Neuhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Sorgenkind Wald: Welche Krankheiten die Bäume in Neuhofen haben

Förster Simon Henrich zeigt eine als Insel angelegte Kultur. Diese bekommt immer noch Schatten.
Förster Simon Henrich zeigt eine als Insel angelegte Kultur. Diese bekommt immer noch Schatten.

Zwei Baumarten haben bisher den Neuhofener Wald dominiert. Beide haben keine Zukunft. Förster Simon Henrich muss jetzt Ideen haben, um den Wald wieder fit zu machen.

Auf den ersten Blick sieht es gar nicht so schlimm aus: In Augenhöhe ist der Wald schön grün. Wir spazieren gerade einen Weg entlang am südlichen Rand des Neuhofener Waldes. Auf dem Feld, von dem wir kommen, war es glühend heiß. Im Wald ist es angenehmer, die Bäume spenden Schatten. Aber Staub kribbelt in der Nase – es ist sehr trocken. „Sehen Sie mal nach oben“, sagt der Förster. Da sieht auch der Laie: Den Bäumen geht es nicht so gut.

Viele Baumkronen sind licht. Und da steht eine Esche. Die grüne Krone sieht doch ganz gut aus, oder? „Sehen Sie diese Klümpchen in den Zweigen? Das zeigt das Eschentriebsterben an. Dieser Baum wird sterben“, sagt Henrich. Das Eschentriebsterben wird durch das „Falsche weiße Stängelbecherchen“ übertragen. Es wurde in den 1990er-Jahren von Asien nach Europa eingeschleppt, erklärt das Informationsportal Waldwissen.net, das mehrere Landesforstämter und Forschungseinrichtungen gemeinsam betreiben.

Bergahorn mit Rußrindenkrankheit, die unter der Rinde sitzt.
Bergahorn mit Rußrindenkrankheit, die unter der Rinde sitzt.

Bei uns im Südwesten gab es erste Nachweise ab 2006, dann ging es ganz schnell. In seiner Heimat hat die Mandschurische Esche kein Problem mit dem Pilz. Doch hier tötet er die heimischen Bäume. Ein Gegenmittel gibt es nicht. „Man kann Bäume ja nicht impfen“ sagt Henrich.

Alt-Aue mit vielen Eschen

Leider ist es nun so, dass der Neuhofener Wald eine Alt-Aue ist und deshalb dort sehr viele Eschen vorkommen. Kranke Eschen entnehmen, solange das Holz noch gut verwertbar ist - viel mehr kann der Förster nicht tun. Einen Hoffnungsschimmer gibt es: Immer mal wieder gibt es einzelne Eschen, die sich wacker behaupten und womöglich resistent sind. Es gilt, diese Bäume zu unterstützen. Bedrängende Konkurrenten lässt der Förster entnehmen, die resistente Esche soll wachsen und Samen werfen können – in der Hoffnung, dass sie ihre Resistenz vererbt.

Wir gehen den Weg weiter und kommen an einen Baum, dessen Rinde aussieht, als habe jemand mit Teerfarbe einen Strich drauf gemacht. Aber es ist schlimmer: Die Rußrindenkrankheit hat diesen Bergahorn befallen. Auch bei der Rußrindenkrankheit handelt es sich um Pilzbefall. „Der wächst unter der Rinde, die platzt ab und dann ist es schon zu spät für den Baum“, sagt Henrich. Der Pilz stammt aus Nordamerika und wurde in Europa 2003 erstmals in Österreich beobachtet.

Anatolische Baumhasel: grün trotz Trockenheit.
Anatolische Baumhasel: grün trotz Trockenheit.

