Dudenhofen
Pläne für neue Kita verschwinden in der Schublade
Bürgermeister Jürgen Hook (SPD) traute seinen Ohren kaum, als ihm bei einem Gespräch mit dem Jugendamt des Rhein-Pfalz-Kreises kürzlich nahegelegt wurde, er solle bei den Plänen für einen dreigruppigen Kita-Neubau besser mit beiden Füßen auf die Bremse treten. Die Begründung: Die aktuellen Prognosen anhand der Geburtenzahlen gäben den Bedarf einer weiteren Einrichtung in Dudenhofen nicht her. „Ich war sehr überrascht“, gesteht Hook. Denn die Ortsgemeinde hat seit Jahren auf den Bau einer weiteren Kita hingearbeitet. „Die Kinderzahlen waren so hoch, dass es keine Diskussion darüber gab“, sagt er. Eine Fläche für einen weiteren Kindergarten hatte die Gemeinde auch schon erworben: das Pfarrheim samt umliegendem Grundstück. „Wir wollten das Pfarrheim eigentlich dieses Jahr abreißen“, sagt Hook. Jetzt wird das Gebäude erst einmal stehenbleiben. Für andere Zwecke, zum Beispiel als Treffpunkt für Vereine könne es aber nicht genutzt werden. „Dazu ist der Zustand des Gebäudes zu schlecht“, sagt Hook.
Warum nun doch keine Kita dort gebaut werden soll, erklärt die Kreisverwaltung auf Anfrage so: „Mit der aktuellen Bedarfsplanung für die Ortsgemeinde Dudenhofen Stand 31. Januar 2024 zeichnet sich ein dritter Geburtenjahrgang mit einer gegenüber der bisherigen Prognose beziehungsweise Planung geringeren Kinderzahl ab.“ Das sei nicht absehbar gewesen und könne sich auch wieder ändern. „Zum momentanen Zeitpunkt erscheint es deshalb sinnvoll und angebracht, für einen Kita-Neubau zunächst die weitere Entwicklung der Kinderzahlen abzuwarten – und das gekaufte Gelände nicht schon anderweitig zu verplanen.“
Kleinere Jahrgänge
Konkret sehen die Jahrgangszahlen für Dudenhofen so aus: Der Jahrgang der zwischen 1. September 2017 und 31. August 2018 Geborenen ist 78 Kinder stark. Der folgende Jahrgang 18/19 umfasst nur noch 62, der sich daran anschließende Jahrgang 19/20 sogar nur 52 Kinder. 2020/21 geht es wieder nach oben auf 72 Kinder, dann folgen wieder zwei schwache Jahrgänge mit 55 und 59 Kindern. Für den Jahrgang 23/24 werden aktuell 60 Kinder prognostiziert, bei erst 16 geborenen Kindern nach fünf Monaten könnte er aber auch deutlich kleiner ausfallen.
Stand jetzt gibt es in Dudenhofen 284 Kita-Plätze für die Zwei- bis Sechsjährigen, zusätzlich elf Plätze für Einjährige. Weil es in den vergangenen Jahren meist mehr Kinder als Plätze gab, haben die Planer vom Kreisjugendamt die Weichen für eine weitere Kita gestellt. Noch zum Stichtag 1. August 2023 fehlten 17 Plätze für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren. Doch für die kommenden Jahre sieht es deutlich besser aus: Mit kleinen Schwankungen würden sich bis 2026 rechnerisch Angebot und Nachfrage bei den Kita-Plätzen fast genau decken.
Nicht berücksichtigt sind dabei allerdings die Änderungen, die sich aus dem Kita-Gesetz ergeben. Weil dieses eine durchgängige siebenstündige Betreuung und die Möglichkeit zum Mittagessen vorsieht brauchen viele Kindergärten mehr Platz beziehungsweise sie können weniger Kinder aufnehmen. Auch wenn 159 der über Zweijährigen in Dudenhofen schon über Mittag betreut werden und es nur noch 125 Teilzeitplätze gibt, könnten die drei Dudenhofener Kitas bei Umsetzung des Gesetzes 98 Kinder weniger als jetzt aufnehmen.
Bestehende Kitas erweitern
Das wird aber laut Kreisjugendamt nicht so kommen. Denn erstens werde dem Erhalt möglichst vieler Plätze Vorrang vor der schnellen Umsetzung der Kita-Gesetz-Vorgaben eingeräumt. Sprich: Es werden keine Teilzeit- in Ganztagsplätze umgewandelt, solange dafür weniger Kinder aufgenommen werden könnten, weil Schlaf- oder Essensräume im Bestand geschaffen werden müssten. Und zweitens sollen die bestehenden Kitas durch Anbauten mehr Platz erhalten. So soll die Kita St.-Kunigunde um einen zweigeschossigen Anbau erweitert werden. Und die Kita Naseweis, zu der auch zwei Hortgruppen gehören, bekommt einen Anbau mit Mensa.
Die neue Ansage aus dem Kreishaus, erst mal keine weitere Kita zu planen, ist für Dudenhofens Ortsbürgermeister nur begrenzt nachvollziehbar. Jürgen Hook verweist auf die Neubaugebiete im Ort, zum Beispiel „In den Dreißig Morgen“. Er geht deshalb davon aus, dass in Zukunft zusätzliche Betreuungsplätze gebraucht werden. Klar sei aber auch: Ohne Zustimmung des Kreisjugendamts könne die Ortsgemeinde keine Kita bauen. Einen positiven Aspekt kann Hook dem vorläufigen Aus für die Kita-Pläne allerdings auch abgewinnen: Das für eine neue Einrichtung eingeplante Geld kann nun anders verwendet werden. Hooks Vorschlag: damit einen Teil des Hort-Neubaus zu finanzieren. Dessen geschätzte Kosten sind nämlich mittlerweile bei 4,4 Millionen Euro angelangt.
