Dudenhofen / Hanhofen
Traumzeit-Varieté: Künstler-Paar plant Wiederholung
Der Moment, als Melanie und Felix Lehmann bewusst wurde, dass sie mit dem Traumzeit-Varieté Geld verdienen, löste ein absolutes Glücksgefühl bei dem jungen Ehepaar aus Hanhofen aus. Über Monate haben sie unzählige Stunden viel Kraft in ihr Projekt gesteckt, sind ein finanzielles Risiko eingegangen und haben die Festhalle in Dudenhofen in eine winterliche Kulisse verwandelt. „Es war ein lustiges Experiment, das uns in die Insolvenz hätte treiben können“, sagt Felix Lehmann.
Von Anfang November bis Anfang Januar traten in der Festhalle nationale und internationale Künstler auf und verzauberten Besucher von nah und fern. Serviert wurde ein Vier-Gänge-Menü in Sterne-Qualität. Melanie Lehmann kann sich noch an ein Paar erinnern, das extra aus Bulgarien angereist war, um in seinem ehemaligen Heimatort die Varieté-Show zu verfolgen. „Sie konnten nicht glauben, dass so etwas in Dudenhofen stattfindet“, sagt die 31-jährige Künstlerin und lacht.
Melanie Lehmann war als Artistin unter dem Namen Mel Aerial, ihr Mann als Zauberer Felix van Mel auf der ganzen Welt unterwegs. Mit dem Traumzeit-Varieté in Dudenhofen kehrten sie zurück in ihre Heimat und verwirklichten dort ihren Traum von einer eigenen Show, bei der alles in ihren Händen liegt – von der Planung über die Gestaltung der Halle und der Kostüme bis hin zum Ticketverkauf.
Mit Anfragen überhäuft
Zwei Wochen, nachdem der letzte Vorhang gefallen ist, sitzen Melanie und Felix Lehmann in ihrer Wohnung in Hanhofen zwischen zahlreichen Utensilien und wirken geschafft, aber glücklich. Felix Lehmann freut sich, dass er und seine Frau ihren Plan in die Tat umsetzen konnten und die Festhalle so aussah, wie sie es sich vorgestellt haben. Melanie Lehmann betont, dass dies nur mit Hilfe von Freunden, Familienmitgliedern, Bekannten und den Künstlern möglich war: „Wir waren ein schöner chaotischer Haufen“, sagt die Hanhofenerin.
Beim Blick zurück müssen die beiden oft lachen. „Ich habe die Büroarbeit echt unterschätzt“, sagt die Artistin. Zu Beginn habe sie die vereinzelten Ticketanfragen noch allein bearbeiten und die Eintrittskarten sogar persönlich ausfahren können. „In den ersten zwei Wochen war die Nachfrage verhalten, aber dann kam die Mund-zu-Mund-Propaganda und unser Büro ist explodiert“, erinnert sich Felix Lehmann. 80 Telefonanrufe und 70 bis 200 Ticketanfragen pro Tag seien es gewesen. „Das Telefon war unser Endgegner“, sagt Melanie Lehmann und berichtet, wie das Gerät nicht mehr aufhörte zu klingeln.
Zur Entlastung hat das Künstler-Ehepaar einen Mitarbeiter eingestellt, der sich künftig um die Ticketabwicklung und die Vermarktung in den sozialen Medien kümmern wird. Denn Melanie und Felix Lehmann sowie ihr Team sind schon wieder fleißig am Planen für das nächste Varieté. Die Shows unter einem neuen Motto und mit neuen Künstlern sollen in diesem Jahr im November beginnen. Die Festhalle sei schon angefragt, der Ortsgemeinderat müsse noch sein Okay geben. Der Koch plane bereits ein Menü, der künstlerische Leiter entwickele Themenideen und die Künstler seien schon ausgedeutet, sagt Felix Lehmann. „Es läuft alles. Jeder weiß, was zu tun ist“, ergänzt seine Frau.
Nächsten Aufträge warten schon
Trotz der Strapazen in den vergangenen Monaten gönnen sich die beiden Hanhofener keine Pause. Melanie Lehmann ist demnächst in Südwest-Deutschland auf Gala-Tour mit der Volksbank, Felix Lehmann hat zahlreiche Aufträge als Kulissenbauer – ein Standbein, das er während der Pandemie aufgebaut hat. Vor Kurzem hat er eine 350 Quadratmeter große Lagerhalle in Rülzheim gemietet, in der er auch eine Werkstatt einrichten möchte. Das erspart dem Paar Zeit, die es brauchte, als es zwischen den verschiedenen Lagerplätzen hin und her pendeln musste.
Den Hanhofenern hat die Verwirklichung ihres Traums und der Erfolg Aufwind gegeben. Woher kam der Mut, wie haben sie durchgehalten? Melanie Lehmann nennt zwei Aspekte: „Humor und dass wir als Paar eine Einheit bilden, uns perfekt ergänzen“, sagt sie. Ihren Mann treibt es an, wenn Menschen an seinen Ideen zweifeln. „Seit jeher will ich es solchen Leuten beweisen und zeigen, dass ich es doch kann“, sagt der 32-Jährige. Das ist ihm und seiner Frau mit dem Traumzeit-Varieté gelungen.