Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel So viele Tiere hat die Wildvogel-Auffangstation 2020 behandelt

Einen solchen Grünspecht hat auch das Team des Nonnenhofs im vergangenen Herbst wegen eines gebrochenen Flügels behandelt.
Einen solchen Grünspecht hat auch das Team des Nonnenhofs im vergangenen Herbst wegen eines gebrochenen Flügels behandelt.

Während in vielen Vereinen die Aktivitäten 2020 auf Sparflamme köchelten, war das Team der Wildvogel-Auffangstation Nonnenhof gefragter denn je. Viermal so viele Patienten wie sonst mussten die Päppler behandeln. Mit ehrenamtlichen Kräften ist das nicht mehr zu leisten. Das wird jetzt zum Problem.

1000 Vögel, so viele wie noch nie, musste das Team der Wildvogel-Auffangstation in Bobenheim-Roxheim im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben behandeln. 2019 waren es rund 700 Tiere gewesen, die das Team aufgepäppelt und ausgewildert hatte. „Die Leute waren mehr daheim und in der Natur unterwegs und haben daher häufiger verletzte Wildvögel gefunden“, erklärt die zweite Vorsitzende Sarah Tretter die hohe Zahl.

Zudem habe vermutlich die Naturverbundenheit in der Bevölkerung zugenommen. „Außerdem zeigen die Zahlen, dass unsere Aufklärungsarbeit Früchte trägt und dass sich unsere Station etabliert hat“, sagt sie. Mittlerweile würden sogar Menschen aus einem Einzugsgebiet, das von Frankfurt über Kaiserslautern und Landau bis in die Region um Heidelberg reicht, verletzte Vögel nach Bobenheim-Roxheim bringen.

„Mussten Tiere ablehnen“

Hätte die Station nicht einen Aufnahmestopp verhängt, wären 500 Wildvögel zusätzlich aufgenommen worden, schätzt Tretter. „Wir mussten Tiere ablehnen mit dem Wissen, dass sie vielleicht sterben“, sagt die Stationsleiterin offen. An den Räumlichkeiten lag es nicht. Sondern an den Kapazitäten der ausschließlich ehrenamtlich arbeitenden Helfer. Bereits 2019 waren sie schon an die Grenzen der Belastbarkeit gekommen. Hatte damals der erste Vorstandsvorsitzende Jörn Weiß die Lösung darin gesehen, neue Mitstreiter zu finden, reicht dies aus heutiger Sicht nicht mehr aus. „Wir benötigen eine festangestellte Halbtagskraft, die sich vor Ort um die Patienten kümmert“, sagt er heute. „Jedoch fehlen uns die finanziellen Mittel.“

Tierarzt und Futter teurer

Zwar ist die Zahl der Mitglieder seit Ende 2019 um acht auf 78 Vereinsmitglieder angewachsen. Doch mit dem Aufpäppeln daheim und der anschließenden Pflege der Vögel in den Volieren vom Nonnenhof ist ein harter Kern von acht bis zehn Helfern beschäftigt. Laut dem ersten Vorsitzenden Weiß bedeutet das in der Hauptsaison zwischen April und September 20 Wochenstunden – und zwar für jeden Helfer.

Einen Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis könne man mit Blick auf die aktuelle finanzielle Lage des Vereins nicht einstellen. „2020 ist uns das Sommer- und das Weihnachtsfest weggebrochen, was 6000 Euro in die Vereinskasse gespült hätte. Gleichzeitig saß das Geld auf Grund der Pandemiesituation nicht mehr so locker wie sonst.“ Um etwa 50 Prozent seien die Spenden im vergangenen Jahr zurückgegangen. Und das bei gleichzeitig gestiegenen Futterpreise und Tierarztgebühren.

Froh ist Stationsleiterin Tretter, dass im Jahr 2020 keiner der Helfer Corona-bedingt ausfiel. Gern erinnert sie sich an die erfolgreiche Rettung eines Vogels, der auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Arten steht. „Im Herbst hatten wir einen Grünspecht bekommen, der am Flügel verletzt war. Beim Tierarzt sollte er eingeschläfert werden. Wir haben ihn wieder hinbekommen. Und sechs Wochen später wurde der Specht gesund ausgewildert“, berichtet sie.

Froh sind Tretter und Weiß auch über die Projekte, die trotz Corona verwirklicht werden konnten: Zwar mussten die Pläne für eine Wassergeflügel-Voliere, ein Insektenhotel und eine Nistkastengalerie verschoben werden. Jedoch konnte der Verein in Eigenleistung in den Kellerräumen der Station ein neues Vereinsbüro einrichten. Dadurch sollen in Zukunft Mietkosten für ein Büro in einem Wohngebäude entfallen. „Und wir haben ein Futterhaus für Wildvögel gebaut“, ergänzt Tretter. Aus dem Silo fällt ganzjährig das Futter in einen überdachten Bereich.

Vogelgrippe kein Thema

Bewährt hat sich laut Tretter die im März eingeweihte Quarantänestation, die drei isolierte Räume mit insgesamt zwölf gefliesten Boxen umfasst. „Sie ist nötig, um die Neuzugänge zu isolieren und zu schauen, ob sie ansteckende Krankheiten haben, etwa die Vogelgrippe“, erklärt Tretter. Die Isolationsphase habe bis dahin provisorisch bei den Päpplern daheim stattgefunden. „Mit der Quarantänestation können neue Patienten professioneller und sicherer untersucht werden.“ Nach der Quarantäne werden die Tiere wie bisher auch bei den Päpplern gepflegt und anschließend in den derzeit elf Volieren auf dem Nonnenhof ausgewildert.

Mit Blick auf die aktuelle Vogelgrippe-Situation gibt Tretter Entwarnung: „Das betrifft uns überhaupt nicht“, sagt sie. Momentan habe die Auffangstation keine Patienten, lediglich ein Schwan befinde sich auf der Quarantänestation. Wie berichtet, hatte der Rhein-Pfalz-Kreis Ende Januar eine sogenannte Aufstallungspflicht erlassen, nachdem bei einer verendeten Hawaiigans das hochansteckende Virus H5N8 festgestellt worden war.

Bereits in den Startlöchern ist ein Projekt, das im kommenden Jahr Früchte tragen wird: „Unsere Auffangstation hat jetzt auch ihre eigenen Honigbienen“, berichtet Weiß. Den Honig können die Besucher dann bei Festen im nächsten Jahr kaufen.

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Honig von den eigenen Bienen wollen die Helfer in der Wildvogel-Auffangstation in Bobbenheim-Roxheim schon bald ernten und bei F
Honig von den eigenen Bienen wollen die Helfer in der Wildvogel-Auffangstation in Bobbenheim-Roxheim schon bald ernten und bei Festen verkaufen.
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