lkw umgeladen, die in die Ukraine zu den jeweiligen Empfängern fahren“, erklärt Dymek (25). In den ersten Wochen des Krieges hatte der gebürtige Pole, der als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen ist, mit Thomas Ulmer und weiteren Ehrenamtlichen Transporte ins Kriegsgebiet mit Neun-Sitzer-Bussen organisiert – und auf der Rückfahrt geflüchtete Menschen mitgenommen.
„Seit August und bis Dezember haben wir vom Verein ,Süd-West Sonne für die Ukraine’ knapp ein halbes Dutzend Fahrten von 40-Tonnern nach Polen organisiert“, blickt Dymek zurück. Gegründet wurde der Verein mit Sitz in Römerberg am 1. April 2022. Mitte Mai erfolgte der Eintrag ins Vereinsregister. Der 25-Jährige fungiert bei „Süd-West Sonne“ als Schatzmeister.
Während das Transport- und Logistik-Unternehmen DSV die Kosten für die bisherigen Fahrten übernommen habe, sei dies nun nicht mehr möglich. „Allerdings räumt uns DSV einen absolut günstigen Preis ein“, teilt Dymek mit. Und der Elisabethenverein Römerberg, bisher schon ein starker Unterstützer, übernehme die Transportkosten im vierstelligen Bereich.
Not ist nach wie vor groß
Steffi Ackermann (55) weiß, dass die Not vieler Menschen in der Ukraine nach wie vor groß ist: „Den Kitas und Schulen geht es inzwischen durch Hilfstransporte einigermaßen gut. Doch in vielen Krankenhäusern und Altersheimen ist die Versorgungslage miserabel“, sagt sie. Berichte darüber haben die in Römerberg in Sicherheit lebenden Frauen aus der Ukraine von Angehörigen oder Verwandten in der Heimat erzählt bekommen. Joanna Mroziks Muttersprache ist Polnisch, weshalb die 44-Jährige aufgrund der großen Ähnlichkeit auch Ukrainisch versteht. „Ich bin die Dolmetscherin für die Frauen“, sagt sie.
Mrozik ist erste Ansprechpartnerin der Geflüchteten in den nach wie vor stark belegten Unterkünften und darüber hinaus. „Meistens dienstagnachmittags und nach Bedarf helfe ich den Frauen bei ihren Fragen“, teilt sie mit. Oft geht es um behördliche Angelegenheiten, wie das Ausfüllen von Formularen. Bei inhaltlichen Fragen weiß oft Steffi Ackermann Rat. „Ich bin in Römerberg bekannt wie ein bunter Hund und sehr gut vernetzt“, erklärt sie.
Platz für 30 Paletten auf 40-Tonner
Ackermann hat Mitte Januar einen Teil des Lagers von K2 Sports in der Großen Hohl für das Abstellen von Hilfsgütern organisiert. „K2-Mitarbeiter Eric Haas hat uns unkompliziert seine Unterstützung zugesagt“, teilt sie mit. Als erste große Lieferung erwarten Ackermann und Mrozik in den nächsten Tagen 18 Paletten mit Krankenhauswäsche. Die Kleidung für Klinikpersonal und -patienten spendet nach ihren Angaben die Thermotex Nagel GmbH aus dem südbadischen Schutterwald. Das Unternehmen bietet unter anderem Wäschesortiersysteme an. Dawid Dymek hat drei Paletten Hygieneprodukte wie Duschgele und Shampoos als Spenden bekommen. Insgesamt ist in dem 40-Tonner Platz für 30 Paletten, sagt er.
Auf weiteren Paletten sollen Lebensmittel wie Reis, Nudeln und Konserven, Hygieneartikel von Vaseline bis Windeln, Stromgeneratoren, Batterien, Taschenlampen, Schlafsäcke, Decken, Kerzen und Feuerzeuge, Krankenhausbedarf und Medikamente sowie Baby- und Tiernahrung den Weg zu den Notleidenden finden, erklären Ackermann und Mrozik. Deshalb haben sie Ende Januar mit Dymek die Bevölkerung zu entsprechenden Sachspenden aufgerufen. „Unser Bürgermeister Matthias Hoffmann hatte beim Neujahrsempfang das schöne Motto ,Nur zusammen werden wir etwas bewegen’. Das hat uns zur Zusammenarbeit motiviert“, blickt Ackermann zurück. Alle drei wurden damals neben Mitstreitern für ihr Engagement von Hoffmann geehrt.
Dymek ist froh, dass sich die Kooperation mit den „Powerfrauen“, wie er sagt, ergeben hat. „Leider sind in unserem Verein nicht mehr so viele Engagierte wie in den ersten Wochen und Monaten des Krieges“, informiert der BASF-Mitarbeiter. Ackermann und Mrozik, die nicht Mitglied bei „Süd-West Sonne“ sind, seien weiter für die Geflüchteten da und unterstützten darüber hinaus Hilfstransporte durchs Spendensammeln. Der Verein habe den Kontakt zum Logistiker DSV, sammle Spenden und könne Spendenquittungen ausstellen.
Rückmeldungen aus Ukraine motivieren
Motivierend für die ehrenamtlichen Helfer sind nicht zuletzt die Nachrichten aus der Ukraine, dass die gespendeten Güter angekommen sind. „Über WhatsApp habe ich Fotos und Videos dazu bekommen. Aus Kliniken und Seniorenheimen, aber auch von Privatpersonen“, teilt Mrozik mit. Hinzu kommt die Dankbarkeit der Geflüchteten. Wie von Anna Fiodotova, die am letzten Januar-Dienstag die „Sprechstunde“ der 44-Jährigen aufgesucht hat. Stolz zeigt sie, die mit ihrer Familie in der Region wohnt, einen Bericht über ihren Sohn Artem in der RHEINPFALZ. Er war bei einem Fechtturnier für den TSV Speyer erfolgreich.
Spenden
Sachspenden für die Ukraine-Hilfe können noch am 6., 8. und 10. Februar, jeweils von 14 bis 15.30 Uhr in der Großen Hohl in Berghausen an Tor H des Lagers von K2 abgegeben werden. Geldspenden an den Verein „Süd-West Sonne für die Ukraine“: Volksbank Kur- und Rheinpfalz, IBAN DE57 5479 0000 0001 6772 68. Kontakt: Steffi Ackermann, Telefon 0151 22959823, Joanna Mrozik, Telefon 0177 5901199.