Maxdorf
„Omas gegen Rechts“: Auch im Alter politisch aktiv
„Ich habe meine Eltern gefragt, warum sie nichts gegen die Nazis getan haben. Und ich möchte das in ein paar Jahren nicht von meinen Enkeln gefragt werden“, sagt eine 63-jährige Maxdorferin, die neunfache Oma ist. „Meine Eltern haben beide den Krieg erlebt, und sie haben nicht toleriert, dass es in unserer Verwandtschaft auch aktive SS-Leute gab. Sie haben uns Kinder ermahnt, damit so etwas nie wieder passiert“, sagt eine zweifache Oma, die 72 Jahre alt ist. „Ich bin keine Oma, aber ich möchte unbedingt mitmachen“, sagt eine weitere Maxdorferin, die sich vom Alter her zur Generation Oma zählt.
Die drei Frauen hoffen, in der Verbandsgemeinde Maxdorf weitere Bürgerinnen zu ihrer Initiative zu gewinnen. Aber warum treten sie so betont als Omas auf? Und wird „Oma“ von jüngeren Leuten nicht auch ein bisschen spöttisch zu älteren Damen gesagt? „Mir hat das gleich gefallen“, sagt die Nicht-Oma. „Schließlich zeigt es, dass wir auch im Oma-Alter politisch aktive Menschen sind.“ Zudem fallen die Omas mit ihren Plakaten bei Demonstrationen auch auf und erreichen damit Öffentlichkeit. „Für mich spielt schon eine Rolle, dass ich Oma bin. Ich frage mich, wie die Welt aussehen wird, in der meine Enkel leben werden“, sagt die neunfache Großmutter.
Südpfälzer Vorbild
Ein Vorbild für die Maxdorfer „Omas gegen Rechts“ ist Inge Heimer aus der Südpfalz. In Kandel hatte ein Flüchtling aus Afghanistan ein 15-jähriges Mädchen ermordet. Die rechte Szene organisierte unter dem Deckmantel der „Trauermärsche“ wöchentliche Demonstrationen, in denen die Rechtsextremen ihre rassistische und faschistische Ideologie propagierten. Schließlich kamen im März 2018 gut 4000 Rechte aus dem ganzen Bundesgebiet.
Inge Heimer aus Herxheim wollte den Rechten nicht die Straßen überlassen und Menschen mobilisieren, die eine offene, menschenfreundliche Gesellschaft wollen. Sie gründete in der Südpfalz die „Omas gegen Rechts“, vermutlich die erste Gruppe in Rheinland-Pfalz. Dafür wurde sie mit dem Bundespreis für Zivilcourage und weiteren Auszeichnungen geehrt.
Ursprung in Österreich
Entstanden ist die Initiative „Omas gegen Rechts“ in Österreich, als Antwort auf die rechtspopulistische Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ. Maxdorfer Seniorinnen haben von dieser Idee bei einem Besuch des Seniorenbeirats im Mainzer Innenministerium gehört, wo sie einen Vortrag über die „Omas gegen Rechts“ hörten. Inspiriert kehrten sie zurück und beschlossen, in ihrer Verbandsgemeinde als Omas aktiv zu werden.
Die „Omas gegen Rechts“ sind kein Verein, sondern eine Bürgerinitiative, die Gruppen in Städten und Gemeinden im ganzen Bundesgebiet umfasst. Üblich ist es bei den „Omas gegen Rechts“, sich nicht mit einzelnen Namen in die Öffentlichkeit zu stellen. Nicht nur weil sie keinen „Personenkult“ wollen, wie die Maxdorferinnen sagen – es geht auch um die Sicherheit der Aktivistinnen.
In Maxdorf ist die Initiative noch in der Gründungsphase. Ziel der Omas ist es, Teil eines gemeinsamen Maxdorfer Bündnisses zu werden, das für Toleranz und Vielfalt und gegen Rassismus und Ausgrenzung eintritt. „Wir wollen Teil einer bürgerschaftlichen Bewegung werden, die sich über Generationen und Parteien hinweg für eine demokratische menschliche Gesellschaft einsetzt“, sagt eine der drei Gründer-Omas. Ideen für weitere Aktivitäten gibt es schon, wie etwa die Teilnahme am Demokratiefest auf dem Hambacher Schloss.
Termin
Die Maxdorfer „Omas gegen Rechts“ laden ein zum Kennenlernen und Mitmachen am Dienstag, 14. Mai, 15 Uhr, im Haus der Begegnung in Maxdorf, Hauptstraße 62.
Im Netz
omasgegenrechts-deutschland.org