Waldsee
Tiefengeothermie: Ruf nach mehr Transparenz
Die große Lagerhalle war voll besetzt mit Bürgern, die das Thema Tiefengeothermie gerne ganzheitlich beleuchtet hätten. Nicht nur das Positive wollen sie hören, sondern auch die Gefahren aufgezeigt bekommen. „Von der Gemeinde waren die Infos spärlich“, kritisiert Tamas (40), was die meisten Anwesenden im Austausch untereinander ansprechen.
„Wir sind nicht im Allgemeinen dagegen, aber es muss überlegt werden, was Sinn macht, und alle müssen mitgenommen werden“, merkt Carolin (34) an. Das hat sie im bisherigen Planungsprozess vermisst. Aus eigener Erfahrung weiß sie: „Als Anwohner in unmittelbarer Nähe des Bohrgebietes hat man Angst um die Lebensqualität und die eigene Immobilie.“
Bericht eines Betroffenen bestätigt Befürchtungen
Marco (30) ergänzt: „Wir liegen außerdem in einem Naherholungsgebiet östlich des Wolfgangsees. Da ist ein Naturschutzgebiet, da ist ein Trinkwasserschutzgebiet.“ Gehe bei der Bohrung etwas schief, litten die Anwohner darunter, bekräftigt Tamas. Welche Risiken eine Bohrung birgt, ist an Schautafeln ausgeführt: Erdbebengefahr, Lärm, ungewisse Langzeitfolgen, lauten einige Schlagworte.
Bestätigt in ihren Bedenken sehen sich die Anwesenden bei der Info-Veranstaltung von den eingeladenen Rednern. Insbesondere die Schilderungen eines Betroffenen aus Schwetzingen werden konzentriert verfolgt. Er spricht von Schäden an seinem Haus und Problemen mit der Schadensregulierung.
Kein Schönreden, sondern einen Faktencheck
Auf Waldsee angepasst sein sollten die Entscheidungen, fordert Carolin. Das entspricht auch der Einstellung von Rainer (55). Auf den Info-Tag der BI hat er sich mit drei Planskizzen in Din A4 vorbereitet. Er deutet auf einen roten Kreis im Gebiet Waldsee: „Den Bürgern wird ein bestimmter Standort vorgegeben. Dort, wo man in 3500 Metern auf Buntsandstein und 150 Grad heißes Wasser stößt“, merkt er an. Gut 10.000 Menschen lebten im seismologischen Gebiet bei den Bohrungen. „Dabei trifft man im Südwesten auch auf Buntsandstein in 3500 Metern“, sagt Rainer. Nördlich der Ganerb in der Gemarkung Dudenhofen hat der Waldseer ein solches Gebiet entdeckt, in dem kaum Wohnfläche zu finden ist. „Man muss auch nicht die Praline anschneiden“, meint er und führt aus: „Es wird gesagt, Tiefengeothermie funktioniert überall – das sollte man zeigen.“
Kein Schönreden, sondern einen Faktencheck wollen die Kritiker, die sich am Samstag versammelt haben. Das vermitteln sie auch Verbandsbürgermeister Patrick Fassott (SPD) und Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) persönlich. Beide suchen das Gespräch. Am Ende der Veranstaltung spricht BI-Sprecherin Stefanie Reiland zusammenfassend von einem offenen Diskurs sowie einer friedlichen und sachlichen Diskussion.
Hinweis
In einer vorherigen Version des Textes hieß es, dass der Standort für die Bohrungen zur Gewinnung von Tiefengeothermie politisch in einer nicht-öffentlichen Sitzung beschlossen wurde. Das ist falsch. Der Waldseer Ortsgemeinderat hat in der nicht-öffentlichen Sitzung am 26. Juni explizit nicht den Standort für das Tiefengeothermie-Projekt beschlossen, sondern nur einen positiven Grundsatzbeschluss gefasst, das Tiefengeothermie-Vorhaben der Geopfalz positiv zu begleiten. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.