Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Stierkäfer, Igel und Kiebitz brauchen Platz zum Überleben

Informativ: Willi Aures zeigt Überwinterungsplätze von Insekten.
Informativ: Willi Aures zeigt Überwinterungsplätze von Insekten.

Auf den Spuren der heimischen Arten: Rund 70 Teilnehmer gehen bei einer Wanderung des Natur- und Vogelschutzvereins in Dudenhofen mit in den Ganerb.

In einer traumhaft schönen Winterlandschaft haben Mitglieder und Gäste des Natur- und Vogelschutzvereins (NVV) Dudenhofen am Sonntag eine Neujahrswanderung gemacht. Wer Spuren von Tieren zu deuten weiß und ihren Lebenszyklus kennt, der findet fast auf Schritt und Tritt Anzeichen verborgener Wald- und Wiesenbewohner.

Ungefähr 70 Interessierte aus Dudenhofen und Umgebung versammelten sich am Sonntag für die Winterwanderung am Waldgasthof Ganerb. Nach wenigen Schritten gelangte die Gruppe zu einem Graben, der durch das Ganerb genannte Offenland führt. NVV-Vorsitzende Christiane Brell sagte, dass das Gebiet in früheren Jahrhunderten bewirtschaftet worden sei. „Deshalb konnten dort viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten leben“, erklärte sie.

Weil in der Ganerb seit einigen Jahrzehnten nur Ackerbau mit Sonderkulturen wie Spargel und der Einsatz von Folien überwiegt, ist nur ein relativ kleiner Teil dieser Artenvielfalt in der Kulturlandschaft erhalten geblieben. Zu den Rückzugsräumen für Wildtiere und -pflanzen zählen Streuobstwiesen, die von Mitgliedern des NVV gepflegt werden.

Mit der Mahd wird Fläche freigehalten

Am Rand einer solchen Fläche, die von drei Seiten von Wald umgeben ist, schilderte Sven Ofer die Bewirtschaftung der Wiese: „Das Heu hat bei einem solchen Standort keinen hohen Wert. Deshalb können wir das Mahdgut nicht verkaufen. Wir legen es meistens am Waldrand ab.“ Die Mahd selbst sei aufwendig – nicht zuletzt, weil die Abstände zwischen den Bäumen relativ klein seien und ein Schlepper nicht eingesetzt werden könnte. Die Vereinsmitglieder erledigten den Schnitt mit einem kleinen Traktor, hieß es.

Mehrere Fotos des Insekts des Jahres zeigte Biologin Christiane Brell den Teilnehmern einige Hundert Meter weiter an zwei Eichen. „Der Stierkäfer gehört zu den Mistkäfern“, sagte die Dudenhofenerin. Der große Käfer, bei dem die Männchen drei Hörner am Kopf haben, lege Röhren im Erdboden an und sammeln Kot von Tieren, beispielsweise von Rindern. In diesen Kammern legten die Weibchen ihre Eier ab. „Die Stierkäfer düngen somit den Boden, sie verteilen Pflanzensamen und dienen außerdem dem Klimaschutz. Allerdings sind sie bei uns selten geworden“, informierte die NVV-Vorsitzende.

Im Raum Dudenhofen werden kaum noch Rinder im Freiland gehalten. Im Bereich der Sanddünen allerdings sind laut Christoph Kohler (BUND) schon Stierkäfer gesichtet worden, die den Kot von Kaninchen für ihre Zwecke nutzen. Das habe Insektenforscher Erich Bettag beobachtet.

Einsatz für Kiebitz und Igel

In den vergangenen 20 Jahren sind, so Christiane Brell, die Bestände von Kiebitz und Igel jeweils um rund 90 Prozent geschrumpft. Für den Vogel des Jahres gibt es in der Harthausener Ganerb ein Schutzprojekt, wie die Biologin weiß. Im Fall des Wildtiers des Jahres, der Igel, würden verschiedene Maßnahmen helfen, etwa Zäune zwischen Gärten für die Igel durchgängig zu machen. „Eine Lücke von zehn auf zehn Zentimeter im Zaun reichen für den Igel. Er hat zwar kurze Beinchen, legt auf diesen aber bis zu drei Kilometer in einer Nacht auf der Suche nach Schnecken und Insekten zurück“, erklärte Brell.

Sven Ofer und Willi Aures wiesen auf Neuerungen bei der Grabenpflege in der Ganerb hin. „Früher wurden die Gräben auf beiden Seiten gemäht und teilweise wurde Erde ausgehoben“, blickte Aures zurück. Nicht zuletzt aufgrund des Engagements des NVV lasse die Verbandsgemeinde nun die Gräben nur noch auf einer Seite mähen. „Die Pflanzen, die stehen bleiben, bieten Nahrung und Unterschlupf für zahlreiche Tierarten“, so die NVV-Mitglieder.

Aures plädierte zudem dafür, auch an Wegrändern zurückhaltend zu mähen. „An und in Stängeln überwintern verschiedene Insekten. An der Knoblauchsrauke zum Beispiel hängen über Winter die Puppen von Aurora-Faltern. Bleiben die Stängel stehen, dann schlüpfen im Frühjahr die Schmetterlinge“, sagte er. Allerdings hatte der Naturfreund bei der Wanderung kein Glück, einen solchen Insekten-Fund zu machen.

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