Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzerin heiratet Amerikaner: Über den Ozean und durch die Pandemie

Ja-Wort in Römerberg: Ronja und José Marti bei der Hochzeit im Zehnthaus in Berghausen.
Ja-Wort in Römerberg: Ronja und José Marti bei der Hochzeit im Zehnthaus in Berghausen.

Grenzenlose Liebe hat ihren Preis. Ronja Marti zahlt ihn gerne. Die Römerbergerin hat im September den US-Amerikaner José geheiratet. So bald wie möglich will sie ihm nach Hampton im Bundesstaat Virginia folgen. Der Weg dahin ist steinig. Und die Corona-Pandemie hat die bürokratischen Hürden noch höher werden lassen.

So oft es geht, sitzt Ronja Marti 20 Stunden im Flieger Richtung USA. Im Februar ist die 23-Jährige wieder einmal aus ihrer künftigen Heimat zurückgekehrt. Sechsmal war sie schon da, ihr Ehemann kommt einmal jährlich. „Amerikaner haben deutlich weniger Urlaubstage als wir“, erklärt Marti. „Das nächste Treffen ist vielleicht im Mai“, hofft sie. Dann will ihr 29-jähriger Gatte sie in Römerberg besuchen. Zum ersten Mal nach der Hochzeit, die sie von Ronja Hoffmann zu Ronja Marti gemacht hat. Die Tochter des Römerberger Ortsbürgermeisters Matthias Hoffmann kann sich an ständige Wiedersehen und Abschiede nicht gewöhnen. „Die Sehnsucht ist immer dabei“, schildert Marti lange Tage und Nächte, in denen das Vermissen nicht nachlässt. Regelmäßige Internet-Begegnungen sind ein Kompromiss. „Für einen von uns ist es dann immer fünf Uhr morgens“, berichtet sie von vertrauten Gesprächen im Schlafanzug.

Acht Monate vor der Hochzeit haben sich die Martis Pandemie-bedingt überhaupt nicht sehen können. „Das war schwer“, erinnert sich Ronja Marti. Im Alltag ist die Beziehung der Pfälzerin und des Amerikaners auch heute noch nicht angekommen. „Darauf freue ich mich“, sagt sie. Das passende Haus in Hampton/Virginia wartet schon. Aber zuerst will sie ihr Gesundheitsmanagement-Masterstudium abschließen.

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Die Greencard

Vor sechs Jahren getroffen

Vor sechs Jahren hat sich das Paar kennengelernt. Auf dem Militärstützpunkt der amerikanischen Luftwaffe in Ramstein. Er der US-Armeeangehörige, sie die Schülerin Ronja Hoffmann aus Römerberg. Beziehung? Davon sei damals nicht die Rede gewesen, berichtet die junge Frau. Bereits ein Jahr später wurde José Marti Morales nach Italien versetzt. Der Kontakt beschränkte sich fortan auf das Internet – bis die Römerbergerin ihren Lieblingsamerikaner bei einem Kurztrip mit Freundin nach Venedig wiedergetroffen hat. „Da war sofort klar: Wie bleiben zusammen“, erzählt Marti. Die Fernbeziehung habe funktioniert, sagt sie. „Ich habe jeden günstigen Flug gebucht, um unsere Sehnsucht zu stillen.“

Die Liebe wuchs, die Entfernung blieb die gleiche. Zunächst wollte José Marti mit seiner Ronja in Deutschland leben. Sogar etwas Deutsch habe er schon gelernt, erzählt sie. „Aber hier hätte er mit seiner amerikanischen Militärausbildung keine Arbeit gefunden“, erklärt sie. Zudem habe nach einem Jahr innereuropäischer Beziehung eine erneute Versetzung angestanden. Zurück nach Amerika, wo José Marti mittlerweile in einem „super Regierungsjob“ arbeite. Für Ronja Marti ist klar, dass sie den Kontinent wechseln will, um mit ihm zu leben. „Ich war schon immer sehr offen für untypische Wege“, betont sie. Und überhaupt: „Eine Trennung hat trotz aller Schwierigkeiten nie im Raum gestanden.“

Gerne erinnert sie sich an die Hochzeit in Römerberg. „Dass seine Familie nicht aus- beziehungsweise einreisen konnte, war der Corona-Wermutstropfen“, sagt Marti. Es sei schon schwierig genug für ihren Bräutigam gewesen, zu seiner eigenen Hochzeit zu kommen. Inzwischen sei die enge US-Familie für solche Feiern zugelassen. Eigentlich hätten sie schon vor dem Pandemiebeginn heiraten wollen, berichtet Marti von bürokratischen Hürden vor der Eheschließung zwischen zwei Menschen von zwei Kontinenten. Am schwierigsten sei die Beschaffung der Ehefähigkeitsbescheinigung ihres Mannes gewesen, sagt sie. Ihr Visum, das zur Greencard führt, ist beantragt, aber noch nicht da. Marti hofft, dass sie es im Mai 2022 in den Händen hält. Dann will sie mit dem Ehemann ins Haus in Hampton ziehen, sich eine Arbeit suchen und vielleicht irgendwann eine Familie gründen. Amerikanische Staatsbürgerin will Ronja Marti nur dann werden, wenn sie ihren deutschen Pass behalten kann.

Seit sie verheiratet sind, sei mehr möglich, sagt Marti. „Vorher ging so gut wie nichts problemlos.“ Sie wünscht sich, dass „Liebe nicht unter Tourismus läuft“ und die Behörden es jungen interkontinentalen Paaren nicht so schwer machen, sich zu sehen und miteinander zu leben.

Großes Fest soll 2022 steigen

Je näher der Tag rückt, an dem Ronja Marti ihr altes Römerberger Leben zurücklässt, desto mehr denkt sie an das neue Zuhause in den USA. „Das Auto spielt eine viel größere Rolle als hier“, berichtet sie von Erfahrungen in der künftigen Heimatstadt Hampton, die direkt an der Küste liegt. „Virginia Beach, zwei Flughäfen, darauf freue ich mich“, sagt sie. „Vermissen werde ich viel“, ist Marti ebenso sicher. Allem voran die Familie und den dazugehörigen Kater.

Mindestens ein Haustier wird ins Hamptoner Heim einziehen, sagt Marti. Die große Schwester und der kleine Bruder freuen sich schon auf Ferien in den USA. Mit ihrer Mutter trifft sie sich bei jedem USA-Besuch nachmittags zum gemeinsamen Kaffeetrinken im Internet. „Das wollen wir beibehalten, wenn ich ganz drüben bin.“ Eine Rückkehr nach Deutschland schließt Marti nicht aus. Sie weiß, dass es beim Abschied aus Römerberg sehr emotional zugehen wird. Aber: Die Römerbergerin mit USA-Ambitionen hofft auf ein Fest mit Familie und Freunden im Mai 2022.

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