Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Toleranz und Zivilcourage: „Oma gegen Rechts“ erhält Preis

Inge Heimer ist häufig Verunglimpfungen ausgesetzt.
Inge Heimer ist häufig Verunglimpfungen ausgesetzt.

Die Herxheimerin Inge Heimer ist mutig. Sie ist eine „Oma gegen Rechts“. Nun wird sie für ihre Zivilcourage mit einem Preis ausgezeichnet. In der Region ist sie für ihr Engagement gegen Hass und Hetze von Rechtsextremisten bestens bekannt.

Den Antrieb für ihren Einsatz bringt Inge Heimer schnell auf den Punkt. Sie will, dass nachfolgende Generationen in einer freien Gesellschaft aufwachsen können. Gerade in Zeiten, in denen rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten zunehmen, würde sie sich mehr Engagement von den Bürgern in diese Richtung wünschen. „Viele schauen nicht hin und denken das reicht. Nein, das reicht nicht“, sagt sie. Für ihren Einsatz als „Oma gegen Rechts“ erhält Inge Heimer nun dem Ludwig-Wagner-Preis für Toleranz und Zivilcourage, den der Bezirksverband Pfalz zum dritten Mal verleiht. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. „Wir werden den Betrag spenden. Ich nehme den Preis sehr gerne entgegen und sehe ihn als Wertschätzung für alle Omas, die sich gegen Rechts engagieren“, sagt die Herxheimerin.

Schon oft beschimpft

Inge Heimer ist häufig Verunglimpfungen ausgesetzt: „Das ist doch die Asoziale (...)“ oder „Du alter, faltiger Lappen“ sind nur zwei Beispiele für Kommentare, die der 62-jährigen Herxheimerin im Internet häufiger entgegenschlagen. Sie weiß gar nicht genau, wie viele Anzeigen sie schon erstattet hat. „Kaum zu glauben, was alles unter Meinungsfreiheit läuft“, wundert sich Inge Heimer.

Dass die Südpfälzerin schon oft in unflätiger Weise beschimpft wurde ist das eine, dass sie auch schon näher ins Visier hasserfüllter und gewaltbereiter Rechtsextremer geraten ist das andere. Zeitweise stand sie unter Polizeischutz. Fotos von ihr und ihrem Haus wurden auf Facebook gepostet, um sie einzuschüchtern. „Aber das funktioniert bei mir nicht. Ich lasse mir von den Rechten keine Angst einjagen und habe mir eine dicke Haut zugelegt“, erzählt sie im Gespräch mit der RHEINFPFALZ. „Jetzt erst recht, denke ich mir da“, sagt die Beamtin im Vorruhestand, die nebenberuflich in der Seniorenbetreuung tätig ist und sich seit vielen Jahren in der SPD engagiert.

Vieles verläuft im Sand

Teilweise muss sich Inge Heimer jedoch wie Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen fühlen, denn die meisten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen „verlaufen leider im Sand“, sagt sie mit Blick auf einen Ordner, der randvoll mit Anzeigen ist. Leider komme man den Urhebern der großteils anonymen Beleidigungen in sozialen Netzwerken wie Facebook und Telegram nur selten auf die Spur. Die Justiz müsse den Rechtsextremen endlich eine rote Linie zeigen, betont sie. Menschen, die sich gegen Rechts engagieren seien nicht ausreichend geschützt.

Jüngst wurde auch die Fernsehjournalistin Dunja Hayali im Internet aufs Übelste beleidigt und beschimpft. Sie ging dagegen vor. Ein Mann aus dem Kreis Germersheim musste sich wegen eines Kommentars bei Gericht verantworten und eine Geldstrafe zahlen.

Nachdem in Herxheim im Dezember 2015 das Gebäude für die geplante Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Herxheim gebrannt hat, begann sie, sich gegen rechts zu engagieren. „Ich war erschüttert und sauer, aber auch stolz, dass sich danach so viele vor dem Rathaus versammelt haben“, erinnert sich Heimer. Sie meint die Kundgebung für Menschlichkeit, bei der rund 1600 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert haben. Nach dem Mord an der 15-jährigen Mia in Kandel durch ihren Ex-Freund, einen jungen afghanischen Flüchtling, engagiert sich Inge Heimer bei den „Kandler Omas gegen Rechts“, die sie initiiert hat. Zu der Initiative gehören mehrere Frauen aus der Südpfalz. Bei Aufmärschen rechter Gruppierungen – auch außerhalb der Südpfalz – stehen die Frauen mit Gegenprotesten ein für Demokratie, Menschenrechte und ein friedliches Zusammenleben.

Benannt ist der Friedenspreis nach Angaben des Bezirksverbands nach dem Lehrer Ludwig Wagner, der sich für die Werte, die der Preis repräsentiert, stark gemacht hat. Der 1869 in Augsburg geborene Friedenspädagoge organisierte ab 1905 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Kaiserslautern Ferienkurse, zu denen insbesondere Ausländer eingeladen waren.

Info

Der Friedenspreis wird alle drei Jahre vergeben. Diesmal am Sonntag, 5. November, 18 Uhr, in der Pirmasenser Festhalle. Die Laudatio übernimmt die ehemalige Bahnradsportlerin Miriam Welte.

Die „Omas gegen Rechts“ zeigen vielerorts Flagge.
Die »Omas gegen Rechts« zeigen vielerorts Flagge.
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