Schwegenheim / Otterstadt
Still ruht der Erdöl-Bohrplatz
Von September bis November 2019 haben die Firmen Neptune Energy und Palatina Geocon mithilfe einer Bohrung nach Erdöl gesucht. Als das Konsortium in einer Tiefe von 2345 Metern fündig wurde, schlossen sich auf dem etwa 5400 Quadratmeter großen asphaltieren Platz umfangreiche Fördertests an. Damals konnte nach Angaben von Neptune-Sprecherin Sandra Arndt ein Erdöl-Zufluss aus verschiedenen geologischen Schichten nachgewiesen werden. Die exakte Menge wollte die Firmensprecherin auf Nachfrage nicht nennen. Zwischenzeitlich kam es bei einem Fördertest zu Verzögerungen, weil ein Messgerät im Bohrloch feststeckte und zur Bergung spezielle Ausrüstung angefordert werden musste.
Kritik an Erdöl-Projekten
Erdöl-Bohrungen in der Pfalz stehen mittlerweile massiv in der Kritik. Parteien, Naturschutzverbände und Interessengemeinschaften wie in Otterstadt, wo das Konsortium in rund 450 Meter Entfernung zur Wohnbebauung ein solches Projekt plant, sowie im südpfälzischen Offenbach haben in den vergangenen Jahren bei der Landesregierung vehement gegen die Pläne protestiert. Auch in Speyer, wo der fossile Rohstoff seit 2008 gefördert wird, wehren sich Bürger dagegen. Sie argumentieren, dass sie eine gesunde Umgebung und Natur durch saubere Luft, Wasser und Böden sichergestellt haben wollen. Im Otterstadter Fall fürchten die Bürger auch, dass Immobilien an Wert verlieren und das einzig mögliche Neubaugebiet nahe des Friedhofs durch die „Erdölindustrie“ entwertet werde. Die Gegner fragen sich auch, ob es in Zeiten des Klimawandels und der Mobilitätswende – weg vom Verbrennungs- hin zum Elektromotor – verhältnismäßig ist, für vergleichsweise geringe Mengen in der Pfalz nach Erdöl zu bohren und dadurch in die Landschaft einzugreifen. Das Erdöl-Konsortium hält dagegen, dass es für die CO2-Bilanz besser und verantwortungsvoller sei, den Rohstoff „unter höchsten Umwelt- und Sicherheitsstandards“ heimisch zu fördern. Zudem verweist Sandra Arndt darauf, dass Erdöl ein wichtiger Rohstoff für viele Produkte im Alltag wie auch für die Energiewende sei. Windräder, Photovoltaikanlagen und E-Autos seien ohne den Rohstoff Erdöl nicht denkbar, so die Firmensprecherin.
In Schwegenheim, wo die Erdöl-Probebohrung in einiger Entfernung zur Ortslage abgeteuft wurde, blieb der Protest aus. Seit geraumer Zeit liegt der Bohrplatz allerdings verlassen da. Das hat jedoch nichts mit der derzeitigen Stimmung zu tun, sondern damit, dass das Konsortium immer noch nicht zum Schluss gekommen ist, ob sich der Rohstoff dort wirtschaftlich fördern lässt. Das werde momentan noch intern bewertet, sagt Neptune-Sprecherin Sandra Arndt. Wann mit einer Entscheidung gerechnet werden darf, kann sie nicht sagen. „Es wäre unseriös, einen Zeitplan zu nennen“, sagt Arndt und verweist darauf, dass das Konsortium viele weitere Projekte verantworte.
Warten auf Zulassung
Ihr zufolge ist die Bohrstelle zwischen Schwegenheim und Harthausen sicher verschlossen. Sobald eine interne Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen wurde, können nächste Schritte geplant werden. Eine Förderung müsste dann – wie die vorangegangene Erdöl-Suche und die Testförderung – vom Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) in Mainz genehmigt werden. Dort ist auch noch das Verfahren für die Probebohrung nahe Otterstadt anhängig. Erst wenn das LGB den Hauptbetriebsplan für das dortige Projekt zugelassen hat, können auch dafür weitere Schritte geplant werden. Laut Arndt hat das LGB auch gegenüber dem Konsortium keinen Zeitpunkt genannt, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist.