Mutterstadt / Hochdorf-Assenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Seniorenband mit singender Sächsin

Irmgard Apel war schon als 15-Jährige Frontfrau einer Schlagerband.
Irmgard Apel war schon als 15-Jährige Frontfrau einer Schlagerband.

Irmgard Apels ist im Alter noch einmal musikalisch durchgestartet, hat Instrumente spielen gelernt und ist die Frontfrau von Edelweiß, einer Seniorenband aus Mutterstadt.

Freitagvormittag, reges Treiben im Mutterstadter „Seniorenschlösschen“: Aus dem Untergeschoss hört man fröhliches Gelächter, eine Seniorin grüßt und verschwindet in Richtung der Gruppe, die sich bei einem Kaffee so angeregt unterhält. Es ist Seniorentreff. Gedämpfte Musik tönt aus dem Obergeschoss. Ein bekanntes Lied. Aber welches? „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“? Vielleicht.

Die Melodie lockt einen die Stufen hinauf, in den großen Saal. Dort probt Edelweiß. Im Mittelpunkt am Mikrofon: Irmgard Apel. Der letzte Ton ist verklungen, sie scheint zufrieden zu sein, wie auch die fünf Musiker um sie herum. Am Keyboard steht Norbert Heene. Irmgard Apel und er kennen sich seit vielen, vielen Jahren. Sie verbindet die Leidenschaft für die Musik. Die beiden haben vor 15 Jahren die Seniorenband Edelweiß aus der Taufe gehoben. Dass Irmgard Apel nun schon etliche Jahre zur Stammbesetzung gehört, „hat sich irgendwie ergeben“, sagt sie und muss ein wenig ausholen.

Liebt die Pfälzer Lebensart

Geboren wurde sie in Schlesien, viele Jahre hat sie mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Dresden gelebt. Vor über 30 Jahren verlor Irmgard Apel ihren Mann, da war sie gerade einmal 53 Jahre alt. Etwa zwei Jahre später, 1996, ist sie mit ihren Kindern in die Pfalz nach Hochdorf-Assenheim gezogen. Ein Glücksgriff, wie sie sagt. „Ich hätte es nirgendwo besser treffen können, als hierherzukommen, ich habe mich sofort zu Hause gefühlt.“ Die Landschaft, das Wetter und vor allem die Pfälzer Lebensart haben ihr sofort zugesagt, schnell habe sie Anschluss gefunden.

Die Pfälzer sind ein geselliges Völkchen, Musik darf dabei nicht fehlen. Es passte perfekt. Denn das trifft auch auf Irmgard Apels Leben zu. Sie sei in einem sehr musikalischen Haushalt aufgewachsen, der Vater spielte Geige, sie und ihre zehn Geschwister sangen oder musizierten ebenfalls. Sehr bald kristallisierte sich heraus, dass ihr Herz für Schlager und Stimmungsmusik schlug. Die Songs von Roy Black („Ganz in Weiß“), Catarina Valente („Ganz Paris …“), Freddy Quinn („Junge, komm bald wieder“) bis Reinhard Mey („Gute Nacht, Freunde …“) haben musikalisch ihre Kindheit und Jugend nachhaltig geprägt. Mit blutjungen 15 Jahren wird Irmgard Apel Sängerin der Schlager-Band Carina, die in Sachsen auftrat und regional bekannt war. Als Mutter von vier Kindern ruhte das Musikalische dann aber erst einmal, aufgegeben hat sie es aber nie. So hat sie viele, viele Schallplatten von den Schlagerstars der west- wie auch ostdeutschen Musikszene. „Die lege ich heute immer noch sehr gerne zu Hause auf“, sagt sie.

Einfach losgesungen

Als die Kinder größer waren, hat sich Irmgard Apel selbst das Gitarrespielen beigebracht. Doch damit nicht genug: Mit über 60 Jahren wollte sie Keyboard lernen. So fand sie über ein Inserat zu Norbert Heene, der ihr Keyboard-Lehrer werden sollte. Als es nichts mehr beizubringen gab, haben die beiden – aus Spaß an der Freud’, wie der Pfälzer sagt – CDs aufgenommen. Norbert Heene spielte zudem mit ein paar Senioren Akkordeon und Mundharmonika. „Irgendwann bin ich zufällig dazugestoßen, habe das Mikro genommen und einfach zu den Liedern gesungen“, erinnert sich die heute 83-Jährige. Das war die Geburtsstunde von Edelweiß. Eine kleine Erfolgsgeschichte, denn es seien immer mehr Musikbegeisterte zur Gruppe gestoßen.

