SPEYERER UMLAND
Strom: Warum Freileitungen manchmal bleiben müssen
Seit den 1970er Jahren sind die Stromversorger zunehmend dazu übergegangen, Leitungen mit niedriger Spannung innerhalb der Ortschaften unter die Erde zu verlegen. Wo genau es in den Orten im Speyerer Umland noch Freileitungen gibt? Stromversorger Pfalzwerke hält sich bei dieser Frage bedeckt. „Eine zusammenhängende Gesamtübersicht über die Oberleitungen dürfen wir aus Gründen der Netzsicherheit nicht herausgeben“, erklärt Pressereferent Sven Claus. Eine Straße, in der es immer noch Freileitungen gibt, ist die Viehtriftstraße in Römerberg. Dabei könnten die Dachständer dort eigentlich längst abgebaut sein. „Römerberg ist inzwischen komplett verkabelt“, sagt Claus. Überall liegen also Stromkabel in der Erde, aber die Freileitungen sind noch nicht überall abgebaut. Auf Erdkabel umgestellt und ohne Dachständer – das treffe in Mechtersheim und Heiligenstein auf circa 70 Prozent, in Berghausen auf circa 80 Prozent der Haushalte zu, berichtet der Unternehmenssprecher. In den anderen Orten im Umland, für die die Pfalzwerke zuständig sind, ist der Stand ähnlich. In Hanhofen sind es rund 60 Prozent der Haushalte, in Harthausen circa 80 Prozent.
Hausbesitzer reagieren nicht
In manchen Fällen – die Viehtriftstraße ist einer davon – kann der Abbau der für die Hausbesitzer oft lästigen Dachständer allerdings nicht erfolgen. Und das, obwohl die Kabel in der Erde längst genutzt werden.
„Es ist leider richtig, dass vor allem bei längeren Straßenzügen, durch eine verhinderte Umstellung von einzelnen Haushalten, die Leitung im kompletten Straßenzug nicht abgebaut werden kann“, erläutert Claus auf RHEINPFALZ-Anfrage. Im Klartext: Die Hauseigentümer seien nach Verlegung der Erdkabel und Installation eines neuen Hausanschlusskastens aufgefordert worden, eine Verbindungsleitung zum bestehenden Zählerplatz von einem Elektroinstallateur vornehmen zu lassen. „Dieser Aufforderung sind die Hauseigentümer zu einem Großteil schon nachgekommen, aber eben nicht alle.“
In betroffenen Straßenzügen gebe es tatsächlich zwei parallele Stromnetze – für jene Anwohner, die der Aufforderung zur Umstellung nachgekommen sind, über Erdkabel, für die anderen über die Freileitung. Eine Demontage des Freileitungsnetzes könne nicht erfolgen, denn die Stromleitung abzuklemmen und die nicht umgestellten Haushalte somit unversorgt zu lassen, wäre rechtlich gesehen heikel für den Energieversorger. „Dies ist ein juristischer Graubereich“, sagt Claus. „Bislang sind wir mit Abschaltungen immer sehr behutsam umgegangen, da wir ja auch einen Versorgungsauftrag haben und die Umbaukosten der Hausinstallation – meistens ein paar hundert Euro – möglicherweise nicht von jedem Hausbesitzer direkt getätigt werden können, sobald er unsere Nachricht erhalten hat.“ Darum gäben die Pfalzwerke mindestens zwei Jahre Zeit für die Umstellung. „Trotzdem erreichen wir dann meistens noch keine 100 Prozent und es ist verständlicherweise für andere Häuserbesitzer ein Ärgernis, wenn ein geplanter Dachausbau oder eine neue Aufdachdämmung noch nicht begonnen werden kann“, berichtet der Pressesprecher.
Vorteile bei beiden Systemen
Generell verlegen die Stromversorger meistens dann Erdkabel, wenn sich dies aufgrund anderer infrastruktureller Arbeiten in den betroffenen Gebieten ohnehin anbietet: „Wir versuchen, bei der Umstellung hauptsächlich Synergien im Zuge des Straßenausbaus zu nutzen“, sagt Pressereferent Claus. Dennoch haben sowohl Freileitungen, als auch die Erdverkabelung Vorteile. Bei oberirdischen Leitungen könnten Fehler schneller lokalisiert und behoben werden. Bei Erdkabeln sei hingegen ein höherer Leistungsbezug möglich. Und es müsse kein Dachständerrohr durch den Dachstuhl geführt werden, das unnötig Platz in der Wohnung wegnimmt.