Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Sumpfschildkröte: Ansiedlung am Silbersee erfolgreich

Die Europäische Sumpfschildkröte fühlt sich am Silbersee in Bobenheim-Roxheim wohl.
Die Europäische Sumpfschildkröte fühlt sich am Silbersee in Bobenheim-Roxheim wohl.

20 Jahre lang galt die Europäische Sumpfschildkröte (Emys Orbicularis) hierzulande als ausgestorben. Der Nabu-Ortsgruppe Heidewald (Verbandsgemeinde Maxdorf) ist ihre Wiederansiedlung in Bobenheim-Roxheim gelungen. Wieso man für das Projekt einen langen Atem braucht, berichtet Nabu-Experte Walter Gramlich.

„Die Wiederansiedlung der Europäischen Sumpfschildkröte ist unser Leuchtturmprojekt“, berichtet Walter Gramlich stolz. Der Rentner aus Birkenheide war lange Jahre Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Heidewald, hält selbst Sumpfschildkröten im heimischen Garten und begann 2005 mit dem Nabu über eine Auswilderung der Tiere nachzudenken.

Bei der Suche nach dem idealen Lebensraum für die Schildkröten sei man in Bobenheim-Roxheim schnell fündig geworden, sagt der Experte, denn in der Altrheingemeinde biete der Gewässerpark rund um den Silbersee mit 20 Stillgewässern und 700 Hektar Wasserfläche einen einzigartigen Biotopverbund. „Das Zusammentreffen von Kultur- und Naturgewässern mit Gräben, Deichen, Feucht- und Trockenbiotopen macht den Reiz für Mensch und Tier aus“, stellt Gramlich fest. Beste Voraussetzungen also für eine Wiederansiedlung. So wurden im Jahr 2008 die ersten 20 Tiere ausgewildert, die damals alle zwischen drei und fünf Jahre alt waren. Um dauerhaft eine Population aufzubauen, kamen in den Folgejahren weitere 135 Sumpfschildkröten in allen Altersstufen dazu. „Eine Wiederansiedlung macht nur Sinn, wenn sich eine Population selbst am Leben erhalten kann“, erklärt der Experte.

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Eine ausgestorbene Art wie die „Emys“ in ihrem angestammten Lebensraum neu anzusiedeln, erfordere Fingerspitzengefühl und einen langen Atem, betont Gramlich. „Es ist ein Generationenprojekt, ähnlich der Wiederansiedlung des Weißstorchs im Elsass und der Südpfalz.“ Der Erfolg hänge von der Überlebensquote ab. In der Natur hat die Sumpfschildkröte viele Feinde, darunter große Vögel wie der Storch, Kormorane, Graureiher und Krähen, aber auch Raubfische, Füchse, Steinmarder und Waschbären – die ebenfalls in Bobenheim-Roxheim leben.

Besonders gefährlich ist für die Sumpfschildkröte die Zeit während der Eiablage im Hochsommer. Zwischen Mai und Juli gräbt das Tier an Land an geeigneter Stelle eine Grube. Gelegebau und Eiablage dauern mehrere Stunden. Der nach Süden ausgerichtete Deich biete sich hier an, denn durch Sonneneinstrahlung werden die Eier ausgebrütet. Und um ins rettende Wasser zu gelangen, müssen die frischgeschlüpften Jungtiere dann zwischen 20 bis 300 Meter an Land zurücklegen.

Doch obwohl die wenigsten Jungtiere überleben, ist das Wiederansiedlungsprojekt laut Gramlich erfolgreich. Er schätze, dass 20 bis 40 Prozent der ausgewilderten Tiere noch leben. Weitere Jungtiere, die ausgewildert werden, erhalte man von ausgewählten rheinland-pfälzischen Züchtern, und seit 2008 ist das Sea Life in Speyer als Kooperationspartner mit dabei. Dort werden die Eier in Inkubatoren ausgebrütet und die Jungtiere nach ungefähr drei bis fünf Jahren, wenn sie eine Panzerlänge von zehn Zentimetern und ein Gewicht von 300 Gramm erreicht haben, zum Auswildern an den Nabu abgegeben.

Kiesabbau schafft neue Lebensräume

Tiere bei der Eiablage und Jungtiere werden auch in Bobenheim-Roxheim seit Jahren beobachtet und von aufmerksamen Bürgern gemeldet. Gemeinsam mit Vertretern des örtlichen Naturschutz- und Heimatvereins – und ohne großes Budget – hat der Nabu vor Ort in 13 Jahren ehrenamtliche Strukturen aufgebaut, die das Projekt begleiten und per Monitoring dokumentieren. Gramlich kennt die versteckten Plätze der Sumpfschildkröten und geht selbst zwei- bis dreimal im Jahr auf Beobachtungstour.

Der Nabu-Experte merkt an, dass auch menschliche Kultureinflüsse zur Artenvielfalt beitragen. Da wäre zum Beispiel die Kiesausbeute, bei der durch das Baggern Rohböden und Magerflächen entstehen, die attraktiv für wärmeliebenden Insekten und Reptilien sind. Die Baggerlöcher entwickeln sich im Laufe der Jahre zu eigenständigen Naturgewässern, die sich als Lebensraum für verschiedene Tierarten eignen. Die Wiederansiedlung der Emys Orbicularis in Bobenheim-Roxheim zeige, dass Naturschutz, Naherholung und Wassersport in der Altrheingemeinde miteinander kombinierbar seien, meint Gramlich.

Walter Gramlich geht selbst mehrmals pro Jahr auf Beobachtungstour am Altrhein.
Walter Gramlich geht selbst mehrmals pro Jahr auf Beobachtungstour am Altrhein.
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