Maxdorf / Mutterstadt
Telefonbetrüger: „Skrupelloser geht nicht“
Plötzlich ist da diese WhatsApp-Nachricht. „3 Mal raten papa, wer hat immer am meisten Pech? Ich.“ Unverfänglich, ein Tippfehler hier, nicht ganz korrekte Grammatik da, wie man halt so schreibt, wenn man auf die Schnelle mit den Eltern kommuniziert. Das Smartphone sei heruntergefallen, das Display zerstört, deshalb nutze er jetzt ein altes Telefon und sei schlecht zu erreichen, erzählt der Sohn – und Wolfgang Magin zuckt nur kurz, denkt sich aber nichts weiter. Der 79-jährige Mutterstadter antwortet, schreibt über Ostergeschenke „für die Kleinen“. Dass er sich nicht seinem Sohn austauscht, sondern mit einem Betrüger, ahnt er nicht. Die Falle ist zugeschnappt. „Dass ich mal auf so etwas hereinfallen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen“, sagt Magin, „ich bin kein Leichtgläubiger, aber ganz klar davon ausgegangen, dass es stimmt.“
„Alte“ Namen?
Vielleicht hätte er den Betrug noch bemerkt, wenn sein Sohn ans Telefon gegangen wäre, wahrscheinlich sogar. Aber er war in einer Besprechung und tatsächlich nicht erreichbar. „Und seinen Kindern will man doch auf jeden Fall helfen“, sagt Magin. Also fuhr er zur Bank und tätigte die Überweisung, um die ihn sein Sohn bat, schließlich schrieb dieser ihm, dass er an jenem Tag vor 13.30 Uhr noch zwei Rechnungen begleichen müsse, dies aber wegen des kaputten Telefons nicht tun könne. Insgesamt geht es um 4500 Euro, doch Magin merkt, dass er höchstens 2000 Euro transferieren kann. Der „Sohn“ lenkt ein und bittet, wenigstens die erste Überweisung zu tätigen, übermittelt die Kontodaten eines gewissen „Moise Bryan“ und Magin schickt 1950 Euro auf den Weg. „Ich fahre jetzt nach Hause und halte Siesta. Danach geht’s in die Palliativstation!“, schreibt Magin, im Glauben, seinen Sohn in einer kritischen Situation unterstützt haben zu können. Der Senior ist fit, arbeitet ehrenamtlich im Krankenhaus – und ist dennoch auf die Masche hereingefallen. „Man liest davon immer wieder in der Zeitung“, sagt er, „und trotzdem ist es passiert.“ Wenn er die Geschichte erzählt, ist er noch immer aufgeregt.
Das Problem ist nicht neu, es existiert seit Jahren. „Jede Woche haben wir mehrere Menschen, die uns von Betrügereien berichten“, sagt Ute Henn, Polizistin auf der Maxdorfer Wache. Sie schätzt, dass die Dunkelziffer noch deutlich höher ist, gerade unter denen, die tatsächlich Geld verloren haben. „Viele scheuen sich, bei der Polizei anzurufen“, sagt Henn, „oder schämen sich, weil sie auf einen Betrugsversuch hereingefallen sind.“ Immer wieder weist die Polizei auf die Maschen hin, wiederholt gebetsmühlenartig: „Wir würden nie am Telefon nach sensiblen Daten fragen“, sagt Henn, „Prävention und Aufklärung sind unheimlich wichtig.“
Am Mittwoch, 4. Mai, veranstaltet die Maxdorfer Polizei daher ein Bürgerforum im Dorfgemeinschaftshaus in Birkenheide. Experten informieren über die Machenschaften, geben viele Beispiele, stehen für Fragen zur Verfügung. Manchmal reichen schon kleine Tipps, die relativ schnell umsetzbar sind, um Schaden abzuwenden. „Raus aus dem Telefonbuch“, sagt Henn. „Senioren stehen oft im Telefonbuch.“ Und Betrüger erkennen das am Namen. Roswitha, Gerlinde, Hartmut, Ernst, Agnes. Oder auch Wolfgang, den es per WhatsApp erwischt hat.
Glück im Unglück?
Falsche Polizisten, falsche Mitarbeiter von Microsoft, vermeintliche Enkel oder andere Verwandte, die um Geld bitten oder eine plötzliche Erbschaft – die Maschen werden immer ausgeklügelter, sagt Polizistin Henn. Es sind regelrechte Theaterstücke mit mehreren Rollen, die die Betrüger am Telefon aufführen. Ein neuer Trend sind laut Polizei sogenannte Schockanrufe, bei denen die Anrufer schwere Unfälle oder beispielsweise auch Corona-Erkrankungen von nahen Angehörigen vorgaukeln. Für Medikamente oder Operationen würde die Krankenversicherung nicht aufkommen, stattdessen sollten die Angerufenen dafür aufkommen – und Geld überweisen.
Alle Maschen haben das gleiche Ziel: Die Betrüger wollen an Kontodaten, sie wollen Zugriff auf den Computer, sie wollen Überweisungen erzwingen, „Skrupelloser geht es nicht“, sagt Magin, „diese Gauner.“ Als er auf dem Rückweg von der Bank war, rief ihn sein richtiger Sohn an und verdeutlichte ihm, dass er einem Betrüger aufgesessen sei. Magin informierte die Polizei und die Bank, doch beide machten ihm wenig Hoffnung, sein Geld noch einmal zu sehen. Der Bankangestellte veranlasste allerdings sofort einen Überweisungsrückruf, wenn auch nur mit geringer Aussicht auf Erfolg. Doch wie sich zeigte, lagen die 1950 Euro noch auf jenem Konto, waren noch nicht weitertransferiert und konnten daher zurückgebucht werden. „Nur, weil wir schnell gehandelt haben“, sagt Magin. Glück im Unglück also? „Ich weiß nicht“, sagt der 79-Jährige, der es sich nun zur Aufgabe gemacht hat, andere vor diesen dubiosen Machenschaften zu warnen. „Es ist eine Erfahrung, die ich keinem wünsche“, sagt er.
Termin
Bürgerforum der Polizei Maxdorf zum Thema Betrug, Mittwoch, 4. Mai, 18 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus Birkenheide, mit Tipps, Vorträgen und Diskussion zu aktuellen Betrugsmaschen. Interessierte können sich mit dem Bürgerbus zur Veranstaltung fahren lassen, Anmeldung bis 3. Mai, 14 Uhr, unter 0176 78531844.