Frankenthaler Umland
So senken RHEINPFALZ-Leser ihren Energieverbrauch
Ingeborg und Harald Krauß kennen es nicht anders: Mit Strom, Heizkraft und Wasser geht man sparsam um, und das bläuen sie auch den nächsten beiden Generationen ein. „Licht aus, wenn man aus dem Zimmer geht“, gibt der 62-Jährige, der mit seinem Sohn Lukas in Lambsheim ein Weingut betreibt, ein Beispiel. Oder: „Das Wasser, mit dem man in der Schüssel den Salat gewaschen hat, zum Gießen der Balkonblumen verwenden.“
Das Krauß’sche Wohngebäude ist schon in den 90er-Jahren nach Energiesparmaßnahmen umgebaut worden, das heißt unter anderem: Eine Solaranlage sorgt für warmes Wasser, sodass ab April die Heizung komplett abgestellt werden kann. „Wenn’s mal drei, vier Tage bewölkt ist, muss man halt in Kauf nehmen, dass das Wasser nicht ganz so warm aus der Leitung kommt“, sagt Krauß, der auch die Spülmaschine an dieses Warmwassersystem angeschlossen hat.
Regenwasser in Tanks speichern
Überhaupt, das Wasser. Dazu hat der Lambsheimer besonders viel zu sagen: „In unserem Garten haben wir einen alten 10.000-Liter-Weintank vergraben, in dem wir das Regenwasser vom Dach für die Pflanzenbewässerung und die Waschmaschine auffangen. Heute ärgere ich mich, dass wir nicht auch die Toiletten angeschlossen haben.“ Den Wasserstand im Tank überprüft er, indem er den Deckel aufmacht. Ist zu viel drin, bekommen davon die Weinreben etwas ab. Dass er leer war, sei schon vorgekommen – durch eigenes „Missmanagement“, wie er sagt. Alle zwei, drei Jahre steigt er in den Tank hinein, um ihn sauber zu machen.
Neu im beziehungsweise auf dem Hause der Familie ist eine Fotovoltaikanlage, deren Stromausbeute das Ehepaar bislang zu einem Drittel selbst nutzt. Ob ein Stromspeicher angeschafft wird, steht noch nicht fest. Stolz sind er und seine täglich mit dem Rad zur Arbeit in Freinsheim fahrende Frau über das Fazit eines Energieberaters: Demnach wurden in dem Weinbaubetrieb so gut wie alle Möglichkeiten genutzt, den Stromverbrauch – seit Jahren wird Ökostrom eingekauft – niedrig zu halten. Was den zu erwartenden Erdgasmangel im Winter betrifft, lautet der Ratschlag von Harald Krauß: „Ansprüche runterschrauben und Pullover anziehen.“ Die Wohnungstemperatur müsse nicht warm, sondern nur „überschlagen“ sein. So hält es die Familie schon immer, „und wir fühlen uns gesund damit“.
Wollstrümpfe und Pullover anziehen
Martin Eberle wohnt ebenfalls in Lambsheim und sieht bei sich zu Hause ebenfalls kaum noch Spielraum fürs Energieeinsparen. Seit 13 Jahren sitzt auf dem Hausdach eine Fotovoltaikanlage, und im Winter werden nur die Räume geheizt, in denen sich er, seine Frau und die Tochter wirklich aufhalten. „Als Kind habe ich es nicht anders gelernt, als dass man dann dicke Pullis und Wollstrümpfe trägt“, sagt der 35-jährige Informatiker. Beim Heizen vertraut Eberle auf sein effizientes Brennwertgerät und die Solarthermie. Mittlerweile erwärmen er und seine Frau das Wasser nur noch auf 45 Grad, weil dann nicht mehr die Gasheizung anspringe. „Wegen der Legionellengefahr wird das Warmwasser nur einmal pro Woche für eine Stunde auf 60 Grad gebracht.“ Mittlerweile würde Eberle lieber mit Erdwärme heizen, denn „da hat sich die Technik doch sehr positiv weiterentwickelt“.
Sein Tipp in Sachen Strom: „30 bis 50 Prozent aller Balkone sind geeignet für Fotovoltaikmodule.“ Er selbst hat sich zwei Stück angeschafft und deckt damit tagsüber den Energiebedarf von mindestens dem Laptop sowie der Wasch- und der Spülmaschine. Als neulich der Herd kaputt ging, hat sich das Paar ein Gerät mit niedrigerem Verbrauch gekauft. „Das merkt man vor allem beim Backen“, sagt Eberle.
Stromfresser komplett abschalten
Silvia Sabotta aus Bobenheim-Roxheim ist erstaunt, dass ihre aus zwei Erwachsenen und einem Kleinkind bestehende Familie 2021 nur 1400 Kilowattstunden Ökostrom benötigt hat. Sie kennt Singlehaushalte, die genauso viel verbrauchen. „Haben die Leute nicht doch unentdeckte Stromfresser in der Wohnung?“, fragt sie sich und gibt als Ergebnis einer Recherche weiter: „Insbesondere Geräte, die mit dem Internet in Verbindung stehen, etwa moderne Fernseher oder Spielekonsolen, verbrauchen im Stand-by-Betrieb einiges an Strom.“ Ihre Empfehlung: Lieber mit dem Laptop als mit dem Desktop-Rechner arbeiten, und wenn man unbedingt Hintergrundgeräusche braucht, lieber Radio oder Smartphone laufen lassen als den Fernseher.
„Und man soll die Waschmaschine nicht unterschätzen“, warnt die 32-Jährige, die als Wissenschaftlerin bei der Landessternwarte arbeitet. Auch wenn sie den Nachwuchs lieber in Stoffwindeln packen würde: „Seit ich auf Wegwerfwindeln umgestellt habe, ist unser Stromverbrauch merklich gesunken.“
Brettspiel statt Fernseher
Nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ achtet das Elternpaar darauf, dass die Lampen – alle wurden auf LED umgestellt – nicht unnötig brennen, dass Wasser für den Kochtopf zuvor im Blitzwasserkocher erhitzt wird, dass die Kühlschranktemperatur nicht so niedrig ist und dass möglichst wenig Bügelwäsche anfällt. Es wird nicht jeden Tag geduscht, und im Winter wird sich in der Wohnung warm angezogen. Beim letzten Weihnachtsfest seien etliche handgemachten Schurwollpullis verschenkt worden, freut sich die junge Familie, die kein Auto besitzt und das von den Gemeindewerken angekündigte Car-Sharing-Angebot zu schätzen wüsste.
Zum Schluss hier noch eine ungewöhnliche Stromsparidee für den Feierabend: „Statt Fernsehgucken lieber mal gemeinsam ein Brettspiel spielen“, sagt Sabotta. „Das bringt auch was für dieLebensqualität.“