Seit dem heißen Sommer 2015 hat er sich sehr stark ausgebreitet, informiert das Portal waldwissen.net. Heißes und trockenes Wetter kommen ihm gelegen, weil dann die Bäume geschwächt sind. Der Pilz verbreitet extrem viele Sporen. Spaziergänger seien nicht gefährdet, für Waldarbeiter, die einen ganzen Tag im Sporenflug stehen, könne das gefährlich werden, wenn sie sich nicht schützen. Bäume, die befallen sind, sollen umgehend gefällt werden. Das Holz soll nicht als Brennholz gelagert werden, denn dadurch verbreiten sich die Sporen weiter.

Kulturen mit neuen Bäumen

Pech für die Alt-Aue bei Neuhofen: Der Ahorn ist der zweite Hauptbaum im jetzigen Bestand. Zusammen machen Esche und Ahorn gut 70 Prozent der Bäume aus, schätzt der Förster. Es wird also immer mehr Flächen geben, von denen Eschen und Ahorn verschwinden. Das ist jetzt schon zu sehen. Henrichs Vorgänger, Förster Georg Spang, der bis Jahresanfang Neuhofen mitbetreut hat, habe schon Kulturen mit neuen Bäumen angelegt.

Henrich will das fortsetzen. „Wir legen sozusagen Inseln an, und hoffen, dass dort ein Wald entsteht, der mit den Bedingungen der Zukunft besser zurecht kommt“, erläutert Henrich. Dafür pflanzen die Förster Stieleichen, Winterlinde, Hainbuchen, Feldahorn (der soll der Rußrindenkrankheit trotzen), Nussbäume und Wildobst. Alles sind heimische Arten.

Noch schön grün, aber dem Tod geweiht: Die Büschel zeigen das Eschentriebsterben an.
Noch schön grün, aber dem Tod geweiht: Die Büschel zeigen das Eschentriebsterben an.

Auf die Stieleichen setzt Henrich besondere Hoffnungen. Wenn die unterstützt werden, kommen sie mit Wärme ganz gut zurecht. Unterstützen heißt, Bedränger, die die kleine Eiche überwachsen, wegschneiden. „Die Eiche ist ein Lichtbaum und wächst langsam, deshalb hat sie es schwer“, erklärt Henrich. Auch Schlingpflanzen und Brombeeren überwachsen schnell die Hoffnungsträger der nächsten Waldgeneration.

Hoffen auf „Inseln“

Das Konzept der Kulturen als „Inseln“ ist ebenfalls Wärme und Trockenheit geschuldet: „Große Flächen heizen sich mehr auf und verlieren Feuchtigkeit. Die Inseln bekommen immer noch Schatten von den Seiten“, erklärt Henrich. Schwierig wird es trotzdem. „Wir wissen nicht, wie sich der Wald der Zukunft zusammensetzt. Deshalb setzen wir auf Vielfalt“, erklärt Henrich. Innerhalb einer Kultur werden mehrere verschiedene Baumarten gepflanzt, in der Hoffnung, dass dabei Arten sind, die überleben. Würden die Förster mit nur einer Sorte aufs falsche Pferd, pardon, den falschen Baum setzen, könnte auch ein Totalverlust der Fläche eintreten.

Neben den heimischen Arten gibt es auch welche, die nicht direkt hier zu Hause sind, aber zumindest aus der Nachbarschaft kommen. „Ich habe hier auch einige Baumhasel gesetzt, die stammen aus Anatolien“, erklärt Henrich. Die vertragen Trockenheit ganz gut und können zu Schattenspendern werden. Ökologisch gesehen kommen sie sozusagen aus der Nachbarschaft.

„Die können sich in unser bestehendes Ökosystem ganz gut einfügen, viel besser als Arten aus anderen Erdteilen wie etwa Nordamerika“, erklärt Henrich. Ob seine Arbeit und seine Ideen erfolgreich sind und einen gesunden und artenreichen Wald ergeben, der dem kommenden Klima stand hält, wird die Zukunft zeigen. „Ich werde das nicht mehr erleben. Wir reden hier von 100, 150 Jahren“, sagt er.

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