Römerberg
Private Kita füllt seit 20 Jahren Lücke im Betreuungsangebot
Alexandra Köpper hat das Kinderland Sternschnuppe vor 20 Jahren gegründet und ist heute immer noch mit genausoviel Leidenschaft dabei wie damals. „Wir haben mittlerweile Praktikanten, die als Kinder hier waren. Oder Kinder von früher werden mittlerweile selbst Eltern. Das ist wirklich Wahnsinn“, sagt die 51-Jährige. Auch Köppers eigene Tochter Zoe ist längst erwachsen. Die 22-Jährige gehört mittlerweile mit Aufgaben im Büro und der Betreuung ebenso zum Kinderland-Personal wie Sohn Marc, der sich um Buchhaltung und Website kümmert, und auch die jüngste Tochter Angelina hilft aus. Der Lebensgefährte von Alexandra Köpper ist ebenfalls mit im Boot. Mit seinem handwerklichen Talent ist er bei der Gestaltung des Außenbereichs eine große Hilfe. Früher hat auch noch die mittlerweile 81-jährige Mutter der Gründerin mitgeholfen. Zwölf Mitarbeiter stark ist das Team des Kinderlands Sternschnuppe mittlerweile, davon arbeiten zehn in der Betreuung.
Verändert hat sich in den 20 Jahren des Kinderland-Bestehens einiges: Ursprünglich war die Einrichtung im Berghausener Ortskern angesiedelt. Seit 13 Jahren hat sie aber im Gewerbegebiet an der B9 ihren Standort. Dort übernahm das Kinderland das Gebäude einer Werbeagentur. Die Anzahl der Kinder liegt mittlerweile bei 35, die aber nie alle gleichzeitig vor Ort sind. Die Betreuungszeiten sind bei der privaten Kita sehr flexibel auf die Bedürfnisse der Eltern zugeschnitten. Positiv registriert hat Köpper, dass Väter inzwischen mehr Verantwortung übernehmen. „Früher hatten wir praktisch nie einen Vater bei der Eingewöhnung dabei. Heute ist es fifty-fifty“, erzählt sie. Auch der favorisierte Erziehungsstil ändere sich immer mal wieder. Momentan orientierten sich viele Eltern stark an den Bedürfnissen der Kinder. Köpper versucht für sich und ihr Team einen Mittelweg zu finden. „Innerhalb eines gewissen Rahmens haben die Kinder Freiheit“, sagt sie.
Die Kinder als Ruhepol
Dass sie heute 20 Jahre älter als bei der Gründung des Kinderlands ist, bedeutet nicht, dass Alexandra Köpper keinen Draht mehr zu den Kleinkindern findet. Stress bereitet ihr nur die Bürokratie, mit der sie sich auseinandersetzen muss. „Wenn mir die Behörden und die Anrufe zu viel werden, dann gehe ich zu den Kindern“, sagt sie. „Die sind mein Ruhepol“. Und wenn sie mal zwei Wochen frei gehabt habe, dann sei sie ohnehin wieder voller Vorfreude auf ihre Arbeit. Langweilig sei ihr in all den Jahren noch nie geworden, beteuert die Sternschnuppe-Chefin. Tochter Zoe nickt: „Jedes Kind ist einzigartig“, sagt sie. Den Eltern gegenüber, die ihnen ihre Kinder anvertrauen, empfinden Mutter und Tochter Dankbarkeit: „Ohne das Vertrauen der Eltern würde es das Kinderland nicht seit 20 Jahren geben“, sagt Alexandra Köpper.
Die Kinder werden in zwei Gruppen betreut – in der Sonnen- und in der Regenbogengruppe. Die jüngsten sind gerade einmal zwei Monate alt, die Altersgrenze nach oben lag bislang bei drei Jahren. Doch das soll sich ändern. „Wir haben beim Jugendamt beantragt, auch Kinder über drei Jahren nehmen zu dürfen“, sagt Köpper. Der Hintergrund: Sie will sicherstellen, dass die Kinder so lange in ihrer privaten Kita bleiben können, bis sie einen Platz in einem kommunalen oder kirchlichen Kindergarten haben. Wie gut die Chancen auf einen solchen Platz sind, variiert nach Köppers Beobachtung stark von Gemeinde zu Gemeinde. In Hanhofen oder Dudenhofen bekämen Kinder in der Regel mit zwei Jahren einen Kita-Platz. Aber auch in Römerberg sei der Mangel nicht mehr so groß wie noch vor einiger Zeit, glaubt sie. Schwierig sei die Situation oft in Harthausen.
Bis Sommer 26 ausgebucht
Das Kinderland kostet zwar für die Eltern Geld, aber wie bei Tagesmüttern gibt es eine Förderung vom Jugendamt. Lange Zeit war es ein Auffangbecken, wenn Eltern keinen Platz für ihre unter dreijährigen Kinder in den örtlichen Einrichtungen gefunden haben. Doch derzeit tut sich in den Gemeinden etwas: In Berghausen entsteht eine fünfgruppige Kita und in Harthausen hat eine eingruppige kommunale Kita eröffnet, die noch wachsen soll. Macht Köpper sich Sorgen um Konkurrenz? „Ich habe keine Angst“, sagt sie. „Wir haben ein anderes Modell, sind kleiner und familiärer.“ Außerdem sei die Flexibilität bei den Betreuungszeiten größer als in normalen Kitas. Für die nähere Zukunft gibt es bei der Auslastung des Kinderlands ohnehin kein Problem. „Wir sind schon wieder bis Sommer 2026 voll“, berichtet Köpper. Sie habe sogar Interessenten absagen müssen. Kinder in ihrer Einrichtung anzumelden, ist laut der 51-Jährigen nur dann sinnvoll, wenn diese auch längere Zeit dort bleiben sollen. „Wenn man nur einen kurzen Zeitraum überbrücken möchte, ist eine Tagesmutter sinnvoller“, findet sie. Die meisten Kinder seien zwischen 10 und 16 Monaten alt, wenn sie ins Kinderland kommen.
Köpper und ihr Team lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen, um Abwechslung in den Alltag der Kinder zu bekommen. Zum Beispiel gibt es Kita-Hund Mailo, mit dem die älteren Kinder einen „Hundeführerschein“ machen können. Eine Ergotherapeutin kommt zeitweise in die Einrichtung. Und die Erzieherinnen haben begonnen, auch in Gebärdensprache mit den Kindern, die sich noch nicht verbal ausdrücken können, zu kommunizieren. „Wir bleiben nie stehen und versuchen immer was zu verbessern“, sagt Köpper. „Ich habe schon wieder ein, zwei Ideen im Kopf.“
Termin
Das Kinderland Sternschnuppe lädt für Samstag, 27. September, 9.30 bis 16 Uhr, alle Interessierten zu einem Tag der offenen Tür ein.