Einmal in der Woche proben die Musiker von Edelweiß. Derzeit sind es fünf Herren, die Akkordeon, Keyboard, Gitarre und Saxofon spielen. Am Mikro steht Irmgard Apel. Sie ist also die Henne im Korb, und ihre männlichen Kollegen „spuren, wenn ich was sage“, erzählt sie und zwinkert verschmitzt mit den Augen. Souverän und ohne Herzrasen steht sie auf der Bühne: „Großes Lampenfieber hatte ich zum Glück noch nie.“ Das Stamm-Repertoire von über 150 Liedern sitzt! Über 1000 Songs hat Edelweiß im Angebot, die sie bei weit über 200 Auftritten schon zum Besten gegeben hat. In den vergangenen Jahren sei die Anzahl der Einsätze etwas zurückgegangen, bedauert Norbert Heene. Die Gruppe wünscht sich, wieder mehr Bühnenluft zu schnuppern. „Gern auch in Mutterstadt“, sagt er. Auf der Kerwe in Dannstadt gehören sie schon zum Programm.

Singen lindert Lungenkrankheit

Das Singen und die Musik sind für Irmgard Apel mehr als ein Hobby, es ist ihr Lebenselixier. Und das kann man durchaus wörtlich nehmen. Seit über 15 Jahren leidet sie an der chronischen und unheilbaren Lungenkrankheit COPD, die ihr das Atmen erschwert. Zudem plagt sie immer wieder Husten – „aber nicht beim Singen“, erzählt die Seniorin. Ihr Arzt habe ihr geraten, unbedingt solange zu singen, wie sie es möchte und kann. Das Luftholen trainiere die Lungen, was die Symptome der Krankheit lindern würde. Zudem bereitet ihr das Singen so viel Freude, dass sie diese zunehmende Einschränkung einfach wegsingt. Sie hofft sehr, dass ihr das noch lange gelingt. „Wenn ich gar nicht mehr singen könnte, dann weiß ich gar nicht, was ich machen sollte.“

Doch so weit mag sie gar nicht denken und erzählt von ihrem Lieblingsitaliener, der Gaststätte beim TV Dannstadt: „Bei Carlo“, so heißt das Restaurant, gibt es jeden Sonntagmittag einen musikalischen Frauenstammtisch. Wenn sie dorthin geht, ist ihre Gitarre immer im Gepäck. Dann erklingen bei Pizza, Pasta und Wein Schlager – und mit Sicherheit auch der Kult-Hit „Zwei kleine Italiener“ von Conny Froboess. Aus diesem Frauenstammtisch heraus hat sie auch noch einen Musikerstammtisch gegründet, bei dem sie selbstverständlich mittendrin ist. Wie auch in Gronau in der Kleiderkammer, bei der sie ehrenamtlich hilft. „Es ist wichtig, dass man im Alter aktiv bleibt und unter die Leute geht“, sagt Irmgard Apel und möchte bei der Gelegenheit erwähnen, dass sich Edelweiß gern vergrößern darf und musikaffine Senioren gesucht werden.

Noch Fragen?

Wer die Musiker von Edelweiß kennenlernen und/oder mitmusizieren möchte, kann sich bei Norbert Heene melden, telefonisch unter 06234 7199 oder per E-Mail an heike.norbert@gmx.de . Die Gruppe probt freitags von 10.30 bis 12.30 Uhr im Seniorentreff (Jahnstraße 4).
Zu hören sind Edelweiß am Samstag, 27. September, 15 Uhr, beim DRK-Nachmittag im Seniorentreff in Mutterstadt und beim Seniorennachmittag während der Dannstadter Kerwe am Freitag, 3. Oktober, 14 Uhr, im Zentrum Alte Schule.

Irmgard Apel und ihre Musikanten (von links): Ralph Keller, Norbert Heene, Karl Regenauer, Sevket Kocaaydin und Thomas Kaiser.
Irmgard Apel und ihre Musikanten (von links): Ralph Keller, Norbert Heene, Karl Regenauer, Sevket Kocaaydin und Thomas Kaiser.
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