Bobenheim-Roxheim
Silbersee-Hotel: Planer machen sich wieder an die Arbeit
Der erste Versuch, im Silbersee-Teilbereich Scharrau und am Badestrand der Gemeinde Baurecht zu schaffen, ist vor drei Jahren aus artenschutzrechtlichen Gründen vor Gericht gescheitert. Verkürzt könnte man sagen: Der Bebauungsplan hat nicht gut genug geregelt, wie die Eingriffe in das Naturschutzgebiet ausgeglichen werden, wenn das Hofgut Scharrau zum Hotel umgebaut wird, die Wassersportvereine an anderer Stelle ihre Anlagen betreiben und ein Spazierweg an den sensibelsten Stellen des Vogelparadieses vorbeiführt. Gerade der letztgenannte Aspekt des Projekts war nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts nicht genügend berücksichtigt worden.
Von einem Rundweg war deshalb am Mittwochabend im Gemeinderat nicht mehr die Rede, als es darum ging, den Flächennutzungsplan zu ändern und darauf basierend einen neuen Bebauungsplan aufzustellen. Ulrich Villinger vom Planungsbüro Piske legte dar, warum die Willersinn GmbH & Co. KG als Eigentümerin des Silbersees und des Hofguts auf der südlichen der beiden Halbinseln nicht von einem Bauleitverfahren ablassen will oder kann. „Das ehemalige Hofgut ist landschaftsbildprägend und braucht eine Entwicklungsperspektive“, sagte er.
Das vermutlich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäudeensemble steht unter Denkmalschutz und soll auch dann noch Verwendung finden, wenn die Kiesgewinnung in der Gegend in ein paar Jahren endet. Ein Hotel mit dem alten Herrenhaus als Zentrum und neuen Gebäuden, die dem jetzigen Erscheinungsbild nachempfunden sind, ist ein nahe liegender Gedanke. War vor drei Jahren noch von einem Wellness- und Tagungshotel mit 120 Zimmern die Rede, so spricht Bürgermeister Michael Müller (SPD) jetzt von einem Betrieb aus dem medizinischen Bereich. Geschäftsführer Benedikt Eberhard sagt auf Anfrage: „Wir denken wirklich in alle möglichen Richtungen und sind noch überhaupt nicht festgelegt.“ Eine Privatklinik sei im Moment nur eine vage Idee.
Vorbild ist die Schlicht
Neu ist die Idee, einen Teil der Wasserfläche des Sees und/oder der Großen Ochsenlache – maximal 15 Prozent – für die Erzeugung von Solarstrom zu nutzen, indem dort schwimmende Fotovoltaikanlagen zum Einsatz kommen. Die Kiesabbaufirma Rohr macht derzeit unter anderem auf dem Baggersee Schlicht zwischen Waldsee und Neuhofen vor, wie das geht. „Künstliche Gewässer sind grundsätzlich für Fotovoltaikanlagen geeignet“, versichert Ulrich Villinger, „aber auch dafür braucht es einen entsprechenden Flächennutzungsplan und einen Bebauungsplan.“
Dass die Gemeinde das in Angriff nimmt und damit auch die Infrastruktur am Badestrand (samt Parkplätzen) verbessert sowie den Wassersportvereinen am nördlichen Silberseeufer eine Zukunft ermöglicht, fand in der Ratssitzung die Zustimmung der Fraktionen von CDU, SPD und FWG. Sie hatten auch den alten Bebauungsplan befürwortet. Die Christdemokraten, die sich immer wieder für eine naturverträgliche Belebung des Tourismus an Silbersee und Altrhein aussprechen, wünschen sich sogar, dass eine Vergrößerung des Plangebiets in Betracht gezogen wird. Im Moment wird es von Eckbach, Isenach, B9 und K1 begrenzt.
Grüne wollen Bürger befragen
Gegner von Bautätigkeiten im für die europäische Vogelwelt so wichtigen Silberseegebiet waren und sind die Grünen, deren fünfköpfige Fraktion am Mittwoch den Startschuss für eine neue Planung ablehnte. Matthias Vettermann sagte, Deutschland müsse erwiesenermaßen mehr streng geschützte Flächen ausweisen und die bestehenden stärker schützen. Dem widerspreche das Ansinnen von Willersinn und der Gemeinde. Die Frage müsse lauten: Verbessern die geplanten Maßnahmen die Situation in dem Schutzgebiet? „Wohl eher nicht“, ist Vettermanns Antwort.
Er erinnerte an die Bürgerbefragung von 2007, als knapp 70 Prozent der Teilnehmer den Hotelbau auf der Scharrau befürworteten. Das sei aber mit Blick auf den versprochenen Seerundweg geschehen, so Vettermann. Wenn der nun herausgenommen werde, sollten die Bobenheim-Roxheimer noch einmal Gelegenheit bekommen, darüber abzustimmen. Das forderte auch sein Fraktionskollege Manfred Alban Pfeifer. Er hätte den Beschluss bis dahin gern verschoben, wofür sich aber keine Mehrheit fand.
