Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Traditionsreiches Gasthaus: Im Adler hat sich ein Trio gefunden, das sich ergänzt

Im Hintergrund soll das Gebäude mit sechs Wohnungen entstehen: (von links) Bauunternehmer Berthold Heberger, „Zum Adler“-Wirt Be
Im Hintergrund soll das Gebäude mit sechs Wohnungen entstehen: (von links) Bauunternehmer Berthold Heberger, »Zum Adler«-Wirt Ben Fradj und Koch José Monteiro.

Es ist mehr als zwei Jahre her, da hat sich Bauunternehmer Berthold Heberger in das Gasthaus „Zum Adler“ verliebt und es gekauft. Bald entsteht dort etwas Neues.

Berthold Heberger hat seine Investition keinen Tag bereut. Der mittlerweile 86 Jahre alte Bauunternehmer aus Schifferstadt sitzt im Gastraum seines Restaurants „Zum Adler“ in Dudenhofen. Er hat das altehrwürdige Gebäude mit 1400 Quadratmeter Grundstück vor etwas mehr als zwei Jahren gekauft, nachdem das Wirtsehepaar Kerstin und Bernhard Paul nach fast 25 Jahren im Adler kürzertreten und das Gasthaus verkaufen wollte. Heberger war dem Charme des Fachwerkhauses in der Speyerer Straße sofort erlegen. Das Gebäude wurde gemäß der Ortschronik erstmals 1725 in einer Kaufurkunde erwähnt und ist somit 300 Jahre alt. Der Bauunternehmer, dessen Firma weltweit tätig ist, mehr als 1000 Immobilien besitzt und rund 1300 Mitarbeitende beschäftigt, wusste sofort: „Das Haus ist erhaltenswert, damit kann man noch etwas anfangen.“

Heberger sprach bei Dudenhofens Ortsbürgermeister Jürgen Hook (SPD) vor, dem daran gelegen war, dass es dort weiterhin ein Gastronomie-Angebot gibt. Denn in dieser Zeit, es war während der Corona-Pandemie, hatten mehrere Gastronomen in Dudenhofen ihr Geschäft aufgegeben. Heberger erfüllte Hook diesen Wunsch. Auf Hinweis seiner Frau sprach er Ben Fradj an, dessen Pachtvertrag beim Mutterstadter Tennisclub auslief. Fradj sagte zu und führt seitdem das „Gasthaus zum Adler by Ben & Joey“.

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Die Chemie stimmt: „Ich bin happy mit dieser Besetzung“, sagt Berthold Heberger, der fast schon ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Geschäftspartner pflegt. Er ist von dessen Qualitäten überzeugt: „Ben hat Gastro als Manager gelernt. Er hat unter anderem den Deidesheimer Hof lange Zeit als Angestellter geführt“, sagt Heberger. Ebenso schwärmt er von Küchenmeister José Monteiro, der in Sterne-Restaurants gearbeitet habe. „Er ist als Koch ein Künstler“, sagt Heberger.

Zusätzliche Muskelkraft in der Spargelzeit

Das Restaurant läuft dem Wirt zufolge gut. 80 Prozent der Besucher seien Stammgäste, es kämen aber auch immer wieder neue Besucher. Fradjs und Monteiros Credo: „Die Qualität bei Speisen und im Service muss stimmen. Mit Quantität wird man nicht erfolgreich“, sagt Fradj, der gemeinsam mit seinem Meisterkoch „gutbürgerliche Küche, nichts Verrücktes“ anbieten will. Es gibt eine Stammspeisekarte sowie eine wöchentlich wechselnde Karte mit Mittagstisch für 12,90 Euro. In der Spargelzeit bieten sie zusätzlich verschiedene Spargelgerichte an – alles selbst zubereitet, bis hin zur Sauce Hollandaise. „Das gibt Muskelkraft“, sagt Ben Fradj angesichts der Kraft, die es zum Rühren braucht, um die Sauce cremig zu machen.

Die beiden Männer – Monteiro kommt ursprünglich aus Angola, Fradj aus Tunesien – lachen. Sie gehen in ihren Berufen auf. „Wir sind dafür geboren“, sagen der Wirt und sein Koch. Ben Fradj findet es schade, dass immer weniger Menschen diese Berufe lernen möchten. „Wenn man seinen Beruf liebt und mit Leidenschaft ausführt, macht er auch Freude und man ist erfolgreich“, sagt Berthold Heberger und spricht damit auch für sich. Seine beiden Geschäftsfreunde zollen ihrem Förderer großen Respekt: „Wenn ich sehe, was er mit 86 Jahren leistet, kann ich nur den Hut ziehen. Wir sind gerne in seiner Gesellschaft. Wenn er ein paar Tage mal nicht kommt, rufe ich ihn an und frage: ,Wo bist du’“, sagt der 48-jährige Fradj über Berthold Heberger und schmunzelt.

Heberger: Höchste Qualität ist wichtig

Der Bauunternehmer weiß das Gemeinschaftsgefühl, das ihm auch in seiner Firma wichtig ist, zu schätzen. Es möchte, dass es seinem Wirt und seinem Koch sowie den Gästen an nichts mangelt. Geld spielt keine Rolle. „Ich bin nicht geizig. Wenn etwas kaputt ist, wird es nicht repariert, sondern erneuert“, sagt Heberger und berichtet von der Markise im Biergarten, die die bis zu 100 Gäste vor Regen und hauptsächlich der Sonne schützen soll. Ben Fradj schlug vor, sie zu reparieren. Berthold Heberger sagte: „Nein, da kommt eine neue hin.“ Ihm ist wichtig, dass er die Anliegen seiner Pächter gleich in höchster Qualität erledigt.

Als nächstes plant Berthold Heberger, auf dem Grundstück ein Gebäude mit sechs Wohnungen mit jeweils bis zu 100 Quadratmeter Fläche zu errichten. Die Idee gibt es, seit er das Gelände gekauft hat. Ein Einspruch habe den Projektbeginn verzögert. Nun liegen alle Genehmigungen vor. Anstelle der Kegelbahn sollen Stellplätze für Fahrzeuge entstehen. Die Mauer bleibe auf Wunsch der Nachbarn erhalten. Die Bauarbeiten sollen Heberger zufolge noch dieses Jahr beginnen. Er rechnet mit einer Bauzeit von einem Jahr. „Es wird ein Projekt, das sich unheimlich gut in die Umgebung einfügt und als Ensemble in Verbindung mit dem alten Haus wunderschön werden wird“, sagt der Bauunternehmer. Er schätzt die Baukosten auf „ein paar Millionen Euro“. Das Gebäude soll im Eigentum der Familie Heberger bleiben. Zwei potenzielle Mieter hat er schon gefunden: Ben Fradj und José Monteiro haben Interesse dort zu wohnen. Sie verkürzen damit ihren Weg zur Arbeit im Adler, in dem sie ihre berufliche Heimat gefunden haben.

Sind mit dem Geschäft zufrieden: Berthold Heberger, Wirt Ben Fradj und Koch José Monteiro im Gastraum des Restaurants „Zum Adler
Sind mit dem Geschäft zufrieden: Berthold Heberger, Wirt Ben Fradj und Koch José Monteiro im Gastraum des Restaurants »Zum Adler«.
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