Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Sägen als Sport: Wo Riesen-Cookies rollen

Frauenpower an der Langsäge: Christine zeigt, dass sie es drauf hat.
Frauenpower an der Langsäge: Christine zeigt, dass sie es drauf hat.

Zwei Tage lang hat das RWZ Agrartechnik-Zentrum in Mutterstadt seine Türen geöffnet, das Programm lockte etliche Besucher und ließ Holzfällerherzen höherschlagen.

Holzsägen ist Hochleistungssport, und der kommt aus den USA. In Deutschland ist er erst seit 2001 durch die Veranstaltungen des Motorsägenherstellers Stihl bekannt. Und eine solche Show war ein Programmpunkt während der beiden Tage der offenen Tür in der Raiffeisen-Waren-Zentrale (RWZ) vergangenes Wochenende in Mutterstadt. Markus Dengler, ein Sportholzfäller der ersten Stunde, ist schon seit 1994 mit Axt und Säge aktiv und einer der Sportler, der sein Können an diesem Sonntag zeigt. Der 49-jährige Athlet aus Widdern – „wo Götz von Berlichingen herkommt“– hält sich mit Joggen und Kraftsport fit – und, was man ihm vielleicht nicht zutrauen würde, mit Tanzen. „Heute Disco-Fox, früher Latein und Standard“, verrät er. Er ist also der Routinier, während sein Kollege Tim Anthofer (23) als „Rookie“ bezeichnet wird, denn er ist erst vor einem Jahr unter die Sportholzfäller gegangen. Mit Erfolg – auf Anhieb erreichte er bei den Deutschen Meisterschaften den vierten Platz.

„Auch, wenn die einzelnen Disziplinen nur wenige Sekunden dauern – nach einem Wettkampf bin ich platter als nach einem ganzen Arbeitstag. Die Belastung des gesamten Bewegungsapparats ist jeweils kurz, aber sehr heftig“, erklärt Anthofer. Um seinen Körper leistungsfähig zu halten, betreibt er Kraft- und Cardio-Training; für die Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit der Muskeln macht er Yoga und Faszientraining. Zehn Minuten vor der Show mit der „Single Buck“, der langen Zugsäge, dehnt er seine Unterarme und Hände. Unterdessen schlendern die Besucher über das weiträumige Gelände der RWZ mit der Agrarmaschinenausstellung, auf dem heute „etwa sieben Millionen Euro herumstehen“, rechnet RWZ-Standortleiter Marc Gernsheimer vor. Mutterstadt ist die zweitjüngste Dependance von etwa 40 in Deutschland; in Österreich hat die Genossenschaft zwei, in Frankreich 20 Standorte. „Wir brauchen inzwischen viel Platz, weil die Maschinen immer größer werden“, erklärt er.

Faszination Traktor

Auf einigen dieser Maschinen dürfen die jüngsten Gäste herumklettern und regen Gebrauch von der Hupe machen. Die Hüpfburg, natürlich in Traktorform, ist da eher Nebensache. In der Halle lassen es sich die Besucher bei Weißwurst und Bier gutgehen. Jessica Bußer hat als Kind ihre Ferien auf einem österreichischen Bauernhof verbracht und findet die Traktoren spannend. Ihr Lebensgefährte Daniel Giermeyer, Mechaniker am RWZ, ist eher auf die Sägedarbietung gespannt, „denn wir machen unser Brennholz selbst klein, daher interessieren mich Motorsägen“. Eine ähnliche Motivation haben auch Michael Schneider und Ewald Pfurtscheller aus Dannstadt. Dessen Frau Nicole wiederum lockte die Aussicht auf das Weißwurstfrühstück.

Als ARD-Sportmoderator Markus Philipp zum Mikrofon greift und die Darbietung ankündigt, vergrößert sich der Kreis der Zuschauer unterm Stihl-Zelt schlagartig. Er gibt Markus Dengler das Kommando „Stand to your timber“, also bringt Dengler die Säge in Position. Dann wird rückwärts gezählt – drei, zwei, eins – und das Publikum ruft „Go!“. Dieser Wettbewerb heißt „Stock Saw“, innerhalb kürzester Zeit und auf den Millimeter genau muss eine Holzscheibe („Cookie) von einem Baumstamm abgesägt werden. Das schafft der Profi in Sekundenschnelle. Dann ist Tim Anthofer an der Reihe. Gekonnt hantiert er mit der zwei Meter langen „Single Buck“, einer speziellen Zugsäge.

Nicht nur Männersache

Ob das auch Normalsterbliche schaffen? Carsten aus Mutterstadt beweist es; er ist nach dem Absägen seines „Cookies“ kaum außer Atem. Auch Matthias aus Altrip schafft es. „Ich bin Schreiner, daher wollte ich mal sehen, wie das mit dieser Säge geht“, sagt er. Und beim Mutterstadter Maxim geht es ratzfatz. Wer nun glaubt, Sportholzfällen sei Männersache, den belehrt Christine eines Besseren. Als eifrige Besucherin von Sportholzfällerwettbewerben kennt sie die Theorie und beweist auch in der Praxis, dass sie es drauf hat. Es gibt übrigens auch Wettbewerbe für Frauen und solche, bei der die Sportler eine etwa 30 Kilo schwere Säge mit bis zu 80 PS bändigen müssen („Hot Saw“).

Daniela Röther aus Rheingönheim ist heute mit ihren zwei Jungs hier und findet es toll: „Gestern habe ich bei den ,Gitarrenhelden’ und DJ Didi gefeiert, heute schauen wir uns zusammen die Maschinen an.“ Auch das Fazit von Standortleiter Marc Gernsheimer fällt positiv aus: „Gestern Abend waren etwa 600 Besucher in der Halle zum Feiern und Tanzen. Und das Feedback unserer gewerblichen Kunden, den Landwirten, aber auch von Privatkunden, ist wirklich gut. Die Vorbereitung hat viel Arbeit gemacht – und es hat sich gelohnt.“

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